Sprache evakuiert


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Bild von Meryl katys auf Pixabay

Niemals habe ich gedacht,
ich könnte verstummen,
die Welt der Wörter,
die ich aussprechen kann,
verlieren, niemals.

Ich selbst, kaum vorstellbar,
evakuiere meine Sprache,
laß Worte nicht mehr
durch Räume schweifen,
um gehört zu werden.

Nicht, daß ich sie vergrabe,
gänzlich verstecke,
sie sind da, massenhaft,
tummeln sich wie eh und je
geordnet, chaotisch in mir.

Aber auf der Brücke nach Außen
zerschellen sie in Silben, Laute,
kaum noch erkennbar ihr Sinn,
schmerzhaft der Gedanke,
sie zerstören ihren eigenen Weg.

Befürchte, dieser Steg zerspringt
mit jedem Ton, der frei sein will,
die beschützende Evakuierung
vor Schmerz, der den Atem anhält,
agiert spiegelverkehrt bei Leid.

Niemals habe ich gedacht,
ich könnte verstummen,
weil ein quälendes Empfinden
mich durch seine Schwingung
in seinem Klang verhaftet hält.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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