Spielerisch Spülen so gar nicht abwegig


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Bild von pasja1000 auf Pixabay

Wenn von einer modernen Küche gesprochen wird, hören wir die Wörter Spüle und Spülmaschine, vor einigen Jahren oder Jahrzehnten, beides dienlich um die anfallenden Koch- und Geschirrutensilien nach Gebrauch abzuwaschen. Wobei, wenn beides vorhanden, die Spüle hauptsächlich benützt wird, um darin das Gemüse zu waschen, also eigentlich nicht mehr zum Spülen genutzt wird. Dafür gibt es die Spülmaschine, die je nach Personen im Haushalt gut mehr als einmal am Tag das zeitaufwändige Spülen per Hand und das Abtrocknen des Geschirrs abnimmt.

Spülen, mittelhochdeutsch spüelen, althochdeutsch in: irspuolen, Herkunft ungeklärt, liest man im Duden. Auch das DWB Grimm gibt bei der Herkunft des Wortes nicht wirklich Erklärendes preis, außer die Wortumschreibung, verb. schwenkend reinigen.

Nun gibt es in unserer Sprache ein klangähnliches Wort, nämlich „spielen“.

Spielen, mittelhochdeutsch spiln, althochdeutsch spilōn, ursprünglich = sich lebhaft bewegen, tanzen. (Duden) Daß Tanz und Bewegung etwas mit Spielen zu tun haben, scheint äußerst glaubhaft.

DWB Grimm führt zudem noch andere Verbverwandtschaften auf.
„…vgl. die glossen: joculari .. spuelen, boerden vel spelen, splen, speln. Dief. gloss. 307c; ludere hd. spilen, spyln, spieln, hd. nd. spelen, spuelen. 338b; ludibundus spelende, spuelende. ebenda. im ältern oberd. zuweilen in der form spüllen: junge oder ander verwegne leut, die sich mit spüllen einlassen.“

Auch ist bei DWB Grimm noch folgendes zu erfahren, „die grundbedeutung von spielen ist die einer lebhaften, muntern hin- und herbewegung“

Der Einfachheit halber wurden in obigen beiden Abschnitten nur die lautverwandten Wörter von mir kursiv gesetzt.

Scheint doch nicht ganz so abwegig, „spülen“ und „spielen“ in einem wortverwandten Kontext zu erkennen, oder?

Bei einem ihrer Urlaube oder täglich, je nachdem wie nahe sie bei einem Gewässer oder Meer wohnen, ist es kein ungewöhnliches Bild, zu beobachten, wie das Wasser den Sand oder ein Gestein umspült. Spielerisch wirft die See, das Meer die Wellen an Land, gegen einen Felsen. Je nach Stärke der Wellen spült das Wasser Sand sogar gänzlich davon oder unterhöhlt Felsen, schleift Steine glatt oder zerklüftet Gestein, und das alles mit tanzenden, wirbelnden Bewegungen.

Ein weiterer Aspekt, der mich veranlaßt, zwischen den beiden Wörtern eine nicht von der Hand zu weisende Verbindung herzustellen, ist die folgende: Einmal einem Spiel verfallen, ist es für viele Menschen schwierig, aus der Maschinerie des Spielens zu entkommen, auch nachzulesen in dem Roman von Fjodor Dostojewski „Der Spieler“.

Nicht wenige Jugendliche, natürlich auch Erwachsene verbringen ihre Freizeit vor dem PC, am Smartphone, um ihre geliebten Spiele zu bewältigen, sie haben den Drang, das Spiel zu bezwingen, als Gewinner das Spiel abzuschließen und gleichzeitig das Verlangen, das nächste Spiel zu beginnen, um auch dieses Spiel mit Erfolg abzuschließen, oder sie sitzen in Spielhallen, Casinos vor den Automaten, in der Hoffnung mit mehr Geld in der Tasche diesen Ort zu verlassen, als sie ihn betreten haben.

Dabei spielen sich in ihren Gefühlen und Gedanken wellenartige euphorische oder niederschmetternde Widersprüchlichkeiten ab. Mit Wucht werfen sie sich in quirlige Freude beim kleinsten Gewinn, oder es treibt sie ein ohnmächtiger Verlust in tiefe Verzweiflung.

Ähnelt dies nicht den Wellen einer „lebhaften, muntern hin- und herbewegung“? (DWB Grimm bei dem Wort „spielen“)

Und lasen wir nicht bei „spülen“, DWB Grimm, „schwenkend reinigen“?

Nicht klar ersichtlich scheint mir, welches Wort von wem abgeleitet worden ist.

Ich erlebte die lebhaft munteren Hin- und Herbewegungen des Tanzes als Selbstverständlichkeit bei Dorf- oder privaten Feiern. (War immer schon so)

Allerdings wurde „schwenkend gereinigt“ sogar noch in meinen Kindertagen, wenn die Frauen an einem bestimmten Wochentag mit ihrer Wäsche zum Waschplatz gingen, konnten wir Kinder ausgiebig beobachten, daß die Wäschestücke nach dem Einseifen und Reiben im See hin- und hergeschwenkt wurden, um die haftende Seife mit dem Schmutz auszuwaschen. (War immer schon so.)

Deshalb überlasse ich es ihnen, welches Wort zuerst oder von wem abgeleitet wurde, offensichtlich aber bleibt, diese beiden Wörter haben mehr gemein, als ich hier kurz angedacht habe.

In diesem Sinne lassen sie ihre Gedanken mit neuen Anregungen umspülen oder spielen sie zur Abwechslung einfach mit Wortbegriffen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumnen

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