Prominenz und öffentliche Wahrnehmung


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Bild von Hebi B. auf Pixabay

Eine zwielichtige Zurschaustellung

Da erscheint sie wieder, die „rettende Meldung“ über den plötzlichen Tod einer berühmten Persönlichkeit, fertig zum wirkungsvollen Ausschlachten fürs Mediengetümmel. Und alle Welt spielt diesen Informationskrimi schamlos mit, meist gewissenlos, weil einzig und allein die Schlagzeile sich rechnet.

Selbst wenn Familien sich berechtigt schützend vor die Toten stellen, eine Nachrichtensperre über die Todesumstände verhängen, beginnt das unbedarfte Herumwühlen in der Vergangenheit, um dennoch mögliche und unmögliche Details ans Tageslicht zu befördern und effektvoll zu veröffentlichen. Dabei fühlen sich selbst nahe Bekannte, Freunde und sogar manche Verwandte dazu berufen, bei Befragung trotzdem Stellung zu beziehen, einzig die eigene Meinungsäußerung verdrängt in solchen Momenten das Gebot des zuvor angekündigten Schweigens. Kein Wunder, daß Unmut und Verärgerung folgt. Hat Prominenz generell eine öffentliche Wahrnehmung zu erdulden, ihr Preis eine zwielichtige Zuschaustellung?

Der kleine Mann, die Diven und Berühmtheiten

Wenn Frau E. Müller oder Herr S. Fischer einen Rosenkrieg führen, sich eine Prügelei im Café Kranzler leisten oder dahinscheiden, lediglich ihre Nächsten, das soziale Umfeld nimmt davon Notiz, mitnichten eine breite Öffentlichkeit. Sie stehen ja auch nicht im Interesse und Rampenlicht sie ständig verfolgender Medien, die mit Klatsch und Tratsch am Tun und Lassen ihrer eigentlichen Klientel verdienen. Andererseits wäre es schon absurd, wenn über alle Menschen berichtet würde, soviel Informationen könnte niemand ertragen, geschweige denn verarbeiten.

Eine Privatsphäre kann sich leicht verschaffen, wer dies ziemlich deutlich nach außen hin unterstreicht, auch wenn der Kampf gegenüber ständig gaffend auflauernder Paparazzi sich schwierig bis unmöglich gestaltet, ein Restrisiko verbleibt. Somit leben die allermeisten weiblichen und männlichen Diven und Berühmtheiten halt mit dem Los öffentlicher Wahrnehmung, die einen angenervt und manche sogar selbstgefällig in der Menge sich badend, ganz so wie jeder mag.

Erfolg und Mißerfolg im Fokus selbstgefälliger Kritiker

Neid, Mißgunst bis hin zur Häme stellen äußerst bösartige menschliche Eigenschaften dar, die allerdings mehr Anwendung finden, als manchen lieb sein wird, tragen obendrein vielfach mit dazu bei, Menschen zu erniedrigen, sie abzuurteilen ohne den Anspruch von Gerechtigkeit oder objektiver Betrachtung. Im Gegenteil, es wird sich erst recht gesuhlt im Hetzen abfälliger Bemerkungen ob entdeckter Schwächen, oftmals auch, um eigene Verfehlungen zu kaschieren. Deutlich zu spüren bekam dies beispielsweise der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke, zu Recht hochverehrt ob seiner unverkennbaren Bühnenpräsenz, bei dem man dennoch seine Alkoholerkrankung insbesondere in der Boulevardpresse bis zum „Erbrechen“ ausschlachtete! Die Namensliste ähnlicher Verfahrensweisen würde diesen Artikel sprengen, hatten Hildegard Knef, Marlene Dietrich, Romy Schneider und noch etliche andere ebenso unter diesen hämisch öffentlichen Druck zu leiden. Sicherlich mag man schnell irgendwelche Schuldzuweisungen finden, weil manche sogar den Versuch wagten, gegenzusteuern, sich zu äußern bis hin zu meist aussichtslosen gerichtlichen Klagen.

Aber auch bei erfolgreichen, weniger spektakulären Künstlern oder Prominenten findet sich ein „Haar in der Suppe“, gibt es Themen und Anläße, die man selbstgefällig herleitend benutzt, um wirkungsvoll zu berichten. Anstatt es beim Stillschweigen der Todesumstände zu belassen, wie bei der verstorbenen Susanne Lothar, wird gar gleich eine Familientragik gewittert und medienwirksam in Szene gesetzt. Die Schauspielerin des Jahres 1988 zusammen mit Jutta Lampe, aus der  Sicht der Zeitschrift Theater heute, ist viel zu früh verstorben, belassen wir es dabei und respektieren den Willen ihres Umfeldes, ihrer Familie.

Die Rolle der Medien – Gratwanderung eines Interessenkonflikts

Das geforderte Aus- und Weglassen einer bestimmten Berichterstattung rückt dem Verdacht einer Zensur, dem Recht der Medienfreiheit unmißverständlich nahe, selbst wenn eine sensationslüsterne Boulevardpresse oder große Teile des Fernsehens die persönliche Privatsphäre umgehen und mißachten. Die Grenzziehung, inwieweit überschritten oder doch noch gewollt, vollzieht sich äußerst wage bis fließend. Das Geschäft der Sensation im Fokus einer gewissen Nachfrage seitens neugieriger Konsumenten rechtfertigt die Haltung, wobei auch dort, was denn zuerst da gewesen soll, das Huhn oder das Ei, hierbei die Frage sich stellt: das gaffende, wissbegierige Volk oder die entsprechenden Medien?

Solange seriös im gegenseitigen Einvernehmen und somit auf Augenhöhe interviewt, gefilmt, photographiert und berichtet wird, leisten Medien einen wertvollen Beitrag, um die Menschen umfassend zu informieren. All das, was zu spekulieren beginnt, hinzuzudichten, wegzulassen und hämisch zu kommentieren, verläuft sich im versandenden Gekicher einer sensationslüstern gaffenden Menschenspezies, die sicherlich bedient werden möchte, worauf aber jeder halbwegs moralisch empfindende Zeitgenosse viel eher gern verzichtet, um sich dem Wesentlichen zuzuwenden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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