Nestlé: Größter Mineralwasserproduzent handelt unverantwortlich


Das „schmutzige Geschäft“ mit dem Wasser eine tickende Zeitbombe

Sie ducken sich weg, reden sich raus, verschanzen sich hinter gutdurchdachten Phrasen, rechtlich abgesichert, in der Finanz- und Geschäftswelt anerkannt hofiert, die Verantwortlichen des weltgrößten Lebensmittelkonzerns Nestlé S.A., geleitet von Ulf Mark Schneider und Paul Bulcke. Ob dieser die Folgen der Mineralwasserherstellung auch nur ansatzweise verantworten kann, bleibt mal dahingestellt, was allerdings das „schmutzige Geschäft“ mit dem Wasser trotz tickender Zeitbombe bis heute in keiner Weise beeinträchtigt.

Profitgedanken kennen mitnichten Grenzen, bedienen sich schamlos der globalen Geschäftspraktiken, benutzen Gesetzeslücken für ihre Zwecke, spielen Umweltbedenken stets herunter bei gleichzeitiger Werbung für den Umweltschutz, um Verbraucher und Regierungen zu blenden, Hauptsache das eigene Gewissen wird nach außen vermarktet beruhigt.

Am Anfang war nicht das Wort, sondern Nestlé

Was einem Anfang vom Ende gleichkommt, da dieser Konzern sein weltweites Monopol konstant vergrößert. Nun kann man in der Welt der Globalplayers von einem wahrhaftig imposanten Erfolg sprechen, was die Geschäftspraktiken des Konzerns anbelangen, vom kleinen Milchpulverherrsteller „Henri Nestle’s Kindermehl“ zum größten Lebensmittelkonzern.

Ein Paradebeispiel, welches dem Film „Pretty Woman“ durchaus Ehre machen würde, sind dessen Geschäftsübernahmen. Nach und nach gelang dem Konzern sich bei unterschiedlich ergänzenden Lebensmittelfirmen zu beteiligen oder sie gar gleich aufzukaufen. Dieser Konzern vergrößerte sich somit kontinuierlich und damit ebenso der Einfluß auf den Weltmärkten innerhalb der Lebensmittelbranche. Die „Liste von Nestlé-Marken“ kann jeder im Internet einsehen, um sich selbst ein Bild zu machen, was täglich auf dem Eßtisch landet.

Doch was erfolgreich im Sinne der Wirtschaft klingt, muß noch lange nicht als unbedenklich hingenommen werden. Dem Kritiker mag man Neid und Mißgunst zwar als Argument noch durchgehen lassen, jedoch können all die berechtigten Kritikpunkte nicht das Wirken des Konzerns entlasten, sie taxieren uns eben alle.

Bekanntlich ist Stillen nachwievor die gesündeste Art der Ernährung für Babys, kein Wunder daß ausgerechnet ein Dauerkonflikt entstand, der seinen vorläufigen Höhepunkt im „Nestlé-tötet-Babys-Konflikt“ (1974) hatte. Vom Versuch, Attac mittels eines Maulwurfs bei deren Arbeit zu einem kritischen Buch zu überwachen, über den Vorwurf zur Kinderarbeitsduldung, Tierversuche für Tee zuzulassen, anfänglich mit beteiligt zu sein bei der Regenwaldvernichtung, wohl weiterhin offen ist, inwieweit der Konzern mitwirkte bei der Ermordung kritischer Nestlé-Gewerkschafter in Kolumbien, über die Thematik des Wassers, die Palette der Vorwürfe und Kritik am Firmengeschehen ebbt keineswegs ab. Dieser Negativtrend setzt sich somit fort.

Dem größten Umweltskandal auf der Spur 

Die Tochtergesellschaft Nestlé Waters mit Sitz in Paris stieg 1992 ins Geschäft ein, erreichte es, der weltweit größte Mineralwasserproduzent zu werden. Allerdings zu welchem Preis, muß die kritische Hinterfragung lauten. Hatte bereits vor neun Jahren der Dokumentarfilmer Urs Schnell mit seinem Film Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser für Aufsehen gesorgt, reagierte der in die erneute Kritik geratene Konzern prompt mit einer geschickten Gegenkampagne, rechtfertigte sich im Internet auf der Seite „Bottled Life – Our position“, auf der er sämtliche Kritikpunkte negierte und schönredete, ohne daß der Verbraucher sich von dessen Wahrheitsgehalt wirklich überzeugen konnte. Es verbleibt ein fader Beigeschmack des berechtigten Mißtrauens, zumal Nestlé alles unternimmt, um jenes gar zu bestätigen.

Das hat die bisherige Vorgehensweise in Sachen Trinkwasser, in Schwellen- oder Entwicklungsländern das dortige Grundwasser einfach abzusaugen und in Flaschen gefüllt äußerst gewinnbringend zu verkaufen, gleichwohl nicht stoppen können. Dabei nutzt der Konzern geschickt Gesetzeslücken in den jeweiligen Ländern, die somit keine Handhabe besitzen, sich gegen das „rechtmäßige“ Vorgehen des Konzerns zu erwehren. Während meist der einheimischen Bevölkerung vor Ort es an sauberem Wasser mangelt, bedient sich Nestlé völlig schamlos.

Selbst die USA scheinen solche Machenschaften nicht verhindern zu können oder zu wollen, weil die dortigen gesetzlichen Bestimmungen ein derartiges Vorgehen nicht ausdrücklich verbieten. So entzieht der Konzern dem ansäßigen Morongo-Indianerstamm dessen Wasser im US-amerikanischen Riverside County (Kalifornien) und niemand vermag ihn aufzuhalten.

Doch die eigentlich „tickende Zeitbombe“, wohl eines der größten Umweltskandale, steht uns noch bevor. Nämlich genau dann, wenn die vielen Milliarden Tonnen Plastikmüll von sich auflösenden PET-Flaschen bis in die kleinsten Winkel der Ernährungskette die Menschen erheblich nachhaltig belasten werden, etliche langsam daran erkranken und sterben, dann darf auch Nestlé sich am berechtigten Pranger massiver Vorwürfe wähnen.

Der damalige Präsident des Verwaltungsrates von Nestlé (bis 2017), Peter Brabeck-Letmathe, erklärte kurzerhand, daß Wasser kein Menschenrecht sei, schon nutzt der Konzern seine Vorgehensweise aus, er wird ja nicht aufgehalten, solange Verbraucher und Politiker stillhalten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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2 Antworten zu Nestlé: Größter Mineralwasserproduzent handelt unverantwortlich

  1. Ronald Schubert schreibt:

    Ich habe mir längst abgewöhnt, Flaschen zu schleppen, denn was bei mir aus dem Hahn kommt, ist billiger und tatsächlich qualitativ hochwertig!

    Gefällt 1 Person

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