Nächtliche Besucher leiten des Menschen Reise ein – Teil 1


https://pixabay.com/de/illustrations/wolkenkratzer-geb%C3%A4ude-planeten-raum-5618486/

Bild von ParallelVision auf Pixabay

Geosin ahnt nichts von seinem Glück

Ganz entfernt, kaum vernehmbar, plätscherte ein Rinnsal in den Weiher, der umgeben von einer Pappelallee an jenem frühen Herbstabend, soviel Veränderung bedeuten sollte. Hoch oben entdeckte der aufmerksame Beobachter das ein oder andere Vogelnest, welches im letzten Frühjahr der jungen Brut gedient hatte. Eine Windbö erfaßte eines, es fiel in hohem Bogen taumelnd in das Gewässer, zwei Enten flogen schnatternd ein paar Meter weiter, um treffsicher mit sicherem Abstand zu landen.

Soeben verschwand die Sonne hinter den Wipfeln des nahegelegenen Buchenwaldes, als im nächsten Moment ein junges Pärchen per Fahrräder das Ufer erreichte. Die siebzehnjährige Rita ließ sich lachend ins Gras fallen, während Geosin mit breitem Grinsen vom Rad stieg und sich zu ihr setzte. Seine kräftige linke Hand erwischte gerade noch ihren Fuß, bevor sie sich ihm entziehen konnte, zog sie sanft zu sich, küßte sie liebevoll und lang anhaltend. Fast könnte man meinen, eine romantische Filmszene entblätterte den Verlauf eines angenehmen Abends, wenn da nicht völlig unerwartet die beiden gestört worden wären.

Plötzlich erstarrte Rita, biß ihm für einen kurzen Moment vor lauter Schreck in die Unterlippe und schaute mit weit aufgerissenen Augen in Richtung Westufer des Weihers. Geosin begriff zunächst nicht, was das sollte, fluchte erst mal ob des Bißes.

„Autsch, Rita, wieso beißt du mir denn in die Lippe. Kannst du nicht aufpassen? Und überhaupt, wohin starrst du nur, was ist denn los?“, entfuhr es ihm. Dabei drehte er sich in jene Richtung, zuckte zugleich heftig zusammen, duckte sich und zog seine Freundin instinktiv nach unten ins Gras.

„Hast du das gesehen?“, raunte er ihr kaum hörbar zu. Sie brachte keinen Ton heraus. Vor ihnen spielte sich ein Schauspiel der ganz besonderen Art ab. Fast wirkte das Geschehen wie aus einem Science-Fiction-Roman, was gerade Geosin stets fasziniert hatte, sie neulich erst sich darüber austauschten, was denn wäre, wenn sie Außerirdische treffen würden.

‚Darüber sinnieren mag ja ganz spannend sein‘, schoß es ihm durch den Kopf, ‚allerdings ihnen direkt vis-à-vis zu begegnen, das sprengt jede Vorstellungskraft.‘ Im nächsten Augenblick beschallte ein extrem hoher, sehr lauter Ton die gesamte Gegend, Vögel, Rehe, Wildschweine, gar Mäuse und andere Tiere ergriffen schlagartig die Flucht. Die beiden lagen wie erstarrt am Boden, hielten sich aber per schmerzverzerrtem Gesicht mit den Händen ganz fest ihre Ohren zu. Rita liefen Tränen die Wangen herab, Geosin drückte seinen Kopf in ihren Schoß. Die blanke Angst durchlief ihre jungen Körper, sie wußten nicht, wie lang das durchzuhalten war.

Atlantis und Lemuria keine Hirngespinste?

Manchmal können bei grausamen Geschehnissen einige Sekunden einer halben Ewigkeit gleichen, so zumindest empfand das jugendliche Pärchen während des schrecklichlauten Dauertons. Als er endlich ein abruptes Ende nahm, die Stille ihnen ein taumelartiges Gefühl der inneren Leere vermittelte, folgte unerwartet ein heftiges Donnern. Nicht etwa wie bei einem Gewitter, sondern eher ähnlich dem eines schweren LKWs, der über eine Brücke polterte.

Zugleich erhellte sich die komplette Landschaft in ein grelles Licht, als ob ein Filmset zugegen war, um Tageslicht herbeizuzaubern, nur mit dem Unterschied, daß dadurch keinerlei Wärme entstand. Ganz im Gegenteil, Rita und Geosin begannen extrem zu zittern, die Temperatur mußte binnen weniger Sekunden um mindestens zehn Grad Celsius gefallen sein, anders konnten sie es sich nicht erklären.

Obwohl sie keine einzige Gestalt sahen, spürten die beiden eine enorme Kraft, eine Art Energiefeld über sich, welches sie beobachtete, gar sie dazu zwang, ganz stilliegen zu bleiben. Gleichzeitig fragte sich Geosin, wie er die innere Stimme werten sollte, die plötzlich zu ihm sprach.

„Erdenmensch, höre genau zu, was wir dir mitzuteilen haben! Wir offenbaren uns beim heutigen Besuch Euch nicht mehr, aufgrund schlechter Erfahrungen vor rund zwölftausend Jahren, als Euer Kontinent, Lemuria genannt, in den Fluten des riesigen Meeres versank, viele Jahre später der materialistisch orientierte, etwas kleinere Kontinent Atlantis. Ihr Menschen habt die Botschaften wohl nicht verstanden, außer einige Wenige von Euch. Wir nehmen mit denen Kontakt auf, die wir sehr gezielt auserwählten, du gehörst zu ihnen.“

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

Dieser Beitrag wurde unter Kurzgeschichten abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.