Satire ein moderates Mittel die Realität auszuhalten


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/24/Dieter_Hildebrandt_%282013-04-14%29.jpg/640px-Dieter_Hildebrandt_%282013-04-14%29.jpg

Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Ein Paradigmenwechsel bahnt sich an

Auch wenn das Urgestein des politischen deutschen Kabaretts, Dieter Hildebrandt, uns 2013 verlassen mußte, bleibt uns das Wesen der Satire natürlich erhalten. Müssen wir uns nicht allesamt von dem Gedanken verabschieden, wir hätten ansatzweise eine Chance, dermaßen viel Unmut, Bösartigkeit und gesteuerte Absichten abwenden zu können? Genauso gut wird der kritische Optimist eine solche Einstellung als menschlich tragische Kapitulation werten, die es mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Recht hat er.

Scheuklappen fokussieren den Blick in eine denkbare Schönfärberei

Ein jeder möge seine eigene, kleine Welt liebevoll gestalten, dient sie doch, sich fröhlich zu stimmen im Chaos ungebremster Lautstärke, einem Getöse, welches ihn manchmal aus dem eigenen fundamentalen Gleichgewicht stößt. Begeben wir uns mit solchen Rettungsinseln nicht in trügerische Illusionen, um Scheuklappen tragend den Blick in eine denkbare Schönfärberei zu fokussieren?

Wer dennoch meint, er müsse sich an ihnen festklammern, sollte sich nicht wundern, wenn Gefahr im Verzug ihn erwarten wird. Keine Innenwelt vermag der Außenwelt zu trotzen, weil jeder Mensch im gesellschaftlichen Gefüge seiner Rolle gerechtwerdend funktioniert. Es sei denn, man begebe sich in den Freitod oder resigniere anderweitig.

Genau aus diesem Grund hätte längst schon das große Aufwachen beginnen müssen mitten im Herzen Europas, während um uns herum den Ländern, einem nach dem anderen, die eigene verfehlte Politik überdeutlich um die Ohren gehauen wird, Unruhen und Widerstände sich ausbreiten. Haben wir das nicht alle schon lange gewußt, so daß ein erstauntes Raunen in der Öffentlichkeit fast schon an heuchlerisches Gehabe erinnert?

Neu kehrende Besen strotzen vor abgenutzter, sich wiederholender Ideen

Wie lang mag das noch gutgehen, stets mit denselben abgenutzten, sich wiederholenden Ideen die Menschen überzeugen zu wollen, obwohl längst infolge vernetzten Gedankenaustausches und dem Abwenden mancher Medien gegenüber ein Prozeß des Umdenkens begonnen hat? Meinen jene neu kehrenden Besen tatsächlich, sie könnten immer mit denselben Argumenten aufwarten? Bisher ging jene Rechnung auf, doch mit dem Paradigmenwechsel folgt eine Umkehr der Kräfte, eine Bewußtseinswerdung global verfehlter Zusammenhänge, auch dem Internet sei Dank.

Es bedarf des offenen Blickes, der Bereitschaft, über den Horizont, den Tellerrand hinaus handeln zu wollen, eben nicht die ewig gestrigen, ausbeuterischen Systeme anzunehmen, sondern ein generelles Umdenken zuzulassen. Dazu gehört allerdings die Berücksichtigung sämtlicher Belange der Bevölkerung, das Übermaß eines angehäuften, ungerechtfertigt extremen Reichtums abbauen, in dieser Form nie wieder dulden, letztlich gar ächten.

Was Satire geschickt auf den Punkt bringt, vermag niemand aufzurütteln?

Zurück zu Dieter Hildebrandt, der von Kollegen auch als „Pointenpapst“ galt, und das völlig zurecht. Ohne Satire gäbe es kein tiefgreifendes Schmunzeln in uns. Und während bei dem einen oder anderen die Lacher noch im Inneren des Bauches sich Wege der Entfaltung suchen, manchmal sogar schmerzhaft, weil zuviel des Guten, dämmert es manch aufwachender Seele, inwieweit Satire ihren Selbstzweck beabsichtigt.

Sollte nicht der geistig Aufgeklärte längst begriffen haben, daß Satire eine hervorragend nutzvolle Möglichkeit darstellt, dem Unbedarften die Augen zu öffnen? In vielfältiger Form sich präsentierend, in unterschiedlichen Rollen schlüpfend, wenn vorm Publikum sich aussetzend oder aber textlich spitzfedrig den geneigten Leser aufrüttelnd?

Und dennoch nehmen viel zu wenige den vorgehaltenen Spiegel der Satire mit ins reale Leben, setzen deren deutliche Mahnungen um, ob nunmehr sie verstanden oder einfach ignorierend, weil ihnen Macht jede weitere Kritik verbietet. Wer wagt es schon, die Hand, die einen füttert, nicht mehr anzunehmen, sondern andere Wege aufzusuchen?

Somit bleibt der Satire nichts anderes übrig, als ihrem Wesen entsprechend ihr diesen sehr wichtigen Raum zu geben, sie zu unterstützen, wo immer möglich, damit viele nicht nur in den Genuß ihrer Pointen kommen, sondern das eigene Leben reflektieren, vielleicht überdenken.

„Die Öffentlich-Rechtlichen machen sich in jede Hose, die man ihnen hinhält, und die Privaten senden das, was darin ist.“ (Dieter Hildebrandt)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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