Das Joch der Bürokratie erschwert immer noch den Alltag


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Bild von Jana Schneider auf Pixabay

Völlig unnötige Belastung

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Vincent de Gournay hat entscheidend dazu beigetragen, den Begriff der Bürokratie ins Leben zu rufen. Dieses Kunstwort setzt sich aus dem Französischen bureau, welches Arbeitszimmer oder Schreibtisch bedeutet und dem frz. Suffix –cratie, was wiederum aus dem Griechischen krateia, gleich Herrschaft, Macht oder Gewalt bedeutet. Das Wort Büro selbst entstammt dem spätlateinischen burra, was zottiges Gewand, grober Wollstoff bedeutet.

Noch in Zeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts war im Meyers Konversationslexikon unter der Definition „Bureaukratie“ nachzulesen, daß diese „Schreibstubenherrschaft“ eine Bezeichnung für eine kurzfristige und engherzige Beamtenwirtschaft sei, welche das Verständnis für die praktischen Bedürfnisse des Volkes gebricht. Der Boden der Bureaukratie sei der Absolutismus.

Unter dem Soziologen Max Weber erhält die Bürokratie eine „rationale“ Form der „legalen Herrschaft“. Dabei analysierte er sie aber auch für Unternehmen. Für Weber stellt der Idealtypus der Bürokratie eine Behörde mit beruflichem Verwaltungsstab dar.

Fehlende Transparenz erschwert den Bürgern das Leben mit der Bürokratie

Einerseits dürfen natürlich in einem Rechtsstaat Verwaltungen nie gegen Gesetze verstoßen, andererseits entstanden im Laufe eines „wuchernden Systems“ viele Vorschriften, Gesetze und Verordnungen sowie Anweisungen, die dazu führen, daß in bürokratisch organisierten Systemen der Aufwand an Kosten aber auch die Zeit für die Verwaltung höher werden, als dies der eigentliche Aufwand für den Organisationszweck rechtfertigt.

So beklagen sich immer mehr Bürger über behördliche Entscheidungen, können deren rechtliche Grundlagen allerdings nicht nachvollziehen. Hierbei treffen sich sowohl individuelle Bearbeitungsfehler seitens der Betroffenen, aber auch sind Defizite in den Formularen selbst zu rügen. Das sogenannte „Beamtendeutsch“ stellt immer noch eine Hürde für viele Menschen dar, man könnte fast mutmaßen, es stecke eine gewisse Absicht dahinter, Antragsteller z.B. zur Aufgabe zu bewegen.

Ein Extremfall deutscher Bürokratie zeigte sich im Fall Gerson Liebl

In diesem tragischen Fall haben sowohl bürokratisches Zuständigkeitsgerangel als auch uralte Kolonialgesetze eine entscheidende Rolle gespielt. Gerson Liebl, dessen Großvater Herr Liebl eine Togolesin vor über hundert Jahren geheiratet hatte, benötigte einen kaiserlichen Stempel, der diese Hochzeit verifiziert. Sie können sich selbst erdenken, daß Gerson Liebl nicht die geringste Chance hatte, weil der Stempel eben nicht mehr existierte. Somit wurde er kurzerhand 2009 abgeschoben. Der tragische Kampf um sein berechtigtes Aufenthaltsrecht begann vor 28 Jahren. Er selbst hat auf dieser Seite noch Jahre vor seiner Abschiebung folgendes kundgetan.

Aufgrund einer sehr beherzten Initiative konnte die Abschiebung von seiner Frau Ginette und dem gemeinsamen Sohn Gergi im letzten Moment verhindert werden. Sie dürfen noch in Deutschland bleiben, von einem dauerhaften Bleiberecht durch die Härtefallregel abgesichert darf nunmehr ausgegangen werden. Der Berliner Grünen-Politiker Daniel Wesener wies selbstverständlich darauf hin, daß gerade in diesem Fall es augenscheinlich sei, man grundsätzlich eine neue Regelung der Kolonialgesetze anstreben müsse. Es würde keinerlei Rechtssicherheit für Menschen bestehen, die ähnlich betroffen sind wie die Familie Liebl.

Zur Thematik einer aufgeblähten, bürokratischen Stadtverwaltung hatte der berühmte Satiriker Ephraim Kishon seine tolle Geschichte mit dem „Blaumilchkanal“ uns hinterlassen, bei der einmal mehr aufgezeigt wird, wohin die Bürokratie führen kann, wenn die Auswüchse Überhand nehmen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Das Joch der Bürokratie erschwert immer noch den Alltag

  1. Ronald Schubert schreibt:

    Bürokratieabbau war ja 2005 Merkels eigentliches Wahlkampfthema, aber da das nicht so zündete, ist sie nach rechts abgebogen und hat gegen Multikulti gewettert. Auf YouTube findet man unter den Stichworten Merkel und Multikulti noch beeindruckend giftige Reden von ihr. Die deutschen Rechten haben sich bei ihr wohlgefühlt, sich in Pegida und AfD zusammengerottet, sind 2015 explodiert, weil da Flüchtlinge kamen. die sogar aus dem Ausland waren und andere Kulturen hatten. Dabei war der Kampf gegen die Bürokratie natürlich zu kurz, und heute gibt es mehr Bürokratie als je zuvor!

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