Als Nächte nicht mehr schwiegen


https://pixabay.com/de/photos/riot-protest-demonstration-5141888/

Bild von Shany Kasysyaf auf Pixabay

Als Tage kamen und gingen,
Winde nicht mehr mit Wellen spielten,
dumpfe Worte Erdbeben auslösten,
kein Spiegel Gesichter reflektierte,
ich noch nicht geboren war,

Bomben die Liebsten töteten,
Gefolterte um Gnade baten,
keiner wegen Mordes angeklagt wurde,
ich noch nicht geboren war,

das Böse sich als gerecht darstellte,
Leidende mit Spott verhöhnte
man Brutalität mit Orden ehrte,
ich noch nicht geboren war,

Soldatenstiefel hallten durch die Gass‘,
Schüsse die Ordnung schützten,
Zucht statt Liebe menschlich galt,
ich noch nicht geboren war,

als Nächte blieben und schwiegen,
die Schrecken waren fest verankert,
Nächstenliebe nur Versager aussprachen,
Geborgenheit man durch Geld erreichte,
war ich längst geboren,

atmete mit die verwesenden Lügen,
die jetzt wieder in den Köpfen sprießen,
um Freiheit gegen Zwang zu tauschen,
bin ich noch nicht gestorben,

Haß und Häme sollen Furcht einflößen,
Arroganz sich über Wissen erheben,
Ideale sind nach Musterkatalog zu erstellen,
bin ich noch nicht gestorben,

Winde spielen mit Worten des Friedens,
Wellen der Solidarität verbreiten Liebe,
Kosmopolit jeder Mensch sich nennt,
bin ich noch nicht gestorben.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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