Wilderei in Afrika keinesfalls behoben


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Bild von David Cardinez auf Pixabay

Gerüchte und Nachfrage bestimmen das Abschlachten

Was bewirken internationale Artenschutzabkommen, wenn sie zunehmend erneut mißachtet werden? Die betroffenen wilden Tiere vermögen sich in keiner Weise zu schützen, hilflos blicken sie ihren Mördern entgegen, die nur eines im Sinn haben: eine möglichst effektive und hohe Erfolgsquote, um sich selbst zu versorgen.

Im Hintergrund agieren genau diejenigen, die tatsächlich von der Wilderei profitieren, und zwar mit Gewinnspannen, die dem Drogen- oder Waffenhandel entsprechen. Doch wie kann trotz international offizieller Ächtung dennoch ein dermaßen blühender Handel vorherrschen? Ganz simpel, Gerüchte und die daraus sich rechtfertigende Nachfrage bestimmen das Abschlachten von Elefanten und Nashörnern in Afrika.

Die heile Welt des Artenschutzabkommens – zwischen Ideal und Wirklichkeit

Erneut steht eigentlich die UNO selbst in der Kritik, denn man sollte bedenken, die zunächst seriös klingende Organisation CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, wird von dem UNEP (United Nations Environment Programme), einem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, verwaltet.

Doch Stein des Anstoßes lieferte CITES, in dem ihr ein folgenschwerer Fehler unterlief: Völlig legal wurde im Jahr 1999 der Versteigerung von 50 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen von vier südafrikanischen Staaten nach China und Japan zugestimmt und 2008 sogar 101 Tonnen des „weißen Goldes“. Zuvor hatten Artenschutzorganisationen wie z.B. IFAW eindringlich davor gewarnt, diesem legalen Handel eben nicht zuzustimmen, da er dazu dienen könne, die Einschleusung illegal gewilderten Elfenbeins in die Märkte zu begünstigen. CITES meinte zwar, diese beschränkte Handelsfreigabe würde die Nachfrage aus legalen Quellen künftig decken, so daß ein Rückgang der Wilderei erfolge, die grausame Realität offenbart nunmehr die zuvor formuliert berechtigten Sorgen.

Weltweiter Handelsstop ein Muß – mehr öffentliche Kritik hilfreich

Waren es gegen Ende der 1970iger Jahre noch 100.000 Elefanten, die ihr Leben lassen mußten aufgrund der Gier nach Elfenbein, diese Spezies kurz vorm Aussterben sich befand, zeichnete sich 1989 durch die Regulierung des Elfenbeinhandels ein starker Rückgang der Wilderei ab, wobei damals CITES entscheidend daran mitwirkte.

Dennoch blüht das Abschlachten weiterhin auf, als ob es nie zuvor Bemühungen gegeben hätte. Während hier in Europa weitestgehend das weiße Gold verpönt abgewiesen wird, scheint heutzutage gerade mal 36 Stunden Lieferzeit auszureichen, um einen Stoßzahn zu erhalten. Ein raffiniert ausgeklügeltes System zwischen Banden, Regierungsbehörden und auch dem Flughafenpersonal trägt dazu bei, per Korruption den illegalen Schmuggel dermaßen perfekt voranzutreiben.

Während der schwerste Dickhäuter mal wieder im Fokus der Wilderei steht, ergeht es einem anderen nicht viel besser. Nashörner stehen auf der Wunschliste Vietnams. Vor allem in Südafrika werden die Spitz- und Breitmaulnashörner gnadenlos gejagt und abgeschlachtet, weil ihre Hörner als Wundermittel gegen Epilepsie, Krebs, Masern oder Schlaganfall gelten, obwohl dies wissenschaftlich in keiner Weise bestätigt wurde und darüber hinaus innerhalb der vietnamesischen traditionellen Medizin dessen Anwendung niemand kennt.

Was kann diese folgenschwer dramatische Entwicklung noch stoppen? Einerseits wäre eine massiv öffentliche Aufklärung in den betreffenden Abnehmer-Staaten ziemlich hilfreich, also in Japan, China und Vietnam, andererseits kann nur ein konsequent weltweit verordneter Handelsstop von Elfenbein und Hörnern der Nashörner das Wildern erneut eindämmen. Denn wo keine Nachfrage mehr vorhanden und die Wege effektiv schärfer kontrolliert werden, sollte diese Verbrechenspraxis zurückgehen. Notwendig verbleibt dabei rasches Handeln an Schaltstellen der Politik. Die Weltöffentlichkeit selbst hat es aber auch in der Hand, den entsprechenden  Druck gegen diese Machenschaften nicht verstummen zu lassen.

„Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt.“ (Christian Morgenstern)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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