UFO-Begegnung mit Katzenjammer (Teil III)


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Eine Reise durch die Nacht

Erst mal gemütlich die beiden Vorderpfoten nach vorne strecken, sich ausgiebigst putzen, in dieser Hinsicht war Felix schon eine kleine Ausnahme, weil viele Kater nicht so großen Wert darauf legen im Gegensatz zu Katzen selbst. Conny räumte soeben das Frühstücksgeschirr ab, Käse, Marmelade und Milch in den Kühlschrank, als ihr Telephon klingelte. Sie wunderte sich noch, wer denn um diese Zeit anrufen könnte und nahm den Hörer ab.

Im nächsten Moment wurde sie ohnmächtig, sank aber komischerweise sanft zu Boden, wie wenn jemand sie halten würde, nur niemand war zugegen. Felix traute seinen Augen nicht, was da mit seinem Frauchen geschah, bemerkte allerdings die extrem starke Kraft in der Küche, so daß er sich instinktiv lieber vorsichtig nach hinten schleichend unter den Vorratsschrank begab.

Sich Entmaterialisieren gehörte zu den leichtesten Übungen einer Sirius-Spezies, die erneut Conny einen Besuch abstattete. Mozigaas kleine Gestalt hatte einfach die Farbe gewechselt, statt grünlich wie in der letzten Nacht, erschien das Wesen nunmehr in einem lilafarbenen Ton, wie die langsam zu sich kommende Biologin bemerkte. Auch fiel ihr diesmal auf, daß es keine Kleidung oder ähnliches trug, vielmehr keine Haut vorhanden war, eher ein schuppartiges Leder, von der Struktur einem Krokodil glich.

Noch ehe sie etwas zu sagen vermochte, richtete Mozigaa das Wort an sie: „Frau Kleist, jetzt erinnern Sie sich planmäßig erneut an mich. Heute dürfen Sie mich begleiten. Zunächst fliegen wir für kurze Zeit zum Mutterschiff, von da aus geht’s direkt zu unserem Heimatplaneten Silfor, der um Sirius B kreist.“

Conny nickte ein wenig benommen, versuchte aufzustehen, was ihr aber nicht gleich gelang. Behutsam richtete sie sich auf, schaute sich dabei um, weil sie Felix vermißte, der überlicherweise eigentlich meist ihre Nähe aufsuchte. Der Außerirdische teilte ihr per Gedankenübertragung mit, daß der Kater unter dem Vorratsschrank sich befinden würde, worauf Felix vorsichtig hervorkroch, als ob das Tier verstanden hätte.

Anschließend begaben sich alle Drei ins Treppenhaus, stiegen nach oben zum Dachboden. Conny öffnete wortlos die Tür zum Flachdach, wurde aber sofortigst extrem geblendet, obwohl die Sonne schien, war dieses Licht erneut um ein Vielfaches heller, wieder bemerkte sie eine starke Wärme. Mozigaa führte beide ins UFO, welches gerade mal drei Meter hoch war, dafür mindestens fünfzehn Meter breit, wie die 29-Jährige grob schätzte.

Nahezu geräuschlos schlossen sich die beiden Schiebetüren und das kreisrunde Flugobjekt flog nicht sehr schnell im hohen Bogen durch die Stratosphäre, befand sich mit einer Höhe von genau 320 km über der Erde mitten in der Thermospähre und erreichte das gewaltige Mutterschiff. ‚Irgendwie wirkt das UFO wie ein kleines Spielzeug, welches einen Landepunkt zwischen all den Geräten und Formen sucht‘, dachte Conny ziemlich verwirrt. Mozigaa grinste ein wenig und deutete auf einen grün blinkenden Lichtkreis, in dessen Mitte sie ein näherkommendes, leuchtendes Symbol sah, was sie an ein Seepferdchen erinnerte.

„Das ist unser Lande-Eingang“, versicherte ihr das außerirdische Wesen. Die Biologin nickte zustimmend, während Felix ganz dicht bei ihr saß. Sanft landete das kleine Raumgefährt inmitten eines für sie zunächst unübersichtlichen Raumes, voller technischer Gerätschaften, sie eher verwirrte. Im nächsten Moment stiegen die drei aus und schritten eine erhellte Markierung entlang. Dabei registrierte Conny, daß sie gar nicht den Boden berührten, folglich über ihn schwebten. Gleichzeitig bemerkte sie, daß sie mit einer unvorstellbaren hohen Geschwindigkeit durch den Kosmos zu rasen schienen. Viel zu abgelenkt war sie, um länger all die neuen Eindrücke zu verarbeiten, zumal sie obendrein längst in eine riesige Halle traten.

Überall standen Silforer und beäugten die beiden Erdenbewohner, allerdings äußerst freundlich, Conny konnte keinerlei Feindseligkeit feststellen. Dabei gingen sie auf eine Podesterie zu. Zentral in der Mitte saß offensichtlich eine Art Anführer, vermutete die Biologin. Mozigaa gab ihr zu verstehen, sich eben nicht zu verneigen, sondern einfach abzuwarten. Felix selbst saß kerzengerade neben seinem Frauchen und schnurrte ein wenig.

„Herzlichst willkommen hier auf Silfor, Conny Kleist und auch Felix“, begann der Anführer und lächelte dem Kater dabei zu, „ich bin der gewählte oberste Fürst hier auf Silfor, Mozigaa, unser Botschafter im Kosmos, hatte die ehrenvolle Aufgabe, Euch beide hierher zu bringen. Danke Dir, Mozigaa. Ihr werdet bestimmt fragen, warum wir Kontakt zur Erde suchen und ausgerechnet Sie erwählten.“ Dabei wartete der Fürst erst gar nicht ab, was sie erwidern vermochte, sondern fuhr fort, „es hat einen ganz plausiblen Grund: Wir suchen gezielt bestimmte Menschen aus, um sie vorzubereiten auf eine wachsende Freundschaft zwischen unseren kosmischen Spezies. Früher hatten wir bereits Kontakte mit den Dogon im westafrikanischen Mali, Euer Schriftsteller Robert Temple berichtete darüber. Aber in Eurer wissenschaftlichen Welt wurde er viel eher als Phantast abgetan.“

Conny schaute ein wenig erstaunt in die Runde, sie hatte als Jugendliche mal sein Buch gelesen, jedoch später war es wieder in Vergessenheit geraten, alldieweil ihr Freundeskreis eher skeptisch alten Mythen gegenüberstand, sie sich daher von ihnen beeinflussen ließ. Nunmehr wurde sie allerdings eines Besseren belehrt. Noch lange befanden sich die beiden in der Halle, zwischendurch gab es interessante Speisen, wobei sie nicht so genau wissen wollten, was gegessen wurde, zumindest schmeckte es ausgezeichnet.

Heftiges Scharren riß Conny aus ihrem Traum, den sie sich so gar nicht erklären konnte. ‚Komisch, wieso habe ich das dumpfe Gefühl, in der Luft unterwegs gewesen zu sein‘, grübelte sie vor sich hin, stellte dann aber fest, daß es schon spät war, heute standen neue Versuche im Labor an. Felix begrüßte sie wie jeden morgen überschwenglich und biß kurz in den kleinen Zeh ihres rechten Fußes. Sie bemerkte, daß eine lila schimmernde Schuppe irgendwie an seinem Schwanz haftete, konnte sich dies aber nicht im Geringsten erklären.

Lotar Martin Kamm

UFO-Begegnung mit Katzenjammer (Teil I)

UFO-Begegnung mit Katzenjammer (Teil II)

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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