Frieden auf Erden unerwünscht


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Bild von Angela Yuriko Smith auf Pixabay

Spekulation einer Illusion oder Lebenseinstellung?

Ein Zusammenleben ohne Gewaltausübung umfaßt den Sinn und somit die Bedeutung des Friedens, wie ihn wohl der Großteil der Menschheit sich herbeisehnt. Denn kein Mensch wird als Amokläufer, Massenmörder, Vergewaltiger, Diktator geboren, sondern genau deshalb, weil die Schöpfung ihm Leben einhauchte  und er wie ein aufgezogenes Uhrwerk es gestalten möge.

Was danach geschieht, hängt von den Lebensumständen ab, inwieweit die Umwelt Einfluß nimmt zusammen mit den eigenen charakterlichen Stärken und Schwächen, die sich Wege der Erkenntnisse suchen und finden werden bei entsprechendem Handeln. Und da alles Tun in Abhängigkeit einer Ja-Nein-Entscheidung steht, können wir es auch friedlich gestalten. Frieden auf Erden somit in erster Linie nur eine Spekulation einer Illusion oder aber einfach eine Lebenseinstellung?

Konfliktaustragung Bestandteil einer friedlichen Koexistenz

Überall gibt es Konfliktpotential beim Zusammenleben, das läßt sich keineswegs vermeiden, weil der Mensch fühlt, sich in Trauer, Freude, Schmerz, Einsamkeit, Geselligkeit, Liebe und Haß offenbart. Dabei schwingt das ewig gültige kosmische Gesetz der Polarität nach Hermes Trismegistos, im siebten kosmischen Gesetz, wo es u.a. lautet: „Gegensätze sind ihrem Wesen nach identisch. Die Wahrheit Gottes ist Eins. Urteile und werte nicht. Verurteile nicht. Erkenne auch die Gegenmeinung an. Alle haben Recht. Alles hat seine Berechtigung. Alles ist gut.“ Solange Mensch genau diese klaren und durchaus einfach verständlichen Prinzipien beherzigt und somit lebt, wäre kein Frieden gefährdet.

In dem Buch „Die Weisheit des Verzeihens“ vom Dalai Lama (erschienen im Lübbe-Verlag) fragt der jahrzehntelange Weggefährte und Co-Autor, Victor Chan, ihn selbst: „Die Fähigkeit, unseren Feinden zu vergeben, kann also unsere spirituelle Entwicklung vorantreiben?“ Worauf  der Dalai Lama antwortet, sie sei ganz entscheidend. Sie gehöre zu den wichtigsten Dingen. Sie könne unser Leben verändern. Um Haß und andere zerstörerische Gefühle zu verringern, müsse man deren Gegenteil entwickeln – Mitgefühl und Güte. Versöhnlichkeit ermögliche den Kontakt mit diesen positiven Gefühlen. Dadurch würde das spirituelle Wachstum gefördert.

Diese Fähigkeit umzusetzen folglich der Schlüssel für einen Weltfrieden? Auf alle Fälle, es liegt nur am Mensch selbst, ob er diese Zusammenhänge erkennt und lebt.

Gibt es bedingungslosen Frieden oder aber zieht absolute Macht eine scharfe Grenze?

Bevor man sich dieser Frage nähert, betrachten wir die indogermanische Sprachwurzel für Frieden: pri, was wiederum „nahe“ bedeutet. Das Beieinandersein, sich nahe sein, muß somit als Quelle des Friedens betrachtet werden, zumindest im sprachlichen Umgang. Für die Goten stand gafridon für „versöhnen“ und Friede selbst die Germanen fripu nannten. Gewaltloses Zusammenleben verdeutlicht wohl am ehesten einen Frieden. Dieser, der von Familien ausgehen möge bis hin zu Staaten, setzt auch ein nichtkriegerisches Verhalten in Friedenszeiten voraus. Die Sehnsucht nach friedlichen Zeiten spiegelt sich besonders hier in Europa wider, nach den schrecklichen zwei Weltkriegen, die sogar tatsächlich umgesetzt wurde, wenn wir mal die Ausnahme des dramatischen Jugoslawien-Konflikts ausklammern.

Letztlich durchkreuzt die kalte Wirklichkeit jedwede friedliche Absichten. Frieden selbst muß bisher leider als eine Utopie bezeichnet werden, selbst wenn Staaten wie Schweden auf eine sehr lange Friedenszeit ohne Kriege zurückblicken können (von 1815 bis heute) oder die neutrale Schweiz (von 1848 bis heute). Nur wenn der Mensch sich von seinen Fesseln befreit, diesen ewig machthungrigen Prozessen eigener Verfehlungen, eben unfriedlich zu teilen mit seinen Mitmenschen durch Kriege, Haß, Zerstörung, besteht eine Chance, daß die Welt auch wirklich friedlicher wird. Das kann unmöglich von heute auf morgen geschehen, auch nicht in langsamen Schritten, solange keine echte Bewußtseinsänderung sich in die Seelen der Menschheit manifestiert.

Muß das durch Haß, Krieg und Zerstörung verursachte Leid groß genug sein, damit Mensch wirklich begreift? Wenn wir den Verlauf, das Ausmaß bisheriger Gewaltverbrechen an der Menschheit, dem Leben selbst uns vergegenwärtigen, scheint es leider keinen Leidensstop zu geben. Praktizierter Humanismus findet schon mal im Kleinen statt, aber sobald gewisse „Mächte“ meinen, ihren Tribut fordern zu müssen, dreht sich das Rad der Gewalteskalationen!

Norman Mailer schrieb passend zum Thema: „Eine friedliche und einträchtige Welt ist der geheime Alptraum der Offiziere und Advokaten.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Frieden auf Erden unerwünscht

  1. Ronald Schubert schreibt:

    Die friedlichen Koexistenz ist Bestandteil einer längst vergangenen und vergleichsweise friedlichen Phase der Menschheit, dem Kalten Krieg. Das klingt wie ein Widerspruch, ist aber keiner, schon weil damals die Seiten noch berechenbar waren.

    Gefällt 1 Person

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