Im Dunkel schwermütiger Gedanken ein Lichtblick aufflackert


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Manch Traum der Realität zu nahekommt

Graue Wolkenbänder besetzten den Himmel, das spärliche Sonnenlicht erst recht bedrängten, was wiederum die Stimmung im Lande nicht gerade hob. Dennoch einige wenige Geister sich nicht beirren ließen in ihrer festen Überzeugung, daß am Ende des Tunnels ein Lichtblick sein sollte. Optimismus hielt sie zusammen, bremste den Zerfall aus, verhinderte, daß auch der Letzte vor lauter Trübsal das Handtuch warf.

Was war nur geschehen, ob jenes Zustandes, der nicht erst seit gestern viele in den Bann zog? Da hatte wohl schleichend, einem Krebsgeschwür gleich, ein desolates Lebensgefühl sich ausbreiten dürfen, ohne daß die große Masse dies real mitbekommen hatte. Könnte man vermuten. Doch halt, das entsprach keineswegs der Realitiät. Denn neben den bewußt inszenierten gewissen Fakenews, die für sich in Anspruch nahmen, es im Sinne aller zu richten, herrschten extreme Mißstände, die lediglich klein geredet wurden bin hin zur gänzlichen Ignoranz. Mahnende, die darauf hinwiesen, wurden einfach diskreditiert, der Lächerlichkeit preisgegeben, mundtot gemacht oder gar in bestimmten Ländern liquidiert, je nach Nowendigkeit angeblicher Bedrohungen.

Kein Wunder, daß die Medien selbst sich mal wieder rechtfertigen mußten. Einige wenige Versprengte harrten explizit aus, um der scharfen Angriffe zu trotzen. Mußten sie davon ausgehen, daß eine mögliche Apokalypse bevorstand, die allerdings kein Mensch tatsächlich seriös benennen konnte, wann und in welcher Form sie eintreten würde?

Dunkle Regenwolkenpakete mischten sich ins Einheitsgrau, hie und da platzten sie, entluden ihr kühles Naß gen Erde, Menschen und Tiere sich einen trockenen Unterschlupf suchten. Gemeinsam mit Gleichgesinnten war auch Trübsal ein Stückweit erträglicher, selbst wenn die Zukunftsaussichten noch so traurig. Hoffnung bohrte sich in jene Herzen, die einen Restfunken an schönen Erinnerungen hegten, ihren Kindern und Enkelkindern nicht vom Weltenuntergang berichten wollten, sich dagegen sträubten, obwohl die Gewißheit so nah.

Babette schreckte auf, blinzelte zum lilafarbenen Wecker, wußte im selben Moment, daß noch genug Zeit vorhanden, ehe sie in den neuen Tag starten würde. ‚Was habe ich da wieder geträumt‘, überlegte sie stirnrunzelnd. Andererseits stand ihr heute eine Klassenarbeit in Geschichte bevor, über die Fünfziger Jahre in Deutschland. ‚Naja, ein wenig nachlesen vom ollen Adenauer. Wird schon‘, sagte sie sich.

Plötzlich wurde ihr eine Traumsequenz bewußt: Sie sah einen Haufen Kinder schreiend in Richtung Schule rennen, weil ganz hinten am Horizont der typische Atompilz zu sehen war. Im nächsten Moment hatten sich alle auf den Boden geworfen vor Angst. ‚Ach ja, das war der Moment meines Aufwachens, das letzte Bild vom Traum‘, erinnerte sie sich. ‚Wie gut, daß im jetzigen Leben das noch keine Wirklichkeit ist‘, grübelte sie und stand auf.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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