Als die Welt in Flammen stand – Teil 2


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Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay

Der erreichte Profit schweißte zusammen, erschuf Allianzen, gegen die sämtliche Aussteiger, Spirituelle und eben Querdenker kaum eine Chance hatten, aus dieser menschenverachtenden Umklammerung sich zu befreien. Alles ordnete sich dem Willen dieser mächtigen Weltenbeherrscher unter, das Schreckgespenst von der NWO war Wirklichkeit geworden, ohne daß es den Völkern gelang, dies zu verhindern. Und auch Gisele war sich stets dessen bewußt gewesen.

Aber was nutzten all diese Überlegungen, wenn nunmehr in ihrer unmittelbaren Umgebung letztlich Krieg ausbrach, denn als was anderes konnte sie es nicht mehr deuten. Kurz zuvor hatte ein Marschflugkörper zwei Straßenzüge weiter ein Bankgebäude getroffen, welches daraufhin in sich zusammenbrach. Eine kräftige Hand packte plötzlich ihre rechte Schulter und dessen linker Arm war im Begriff, ihre Taille zu umklammern, sie herumzureißen. Was der Soldat völlig unterschätzte, betraf ihre geschulten Reflexe.

Sie ergriff seinen rechten Unterarm, beugte sich schlagartig nach vorne, so daß er unweigerlich gegen ihr Gesäß knallte, was ihr wiederum die Gelegenheit gab, über die Hüfte mit einer gleichzeitig heftigen Drehbewegung ihn auf den Boden zu schleudern. Im nächsten Moment hatte sie zielsicher seinen linken Arm ergriffen, ihren rechten Fuß in sein Kreuz gestemmt, kniete sich nieder und drückte seinen Arm heftigst nach oben. Ein Aufschrei war die Folge.

Ihr Glück war ihr hold, weil der Soldat Handschellen mit sich trug, die sie sofortigst einsetzte, seine Hände auf seinem Rücken fixierte, anschließend aufstand und ihn achtlos zurückließ. Kaum hatte Gisele daraufhin die Straße überquert, sah sie von weitem eine Kolonne Mili-tärfahrzeuge auf sich zufahren. Im nächsten Augenblick hechtete sie daher in  ein Geschäft, dessen Glastür offen stand. Geistesgegenwärtig duckte sie sich, warf einen scharfen Rundblick  in den Schreibwarenladen, entdeckte ganz hinten eine Tür, rannte auf sie zu, stieß sie auf und befand sich im Treppenhaus.

Schon vernahm sie gezielte Befehle von den in den Laden hereinstürmenden Soldaten, als die 23-Jährige sich kurzentschlossen nach draußen begab, einen Hof schnellstens durchquerte, mit einem geschickten Satz über eine mannshohe Mauer sprang und dahinter weich in einem Blumenbeet landete, sich abrollte, aufsprang und ihre Flucht sofortigst fortsetzte. Die Rothaarige wußte jetzt nur zu genau, daß die Soldaten nicht locker ließen. Zum zweiten Mal war das Glück auf ihrer Seite, stand dort doch am Haus eine Kawasaki KLE 650 Versys, wobei  gar der Schlüssel steckte. Kurzentschlossen schwang sie sich auf das Sportmotorrad und fuhr im Nu davon, als gerade die wutentbrannten Soldaten über die Mauer sprangen. Zu spät, das Bike war entschieden zu schnell, Gisele ihren Verfolgern entkommen.

Normalerweise macht Bike fahren richtiggehend Spaß, wenn befreit aufatmend, den entgegenfliegenden Horizont im Visier, unzählige Assoziationen durch den Kopf schnellen, das Gefühl der Geschwindigkeit, des Rausches, vom Allerwertesten über den gekrümmten Rücken verteilend sich in wohlige Wärme auflöst. Kurz, Steppenwolfs „Born To Be Wild“ wurde nicht zufällig zum Biker-Hymnensong, er unterstreicht das pure Freiheitsgefühl.

Allerdings konnte Gisele derartige Gefühle nicht hegen, als sie just den Soldaten entkommen unterwegs war auf der Kawasaki in Richtung Autobahn, hin und wieder aus dem Hinterhalt irgendwelche Kugeln an ihrem Helm vorbeischossen, diese sie zum Glück nicht trafen. Die Sonne längst untergegangen, die anbrechende Nacht dennoch taghell erleuchtet vom Feuer ringsum, zogen obendrein überall Rauchschwaden auf, Menschen liefen völlig verzweifelt gehetzt durch die brennende Landschaft, manche kreuzten achtlos ihren Weg, Gisele vermochte jedesmal gerade noch auszuweichen.

Schon hatte sie die Autobahn erreicht, als sie zur Rechten einen Hubschrauber bemerkte, der einen Suchscheinwerfer auf sie warf. Im nächsten Moment sah sie im Augenwinkel das Mündungsfeuer eines Maschinengewehrs, konnte geschickt gerade noch ausweichen, bremste äußerst scharf, schleuderte daher ein wenig, – brachte aber das Bike an der Leitplanke zum Stehen und sprang sofort die Böschung hinab. Wie ein gehetztes Wild lief Gisele zunächst in ein Gebüsch und warf sich zu Boden. Der Helikopter umkreiste das Motorrad, jedoch die Besatzung hatte sie im rund fünfzig Meter weiter entfernten Grün nicht bemerkt, stand ein wenig ratlos neben der Kawasaki.

‚Erst einmal tief durchatmen, mich sortieren. Was verbleibt mir noch?‘, waren ihre Gedanken. Sie wußte, daß sie vorerst sich nicht entfernen konnte, da bereits ein Jeep keine zehn Meter von ihr stand, überall Soldaten mit großen Taschenlampen die Gegend durchforsteten. In solch aussichtsloser Lage hatte sie eigentlich überhaupt keine Chance, als plötzlich jemand von hinten sie sanft berührte, ihr sofort den Mund zuhielt, ihr per Handzeichen zu verstehen gab, sie möge ganz still sein. Erstaunt blickte sie in wunderschöne grüne Augen einer Schwarzhaarigen, die zugleich Gisele aufforderte, ihr zu folgen.

Einige Schritte weiter befand sich ein Gullideckel, ihre Befreierin ging voraus, stieg hinab in den Schacht, forderte Gisele in eindeutiger Geste auf, mitzukommen und den Gullideckel von unten wieder auf den Eingang zu ziehen. Kaum geschehen, hörten die beiden noch aufgeregte Stimmen ganz in der Nähe. Doch die Verfolger ahnten nichts, während die Frauen immer tiefer hinabstiegen. Marlene stellte sich kurz vor, gab Gisele zu verstehen, daß sie schon länger gewußt hatte, was da auf alle zukommen würde, so daß sie zusammen mit Gleich-gesinnten sich hatten halbwegs vorbereiten können.

Zunächst durchfuhr Gisele eine Welle der Erleichterung, nach einem längeren Fußmarsch erklommen sie erneut eine Leiter und gelangten an einer etwas ruhigeren Straße am Rande der Stadt, die die Rothaarige allerdings nicht kannte. Eine Gruppe junger Menschen kam ihnen entgegen.

Unerwartet spürten alle gleichzeitig eine merkwürdige riesige Spannung um sich herum, gerade so, wie wenn die gesamte Erde extrem innig und tief die Luft anhalten würde. Dann erfolgte ein Blitz, scharf, heller als jedwedes Sonnenlicht, verglühte gleichzeitig alles unter unendlich hoher Hitze, der atomare Einschlag vernichtete sämtliche Materie im Rausch seiner erbarmungslosen Urgewalt.

„Das wahre Grauen läßt nicht mit sich handeln.“ (Peter Rudi)

Lotar Martin Kamm

Als die Welt in Flammen stand – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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