Mensch im Rausch der Superlative


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Kein Platz für Bescheidenheit?

Stets sich strecken nach einer neuen Herausforderung, sich dabei messend mit anderen Konkurrenten, wer denn wohl der Bessere, der Schnellere, der Stärkere oder Schlauere sei, den es zu bezwingen gilt.

Solange eine gewisse Rivalität vorherrscht, neigen wir Menschen dazu, im Rausch der Superlative uns zu bewegen. Doch bleibt dabei noch Platz für Bescheidenheit, wobei all diejenigen, die sich solchen „Wettbewerben“ eben nicht aussetzen, viel eher nur Zuschauer und Unbeteiligte sind?

Von Rekorden und Überreichtum

Schnelles Laufen, besser als Rennen bezeichnet, hat schon einen gewissen Reiz, oder? Kennen wir doch alle, die bei den Bundesjugendspielen uns haben begeistern müssen während der Schulzeit. Die wohl klassischste Distanz ist der Hundertmeterlauf. Den derzeitigen Weltrekord beansprucht der Jamaikaner Ursain Bolt, der am 16. August 2009 bei den 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin seinen eigenen Rekord noch verbessern konnte und die 100 Meter in nur 9,58 Sekunden lief.

Bleiben wir beim Laufen. Beim Berliner-Marathon vom 16.09.2018 erzielte der damals noch 33-jährige Kenianer Patrick Eliud Kipchoge den neuen Weltrekord und lief die 42,195 Kilometer in nur 2 Stunden, 1 Minute und 39 Sekunden. Den Weltrekord im Weitsprung, den der US-Amerikaner Mike Powell am 30. August 1991 bei den 3. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Tokio mit 8,95 m aufstellte, wurde bislang nicht getoppt. Ähnliches gilt für den Hochsprung. Der Kubaner Javier Sotomayor erreichte den Weltrekord am 23.07.1993 in Salamanca mit einer Höhe von 2,45 m.

Belassen wir es bei diesen vier Beispielen menschlicher Höchstleistungen. Nahezu unendlich viele Superlative ließen sich aufzählen, die Menschen beflügelten, sich hervorzutun, wobei auch der Überreichtum eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Ausgerechnet im größten, verarmten Schwellenland, nämlich in Indien, im Finanzzentrum von Mumbai steht das wohl teuerste, 173 Meter hohe Haus der Welt, welches der indische Milliardär Muskesh Ambani, der Vorstandsvorsitzende der Petrochemiefirma Reliance Industries zusammen mit seinen zwei Kindern und der Großmutter bewohnt. Die 37.000 Quadratmeter Wohnfläche bietet mehr Platz als das Schloß Versailles. Der geschätzte Wert soll ca. eine Milliarde US-Dollar betragen. Einerseits wurde längst die grausame Zahl von über einer Milliarde Menschen überschritten, die zu hungern haben, wobei jedes Jahr ungefähr 9 Millionen auch tatsächlich an den Folgen von Hunger sterben.

Was treibt uns an, Superlative anzustreben?

Darf man von einem „Spiel“ reden, wenn der Mensch sich ständig in nahezu allen Bereichen messen muß am anderen? Und wer unterliegt, hat verloren? Selbst im trivialen Bereich glauben immer noch so einige Männer, daß die Größe ihres „besten Stückes“ einen ganzen Kerl aus ihnen macht, wobei längst bekannt sein müßte, daß die allermeisten Frauen sich davon eben nicht beeindrucken lassen.

Das ließe sich, wenn man schon diesen Bereich zitiert hat, auch auf die PS-Zahl, inzwischen lautet sie ja kW (für Kilowatt), manch motorisierter Vehikel übertragen. Je mehr, desto eindrucksvoller fühlt sich Mann, wobei Frauen im Rahmen der Emanzipation durchaus sich ebenso einreihen. Macht all dieses Gehabe aus uns einen „besseren Menschen“? Mitnichten.

Viel eher zählt doch das harmonische Zusammenleben mit seinen Nächsten, seinen Freunden, Bekannten und seinen Arbeitskollegen. Wobei in allen Gruppierungen stets „Gewinner und Verlierer“ anzutreffen sind. Es stellt sich nur die Frage, ob ein bestimmter Gruppenzwang auch genau diese Superlative einfordert. Ein besonders gelungenes Beispiel einer völlig verfehlten Verhaltensweise seinen Mitmenschen gegenüber stellt diese Werbung dar: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Wer dabei nicht mithalten kann, hat versagt. Um dies zu erreichen, bedarf es nur der richtigen Anlage bei der entsprechenden Bank: der Sparkasse, wie die Werbung den potentiellen Kunden in den 1990iger Jahren weismachen wollte.

Und so schließt sich der Kreislauf zwischen den ganz Armen, den Superreichen und einer Menschheit, die immer noch meint, Rekorde in jeglicher Form anzustreben. Ein bißchen  Wettbewerb, so auch sich sportlich zu messen, mag ja völlig in Ordnung sein, doch wo sind die Grenzen, ab wann werden sie überschritten, so daß es fragwürdig sich gestaltet? Dieser Prozeß ist fließend, und es liegt nur an uns selbst, was wir zulassen oder wir verhindern wollen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Mensch im Rausch der Superlative

  1. Ronald Schubert schreibt:

    Sport war ja mal als Ersatz für Krieg gedacht, aber da traten noch Menschen gegeneinander an. Heute sehe ich hochgezüchtete Kampfmaschinen, die gerne auch mit Doping nachhelfen würden. Nichts, was mich interessiert…

    Gefällt 1 Person

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