Bildungssysteme im Widerspruch


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Bild von Vidhyarthi Darpan auf Pixabay

Weg von der Angstgesellschaft

Alles hängt mit allem zusammen. Und wenn wir diese wichtige Erkenntnis einfließen lassen in unserem tagtäglichen Handeln, insbesondere die Politik sich aufgerufen fühlen sollte, sehr behutsam mit viel Weitsicht die notwendigen Weichenstellungen zu bewerkstelligen, dann könnte es uns in der Tat besser gehen.

Doch stattdessen werden die Vorgaben einer nimmersatten Wirtschaftselite bedient, richtet sich alles nach ihr, vom Kindergarten zur Schule, von der Lehre oder Uni ins Berufsleben, die Menschen haben ihren Zweck zu erfüllen, wer aus der Reihe tanzt, wird abgestraft. Das ist allerdings ein kontraproduktiver Weg, deshalb gehören Bildungssysteme auf dem Prüfstand, weg von der Angstgesellschaft und hin zu Freiheit durch Kooperation, einer menschenwürdigen Gesellschaft.

Erwin Wagenhofer und sein Film Alphabet

Der österreichische Autor und Filmemacher Erwin Wagenhofer, den Sie wohl sicherlich von seinem erfolgreichen Dokumentarfilm „We Feed the World“ (2005) kennen werden, der völlig berechtigt die Massentierhaltung sowie die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion scharf kritisiert, versuchte sich ebenso in Spielfilmdrehbüchern wie z. B. „Vergiss Neider!“. Drei Jahre später folgte der Dokumentarfilm „Let’s Make Money“, in dem die weltweite, ungleiche Vermögensverteilung angeprangert wird.

In seinem Dokumentarfilm, „Alphabet“ nimmt er äußerst eindrucksvoll die Schulsysteme auseinander, hinterfragt altverkrustete, sich längst überholte Modelle. Eine dringliche Forderung an mehr Spielraum für Kreativität des Menschen wird deutlich im Film betont. Vergessen wir nicht, wie großartig die Möglichkeiten schöpferischer, individueller Vielfalt sich in uns bergen, wenn wir sie denn auch zulassen. Aber anstatt dies zu berücksichtigen, verbleibt das Korsett einer straffen Schulbildung. Und so bringt es Wagenhofer auf den Punkt, wenn festgestellt wird, daß dies, was wir lernen, unseren Wissensvorrat prägen mag, hingegen aber wie wir lernen, unser Denken prägen wird.

In dem Interview des Standarts, „Die Angst ist der Motor des ganzen Systems„, verdeutlicht Wagenhofer auf die Frage hin, ob es ihm um eine schullose Gesellschaft gehe, inwieweit normierte Abläufe eher uns nicht guttun, in dem er im Film den Maler Arno Stern aussprechen läßt: „Die Menschen sind am Leben und wissen nicht, warum.“

Bildungslobbyismus hat dem kreativen Gedanken zu weichen

Wir befinden uns mitten in einem Paradigmenwechsel, selbst wenn das die Herrschenden mal wieder nicht wie schon so oft in der Menschheitsgeschichte wahrhaben wollen. Es kann nicht mehr funktionieren, dieses aufopferungsvolle, ständige Gehorchen und Dienen nach den Vorgaben einer inhumanen Wirtschaft, in der sich alles nach dem Profit zu richten hat, während der Mensch, die Umwelt zugrunde gehen wird.

Insofern zerstört Bildungslobbyismus humane Freiheit, muß als Fehlentwicklung betrachtet werden, die es unbedingt zu ändern gilt. Erwin Wagenhofers neuer Film „Alphabet“ kann dabei ein Stückweit die richtigen Denkanstöße vermitteln. Jetzt gilt es, mutig eine Veränderung herbei zu führen, sich von einem Bildungssystem zu verabschieden, welches bisher stets den Menschen mit all seinen inneren Bedürfnissen, Stärken und Schwächen viel zu wenig berücksichtigt hatte. In der Tat muß die Umklammerung einer drohenden Angstkulisse der gesunden Möglichkeit der individuellen Förderung endlich weichen.

Nicht Drill, unnötiges Wissen und ewiger Zeitdruck sind mehr angesagt, sondern ein wesentlich behutsameres Aufeinander zugehen. Was nutzen der Gesellschaft „funktionierende Menschen“, die gleichzeitig sich ihrer eigentlichen, inneren Wünsche betrogen fühlen? Unzufriedenheit birgt viele Gefahren in sich, zwischenmenschliche Bindungen leiden genauso darunter wie letztlich die Arbeit selbst. Wer eine reelle Chance erhält, sich wirklich zu finden, kann dementsprechend wesentlich freudiger seinem Handeln im privaten und beruflichen Bereich nachkommen. Sorgen wir dafür, krempeln die alten Systeme um, die Zeit dafür ist überreif!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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