Schmuddelmedien verunglimpfen Hartz-IV-Opfer


Dreckige Wäsche waschen zum x-ten Male

In der Schulzeit nannten wir sie zu Recht Petzer, diejenigen, die zum Lehrer oder gar Schuldirektoren rannten, um andere anzuschwärzen. Manche wurden daraufhin bei Gelegenheit deshalb verprügelt oder anderweitig bestraft, man ließ sich solches nicht gefallen. Im realen Leben als Erwachsener vollzieht sich dies eben anders. Solche „Verräter“ werden geschnitten, man zeigt ihnen die kalte Schulter.

Doch was seit geraumer Zeit bereits gen Himmel stinkt, auf all jene zu zeigen, die ohnehin genug Probleme haben in ihrem Alltag. DerWesten wettert schon seit Längerem gegen Hartz-IV-Empfänger, die sich seiner Meinung nach „daneben benehmen“. Im neuesten Fall trifft es mal wieder eine Mutter, ein Kind aus NRW habe keine Schuhe mehr.

BILD-Zeitungsstil läuft immer, oder?

Das Ganze hat ohne weiteres ein hintersinniges, gar berechnendes Kalkül. Die Schadenfreude ob derjenigen, die angeblich unfähig sind, ihr Leben zu meistern. Man macht sich kurzerhand über sie lustig. Es ist billige Häme auf Kosten anderer, ohne den Kern des Übels auch nur ansatzweise zu durchleuchten, zu hinterfragen. Das erinnert nicht nur an den Stil einer BILD-Zeitung, es äfft sie regelrecht nach, weil so herrlich simpel!

Dabei wird sich nicht mal die Mühe gemacht, eine tiefgreifende Recherche zu veranstalten, ein paar Fakten, schon paßt die Story der Redaktion in den Kram, ein entsprechender Shitstorm gibt ihr gar Recht, der nicht lange auf sich warten läßt, kaum veröffentlicht. Nur den Leidtragenden hilft es nichts, die Politik jener Hartz-IV-Gesetzgebung wird obendrein beschönigt.

Das perfide Spiel der Armut begünstigt in Wirklichkeit die Ausbeuter

Davon partizipieren solche Schmuddelmedien sowieso tagtäglich, wie man unschwer auch bei RTL des Öfteren beobachten kann. Eine Gesellschaft, die im Hamsterrad sich mit Hartz IV zurechtfinden muß, hat es ohnehin schwer genug. Mit Draufdreschen wird es keinesfalls besser!

Anstatt mal bei denjenigen genauer hinzuschauen, die tatsächlich im ganz großen Stil schmarotzen per Betrug, denkt man beispielsweise an den Wirecard-Fall, tritt man lieber nach unten gen Schwächere, die sich ohnehin kaum oder gar nicht mehr wehren können.

Das gleichzeitige nach oben Buckeln hat eben jenen faden Beigeschmack, den es anzuprangern gilt. Medien haben sich davon gefälligst zu befreien, wollen sie glaubwürdig bleiben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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2 Antworten zu Schmuddelmedien verunglimpfen Hartz-IV-Opfer

  1. Ronald Schubert schreibt:

    Dieses Geschäftsmodell von Springer und Konsorten gibt es seit 1968, denn da wurde das erste Mal dagegen protestiert! Kein unbedingt neuer Aspekt der Medien…

    Gefällt 1 Person

  2. Erwin schreibt:

    „Es ist billige Häme auf Kosten anderer, ohne den Kern des Übels auch nur ansatzweise zu durchleuchten, zu hinterfragen.“ – aber Gewalt gegen „Petzer“ als normal ansehen. Respekt!

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