Gruppenzwang: Der einfache Kick bei Mutproben


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Angst vor dem Versagen?

Wer kennt es denn nicht, diese Momente, wo viele Augenpaare der Kumpel auf uns gerichtet, in Erwartung, ob wir selbst endlich nach langem Ringen die Entscheidung treffen, der Mutprobe uns zu stellen?

Der äußere Druck wächst mit jeder verstrichenen Sekunde, die wir zögernd das Hin und Her abwägen, weil der Verstand warnend sich zu Wort meldet, während der innere Schweinehund fluchend von dannen gejagt wird, es kommt zur befreienden Tat, damit die schwere Last des Gruppenzwangs endet. Dürfen wir Mutproben einfach nur als einen Kick betrachten, oder aber begehen wir sie aus Angst vor dem Versagen?

Ohne Gruppe geht gar nichts

Die kleinste Gruppe zwischen Menschen stellt die Beziehung dar, wobei nicht gleich Liebe im Spiel sein muß, auch zwei Freundinnen oder Freunde bilden bereits eine. Es menschelt halt untereinander, jeder versucht die Schwächen und Stärken gegenseitig zu erkennen, um sich selbst zu positionieren. Das kann durchaus im beiderseitigen, harmonischen Miteinander geschehen, auch wenn überall in allen Gruppenkonstellationen der Alpha-Mensch sich hervorzuheben bestrebt, dies gleichzeitig akzeptiert wird, bis auf den Umstand, wenn sich ein anderer Alpha-Mensch zu messen beginnt, eine Konkurrenz entsteht.

Aber so gänzlich ohne Gruppe geht gar nichts, erst recht nicht, weil die Familie, in der man aufwächst, zunächst den nötigen Halt geben sollte, um da draußen in der Umwelt bestehen zu können, das eigene Selbstbewußtsein aufzubauen, vorausgesetzt, es entwickelt sich in halbwegs ungestörten Beziehungen untereinander. Wer sich total zurückzieht, in eine Isolation begibt, ist auf bestem Wege zum Eremiten, falls über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt.

Mutproben – von harmlos bis lebensgefährlich

Sicherlich gibt es auch welche, die noch nie einer Mutprobe sich ausgesetzt haben, aber viele kamen schon in solche Situationen, oder? Sie müssen nicht gleich gefährlich uns herausfordern, ein zu hohes Risiko einzugehen. Bedenken wir, daß gerade die nonkonforme Jugend, wild, stolz und nachdenklich, wie sie halt in jeder Generation heranwächst, stets auch sich selbst beweisen will, daher Mutproben keine Seltenheit darstellen. Ob die Hand, die über eine brennende Kerze gehalten wird, das Springen vom drei Meter hohen Garagendach, das gemeinsame Klauen im Kaufhaus, solange die Mutproben noch eher harmlos herausfordern, mögen sie als Begleiterscheinungen in der Entwicklung irgendwann unwichtig werden.

Was aber, wenn bestimmte Grenzen überschritten, das eigene Leben gefährdet wird, weil vor lauter Waghalsigkeit die Gefahren übersehen? Eine solch undurchdachte Mutprobe kann gar das Leben kosten, und das alles nur, weil die eingesetzten Mittel physikalische Grenzen mißachten, das Opfer selbst nicht den nötigen Instinkt hat, mittels Verstand diesen Test zu verhindern.

Während der Bungee- oder Fallschirmspringer noch all seinen Mut aufraffen muß, um die Überwindung des sich Fallenlassens zu bestehen, dies dennoch als legale Mutprobe bezeichnet wird, schaut es beim S-Bahn-Surfen schon ganz anders aus. Dort wird nicht nur das eigene Leben beträchtlich aufs Spiel gesetzt, sondern der Körper kann zu einer nicht zu unterschätzenden Waffe für andere Unbeteiligte Fahrgäste oder Passanten werden.

Vincent van Gogh äußerte zwar mal: „Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“ Allerdings setzte Immanuel Kant dem entgegen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Und dieser sollte eingeschaltet werden, wer meint, er müsse sich Mutproben aussetzen, damit diese nicht im tragischsten Fall tödlich enden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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