Solinger Kindermord ein Alarmsignal


Häme und Hetze völlig fehl am Platz

Wenn Mütter ihre Kinder töten, schockiert dies jede Gesellschaft zutiefst, regt sich große Anteilnahme für die betroffenen Opfer, verbreitet sich zugleich Unverständnis zum Verhalten der potentiellen Mörderin, weil Mütter doch ihren Kindern nur das Gute wünschen.

Das Leid einer solchen Mutter muß entsprechend heftig sein, wenn sie eine derartige Tat begeht, ob nun kalkuliert oder im Affekt. Die Solinger Kinder wurden wohl erstickt – die Mutter steht unter Mordverdacht. Die alleinerziehende Mutter soll laut Ermittlern die Tat in einem Zustand emotionaler Überforderung begangen haben. Man muß sogar davon ausgehen, daß aufgrund der Corona-Krise Behörden nicht effektiv genug arbeiten konnten, um eine derartige Notlage rechtzeitig zu erkennen.

Springer-Presse reagiert mal wieder in typischer Hetze

Kaum trafen die ersten Meldungen dieser schrecklichen Morde über die Nachrichtenticker ein, konnte BILD sich nicht zurückhalten, über die Mutter abzulästern. Das paßt mal wieder in das geifernde Konzept jenes Hetzblattes, welches stets dann an vorderster Front zur Stelle steht, wenn mittels Häme und Mißgunst auflagenorientierte Zeilen losgetreten werden. An dieser Stelle seien aber auch all jene mit angeprangert, die sich dieses Blatt gönnen.

Solches Gebaren gesellt sich prima zu denjenigen, die auch gern über sozial Schwache ablästern. Bekanntlich verunglimpfen Schmuddel-Medien nonchalant Hartz-IV-Opfer, diese können sich eh nicht wehren, so deren Einstellung. Nur zu gut, daß es noch andere Beobachter gibt, die solche Bösartigkeiten benennen. Tanjev Schultz hat sich bei T-Online mit seinem Gastbeitrag „Eine Schande für den Journalismus“ zum Verhalten der BILD-Zeitung geäußert.

Betroffenheit nachvollziehbar – Hintergründe bedürfen mehr Aufmerksamkeit

Was dort in Solingen und auch in Düsseldorf geschah, kann man kaum in Worte fassen, die Tragweite solcher Taten anbelangt. Es macht ohnmächtig, vom Leid des betroffenen familiären Umfeldes mal ganz zu schweigen. Auch hat der überlebende elfjährige Sohn ein Trauma zu bewältigen, welches sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird, wenn dies ihn nicht ein Leben lang verfolgen dürfte.

Im Nachhinein den Behörden eine Schuld in die Schuhe zu schieben, macht wenig Sinn. Sicherlich hat die Corona-Krise ihr übriges bewirkt, weil höchstwahrscheinlich das Personal vor Ort bestimmte Alarmsignale zu spät erkannt haben wird. Solche Überreaktionen lassen sich ohnehin nicht gänzlich vermeiden, wenn sie auch ziemlich selten vorkommen. Aber die verantwortliche Politik muß sich trotzdem anmahnen lassen, ihre Sozialpolitik generell zu überdenken. Da ist noch sehr viel Nachholbedarf notwendig, gerade in soziale Not geratenen Familien wird nicht effektiv genug geholfen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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