Hundeführerschein weiterhin nicht bundesweit eingeführt


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Bild von mariuszopole auf Pixabay

Bürokratische Gängelung oder unbedingt notwendig?

Wer hat sie nicht schon mal gelesen oder im Fernsehen die Berichte gesehen über die tragischen Folgen von zubeißenden Hunden, deren Herrchen und Frauchen unfähig waren, dies zu verhindern? Besonders großes Bedauern gilt dabei natürlich den Kindern.

Somit rückt die Thematik der Hundeerziehung vielfach in den Vordergrund. Aber welcher Hundebesitzer zeigt schon genug Einsichtigkeit, einen solchen Schritt zu wagen? Dabei würde er allerdings von Beginn an sich, seinem Hund und vor allem der Umwelt einen  großen Dienst erweisen. Guterzogene Hunde garantieren zumindest ein wesentlich höheres Maß an Sicherheit, als wenn die Vierbeiner urplötzlich unkontrolliert um sich beißen.

Hundeerziehung eine einfache Handhabung?

Gänzlich ohne professionelle Beratung kann niemand ernsthaft behaupten, er könne seinen Hund einfach mal so erziehen. Die Möglichkeiten vieles dabei verkehrt zu machen, zeigen sich allerspätestens beim ersten ernsthaften Vorfall, wenn der eigene Hund so gar nicht mehr hören will.

Jeder Hundebesitzer und vor allem diejenigen, die sich noch einen anschaffen wollen, sollten sich darüber im Klaren sein, welchen Hund sie sich da aneignen. Von den weltweit ca. 800 Hunderassen unterscheiden wir zwischen zehn Gruppen. Die sogenannte FCI Fédération Cynologique Internationale hat 339 Hunderassen anerkannt, deren Systematik zwischen Hütehunde, Pinscher und Schnauzer, Terrier, Dachshunde, Spitze, Lauf- und Schweißhunde, Vorstehhunde, Apportierhunde-Stöberhunde-Wasserhunde, Gesellschaftshunde sowie Begleithunde und Windhunde unterscheidet. Hierbei differenzieren die Angelsachsen wiederum anders.

Wer die Erziehung seines Hundes wirklich ernst nimmt, kommt nicht drum herum, eine Hundeschule aufzusuchen. Das macht unbedingt Sinn, wobei dort die gut ausgebildeten Trainer gleichzeitig die Gefahren und Macken des einzelnen Hundeindividuums viel besser erkennen können, zusammen mit dem Hundebesitzer genau daran arbeiten werden.

Der Hundeführerschein notwendige Konsequenz aufgrund der Uneinsichtigkeit

Die meisten Hundebesitzer haben ihre vierbeinigen Mitbewohner nie eine Hundeerziehung angedeihen lassen, sie durften keine Hundeschule besuchen. Die oftmals irreführende Meinung in der Bevölkerung, wobei so manche Medien auch ihren Beitrag dazu geleistet haben, daß die sogenannten „Kampfhunde“ unbedingt klassifiziert werden sollten, und diese dann erhöhten Auflagen und Bestimmungen Folge zu leisten hätten, muß man als riesengroßen Unsinn bezeichnen.

Bis auf die ganz kleinen Hunde, die nicht wirklich eine große Gefahr darstellen, kann auch jeder andere Hund ohne weiteres zu einer gefährlichen Beißbedrohung werden. Selbstverständlich wird es noch dramatischer bei all jenen Hunden, die von Hause aus eher ein gewisses Aggressionspotential mitbringen, was wiederum mit dem langjährigen Zuchtverhalten und deren Aufgaben zu tun hat. Wenn dann Herrchen meint, es müsse solche Hunde antreiben, doch bitte schnellstens zuzubeißen, sie dabei sogar scharf macht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn das Tier genau das erfüllt. Natürlich kann ein wildgewordener Cocker Spaniel weniger ausrichten als ein Riesenschnauzer, dessen Beißdruck übrigens der höchste sein soll bei den Hunden, das sollte auch klar sein.

Da eben viele Hundebesitzer nicht freiwillig sich und ihren Hunden eine Hundeschule gönnen, kann nur der Gesetzgeber handeln. In Deutschland wurde somit in drei Bundesländern der Hundeführerschein eingeführt: in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Wobei in Niedersachsen eine Hintertür im Gesetzestext geschaffen wurde, so daß man nicht wirklich von einer Pflicht sprechen darf: Wer schon einen Hund besitzt, hat automatisch den Hundeführerschein. Die Hundeführerscheinabnahme erfolgt durch spezielle Tierärzte, Tierverhaltenstherapeuten und Hundeausbilder, die mit entsprechendem Fachwissen, den sogenannten BHV-Hundeführerschein abnehmen. BHV steht für den Berufsverband für Hundeerzieher/innen und Hundeberater/innen e.V. Bundesweit gibt es den Hundeführerschein allerdings immer noch nicht, eine Anerkennung findet daher nicht statt!

Hundeplage oder auch Nutzen?

Wenn wir die Hundedichte in Deutschland mit den anderen europäischen Ländern vergleichen, sind es hierzulande weniger, als manche meinen. Sie liegt bei 8,9 Prozent der Haushalte, während bei den französischen Nachbarn es stolze 38 Prozent sind. Von den rund 6 Millionen Hunden in Deutschland müssen wir auch die wichtige Rolle der Hunde als Sozialpartner berücksichtigen. Denken wir nur an die Therapiehunde, die unter anderem als Ergo-, Physio- und Psychotherapie  sowie in der Logopädie oder Heilpädagogik eingesetzt werden. So manchen Blindenhund werden Sie vielleicht auch schon im Straßengeschehen bemerkt haben.

Die Canidae, wie Hunde im Lateinischen bezeichnet werden, haben uns Menschen als Haushund vor rund 100.000 Jahren begonnen zu begleiten. Gönnen wir diesen Lebewesen ihr Dasein und lernen mit ihnen weiterhin friedlich auszukommen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: „So wie der Herr, so’s Gescherr.“ Sorgen wir „Herrchen und Frauchen“ dafür, unsere Hunde artgerecht zu halten und zu erziehen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Hundeführerschein weiterhin nicht bundesweit eingeführt

  1. Ronald Schubert schreibt:

    Ich habe mir 1991 einen Hund aus dem Tierheim geholt, der sich später als alter Grenzhund herausstellte. Er war nicht scharf und nicht bissig, aber sehr aufmerksam, ich war aber auch ohne Führerschein hart, und so wurden wir echte Freunde, und er hat noch neun Jahre bei mir gelebt, begleitete mich ins Büro, wurde dort von Musikern und Ballett bemuttert und nur vom Dirigent gefürchtet, der Angst hatte:

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