Als ich meine Heimat verlor und die Welt fand


© Doris Mock-Kamm

Sie gierten nach meiner Farbe
nach meiner Hautfarbe
ließen sich in der Sonne brutzeln
Reihe auf Reihe eingeschmiert mit Öl
das roch man schon von weitem
die glänzenden Körper
die sich auf der Decke wälzten
ständig im Wettbewerb
ständig neidisch auf braun
braun, brauner, am braunsten
aber niemals dein Braun
das Braun ohne Sonne
das Braun, das blieb
das Braun, das nicht verblaßte
das Braun deiner Herkunft
das Braun, das mich ausmachte
das Braun, das man haßte
nicht abwaschbar
verräterisch
Verrat an der Gemeinschaft der Geifernden
nach Exotik, nach Auffallen in der Masse

Sie stierten auf meine Farbe
auf meine Hautfarbe
bedeckten sich mit dunklen Stoffen
möglichst weit und schwarz
das sah man schon von weitem
die unförmigen Körper
die sich versteckten
ständig im Wettbewerb
ständig mißtrauisch bei braun
braun, brauner, am braunsten
aber niemals dein Braun
das Braun ohne Sonne
das Braun, das blieb
das Braun, das nicht verblaßte
das Braun deiner Herkunft
das Braun, das mich ausmachte
das Braun über das man wachte
nicht abwaschbar
verräterisch
Verrat an der Gemeinschaft der Stierenden
nach Erotik, nach Versinken in der Masse

Entwurzelt im heimischen Garten
getränkt mit Liebe der Ahnen
verstreut auf diesem Erdenball
dieses Vermächtnis ist meine Welt

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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