Ummantelte Grausamkeit


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Bild von Ichigo121212 auf Pixabay

Es klang nach Bittermandel
obwohl er nicht zu sehen war
auf den Weg hat er sich begeben
jeden Tag zu einer anderen Zeit
nichts durfte zur Gewohnheit werden
nicht sein Flüstern leis wie ein Knistern
nicht sein Schreien wie hunderte Papageien
Zellenkäfige übereinander gestellt
ganz oben angekettet ich
der Freiheit gleich mehrfach beraubt
Kettenrasseln träufelt Honig in mein Ohr
der einzige alleinige Genuß
außer wenn die Gitterstäbe stumm
vor Faszination erstarren
die gewaltige Ruhe gesättigt ist
vom Gehör auf seiner Zunge
der Rundgang steht bevor
in allen Käfigen der bittere Geschmack
soll ich wieder denken oder mir es schenken
soll ich wieder beten oder Worte kneten
bis sie ohne Sinn und Verstand
verschmelzen in serpentinartige Labyrinthe
er schreitet zur Kontrolle der Eisenstäbe
kritisiert oder lobt das Gestänge
in denen wir hoch oben hängen
er liebt über alles gebrannte Mandeln
aber nur die äußere karamellisierte Hülle
hier verbringt er seine Lutschzeit
spuckt die blanke Mandel
in eine beliebige Zelle
Angst hat er vor der Mandel Bitterkeit
Angst hat er vor arrestierter Grausamkeit
was wäre wenn er sie verschlingen würde
Gefühl für Menschlichkeit spüre welch Bürde

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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