Mobilität für Mensch und Umwelt nicht ohne Folgen


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Bild von Michal Dziekonski auf Pixabay

Ein Umdenken schon lange vonnöten

Als der Mensch noch mit dem Karren, hoch zu Roß, mit der Kutsche oder einfach zu Fuß sich auf festem Boden fortbewegte, begann sich jedoch vor rund 190 Jahren auf der britischen Insel etwas zu ändern: Eine Dampfbuslinie im Jahre 1828 zwischen London und Bath war wohl die erste kommerzielle Beförderung von Menschen mittels einer Maschine. Von da ab war es nur noch eine Frage der Zeit, der Forscherdrang ließ sich natürlich nicht mehr bremsen.

So gilt zwar Robert Anderson aus dem schottischen Aberdeen als Pionier des Elektrokarrens, doch soll tatsächlich der Niederländer Christopher Becker 1835 das erste Elektroauto gebaut haben. Zuvor hatte der Brite Richard Trevithick 1802 die erste funktionsfähige Dampflokomotive erfunden, jedoch sollte es noch eine Weile dauern, bis eine Lok für den ständigen Personenverkehr fahren sollte. George Stevensons „No.1” wurde als erste öffentliche Eisenbahn der Welt am 27. September 1825 eingeweiht und fuhr zwischen Stockton und Darlington. Das Zeitalter der Kutschen begann mit diesen Fortbewegungserfindungen zu Ende zu gehen.

Vom Prestigeobjekt zum Fahrzeug fürs Volk – Transport der Güter

Nachdem Carl Benz mit dem Reichspatent 37435 seinen ersten Motorwagen am 29. Januar 1886 angemeldet hatte, was als Geburtsstunde des Automobils gilt, sollte es dennoch eine ganze Weile dauern, bis das gemeine Volk sich auch ein solches Fahrzeug leisten konnte. Es war daher in den ersten Jahrzehnten lediglich den wohl besser Verdienenden vorbehalten, sich mit einem Automobil fortzubewegen. Doch 2.500 Firmen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute Autos hergestellt haben, verdeutlichen die enorme Nachfrage und den Siegeszug dieses Fortbewegungsmittels. Vor zwei Jahren waren bereits über eine Milliarde Autos weltweit zugelassen, Tendenz weiter ansteigend.

Kommen wir noch mal auf die Eisenbahn zu sprechen. Welche große Chance, vor allem Güter über die vielen Schienenwege zu transportieren wurde da wohl verpasst, weil auch die Autostraßen insbesondere für den Individualverkehr fleißig weiter ausgebaut wurden. Naheliegend, daß dann Lastkraftwagen immer mehr sich durchsetzten, es scheint wohl außer Frage ein sehr lukratives Geschäft dahinter zu stecken, ansonsten kann man diesen umweltbelastenden Wahnsinn kaum nachvollziehen. Inzwischen werden fast vier Milliarden Tonnen Güter alljährlich auf Deutschlands Straßen hin- und hertransportiert. Während die Binnenschiffahrt mit nur noch 7 Prozent an der Transportleistung sich beteiligt, der Schienenverkehr auch lediglich mit 19 Prozent, sind es beim Straßenverkehr gar über 71 Prozent mit steigender Tendenz.

Von umweltpolitischer Einsicht nicht die geringste Spur, es wird fleißig weiterhin auf die Straße gesetzt, Hauptsache die Kasse stimmt. Bedenken wir, daß ein einziger 40-Tonnen-LKW den Straßenbelag genauso stark belastet wie vergleichsweise 60.000 PKWs, dann wird schnell klar, was hier obendrein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten wohl verkehrt läuft. Die ewige Leier vom teureren Schienengüterverkehr wird angesichts solcher Zahlen absurdem geführt.

Flugzeuge – die umweltschädlichsten Verkehrsmittel

Bisher galt der Blick der Fortbewegung auf den Boden. Doch der ewige Traum vom Fliegen, der nur allzu verständlich ist, auch diesen konnte der Mensch sich erfüllen und erfand kurzerhand das Flugzeug. Schöne Sache, sich auf diese Weise und vor allem am schnellsten durch die Welt zu bewegen, außer Frage. Doch alles hat seinen Preis, wenn wir genauer hinschauen. Nicht nur das Flugzeuge als Klimakiller Nummer Eins gelten, ihre Umweltschadensbilanz ist enorm, berücksichtigen wir den Fluglärm dabei, und allein in Deutschland müssen wir von 40 Prozent Betroffenen sprechen, die unter ständigem Fluglärm zu leiden haben. Und das auch insbesondere, weil so mancher Fluggast mal eben beispielsweise flott von Düsseldorf nach München jetten will.

Toll so eine Zeitersparnis, bedenken wir somit, daß gerade der Flugverkehr extrem begünstigt wird. Insbesondere der gewerbliche Flugverkehr: Es entfallen die Mineralölsteuer, die Ökosteuer und bei internationalen Tickets die Mehrwertsteuer. Bei Billigfliegern gibt es so manche Subventionen (verbilligte Flughafenpachten, Zuschüsse für Pilotenausbildung, Verzicht auf kostendeckende Landeentgelte, etc.). Auch hierbei muß darauf bestanden werden, den Flugverkehr endlich auf die Schiene zu verlagern, zumal infolge der Hochgeschwindigkeitszüge durchaus der Faktor Zeit wieder eine interessante Rolle spielt als Gegenargument zum Fliegen, von der wesentlich geringeren Umweltbelastung mal ganz zu schweigen.

Aufräumen mit einem Vorurteil alte Autos vs. Neuwagen

Schauen wir noch mal kurz zum Auto. Oftmals dürfen sich Besitzer von alten Autos hämische Bemerkungen anhören, ihr Wagen würde nicht mehr umweltgerechten Standards entsprechen. Das mag schon sein, aber es gibt da so ein paar Zahlen, die verdeutlichen sollen, was bei der Herstellung eines Neuwagens an Müll entsteht, der sehr wohl  die Umwelt erheblich belastet!

Gehen wir von rund einer Tonne aus, die ein Neufahrzeug wiegt, entsteht bei der Herstellung schon ein 9 Tonnen schwerer Abraumberg durch die Eisenerzgewinnung für die erforderlichen Bauteile aus Eisen und Stahl. Auch die Abfälle bei der Aluminiumherstellung haben einen sieben Mal größeren Wert als die Endprodukte. Und wenn man jetzt alle Abfälle zusammen mit den Verpackungen der Kleinteile berechnet, müssen wir  25 Tonnen Abfall pro Fahrzeug feststellen! Somit leistet jeder, der seinen Wagen per Reparaturen über einen längeren Zeitraum am Laufen hält, einen höheren Umweltbeitrag als der schnell wechselnde Neuwagenbesitzer.

Den Fortschritt menschlicher Mobilität kann niemand ernsthaft mehr aufhalten, jedoch sollten wir wesentlich behutsamer mit unseren letzten Ressourcen umgehen und vor allem nicht weiterhin die Umwelt dermaßen unbedacht belasten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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