30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen


Rechtsextreme dürfen sich weiterhin entfalten

Vorneweg zugleich mal eine wichtige Bemerkung zum simplen Feindbild zwischen Links und Rechts, zumal etliche Linke in der Querfront mit dem Autokraten Wladimir Putin sympathisieren, während jene Nazis des Deutschen Bundestages nicht zufällig erfolgreich agieren, sich wählen lassen und Moskau aufsuchen. Verkehrte Welt, in der besonders europaweit Rechtsextreme sich vernetzen. Nichts aus der Geschichte gelernt, exemplarisch mitnichten nach Rostock-Lichtenhagen.

Insofern kann und muß man Kulturstaatsministerin Claudia Roth zustimmen, die zu Erinnerungskultur im Fall Rostock-Lichtenhagen mahnt. Es sind Auslöser während der viertägigen Ausschreitungen, die man durchaus als Weckruf bezeichnen muß, der bis heute anhält, das Milieu rechtsradikaler Unwesen antreibt, ihre Gewaltexzesse auszuleben. Ob das mit einer Erinnerungskultur allein funktionieren wird, darf unbedingt angezweifelt werden!

Stoppt endlich diesen Freiraum

Und zwar bevor das Kind in den Brunnen gefallen sein wird. Das muß die Botschaft sein, wobei auch gezielte Taten folgen sollten. Solange Deutschland den Rechtsextremismus gewähren läßt, fühlen sich auch andere Länder beflügelt, diesen Weg fortzusetzen, wie jeder unschwer erkennen muß.

Historisch betrachtet, wurde von Beginn an eben jene Nazi-Kultur nicht ausgemerzt, etliche Nazi-Schergen erhielten direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erneut Posten und Möglichkeiten ihrer Entfaltung, anstatt sie gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen ob ihres Schweigens, ihrer Taten. Denn auch wer schweigt, macht sich unbedingt mitschuldig an den vielen Nazi-Verbrechen. Und dann wundern wir uns, daß die Ausschreitungene in Rostock-Lichtenhagen stattfanden?!

Bildungsangebote allein zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus reichen nicht

Natürlich hat Frau Roth nicht Unrecht, wenn sie die öffentliche Beachtung des Leides der Opfer und Hinterbliebenen rügt. Ebenso folgerichtig ihr Vorschlag, Bildungsangebote anzubieten. Doch damit allein kann es nicht getan sein, wie wir unschwer ersehen können, mit welcher Selbstverständlichkeit immer noch rund zehn Prozent der Wähler Nazis in den Deutschen Bundestag wählen.

Die verantwortliche Politik hatte gar keine Probleme, Kommunisten den Einzug in die Parlamente zu verbieten, ausgerechnet bei Nazis herrscht betretenes Stillschweigen, sie gewähren zu lassen. Diese Doppelmoral stößt selbstverständlich bei all jenen sauer auf, die dies eben nicht nachvollziehen können und wollen. Solange die Gesellschaft dies duldet, wird eine Erinnerungskultur wirkungslos verpuffen im Reigen von Terror und Haß, der sich ungebremst entfalten darf.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Eine Antwort zu 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Damals entstand eine der Wurzeln des Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern. Es fehlte das entschiedene Eingreifen des Staates und der anschließenden Verurteilung der vielen Täter und Mitläufer.

    Gefällt 1 Person

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