Berufsfindung – die Qual der Wahl


https://pixabay.com/de/illustrations/karriere-bildung-ziel-beruf-3685824/

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Auf dem Weg der Selbsterkenntnis

Schon lange bevor Heranwachsende ihren Schulabschluß beenden, stehen sie vor dem Problem der Berufswahl. Während für den einen bereits seit einiger Zeit feststeht, womit er in Zukunft seine Brötchen verdienen möchte, bereitet dem anderen die Qual der Wahl schlaflose Nächte. Das gilt natürlich genauso für den Haupt- und Realschulabgänger wie auch dem Gymnasiast.

Ob es eine bevorstehende Lehre sein soll oder ein Studium, entscheiden sollten sie sich schon. Aber was geschieht mit denjenigen, die nach dem Abschluß weiterhin keine Wahl getroffen haben? Sicherlich kann hierbei ein Berufsfindungsjahr eine Hilfestellung bieten, wobei auch dort je nach Einrichtungsangeboten bestimmte Berufsfelder nur in Frage kommen, was ebenso zumindest mit einer ungefähren Berufsrichtung- oder eingrenzung verbunden ist.

Die wirtschaftliche Notwendigkeit widerspricht der Entwicklung

Wir Menschen sind allesamt Individuen, so daß allein schon aus diesem Grund eine Vereinheitlichung der eigentlichen Entwicklung widerspricht. Nun könnte man ja meinen, früher wurde gar nicht lange gefackelt, der Sohn hatte gefälligst in die Fußstapfen des Vaters zu treten oder  zumindest einen artverwandten  Beruf zu erlernen, Töchter wurden kurzerhand einfach verheiratet.

Doch inzwischen hat die Gesellschaft sich von diesen alten Geschlechterrollen befreit, die Autorität in der Erziehung fand ihr Ende in der generellen Liberalisierung zu Hause, in der Schule und im Alltag selbst. Aber die Belange des Menschen haben sich keineswegs prinzipiell geändert, so daß es eben nicht immer jedem so leicht fällt, sich für einen Beruf zu entscheiden. Und je nachdem, wie das soziale Umfeld mit denjenigen „umgeht“, können erst recht Probleme auftauchen. Vom Mobbing an Schulen, Vernachlässigung oder gar Gewalt zu Hause bis hin zur zunehmenden Isolation können die Entwicklungen von manch Heranwachsenden nicht nach dieser allgemein bestimmenden Norm fruchten.

Daß dabei oftmals sich für Berufe entschieden wird, die dem Betroffenen so gar nicht liegen, stellt leider keine Ausnahme dar. Unzufriedenheit, Frust breitet sich aus, was schon zum Abbruch führen kann. Das gleiche gilt auch für Studierende, wenn Eltern sehr hohe Erwartungen in ihre Kinder setzen. Die äußeren, gesellschaftlichen Umstände bestimmen den Berufsweg, ohne auf die eigentlichen Belange der Betroffenen einzugehen, sie zu berücksichtigen. Die Dunkelziffer derjenigen, die die „verkehrten“ Berufe erlernt haben und sie ausüben, dürfte somit nicht unerheblich sein.

Verborgene Talente wollen gefunden werden – Idealismus vs. Wirtschaftlichkeit

Schön, wenn Eltern die Muße haben, sich Zeit nehmen und auch das entsprechende Kapital mitbringen, um ihren Kindern die Chance zu geben, sich auszuleben, die eigenen Talente bei sich zu entdecken, die dann gefördert werden. Von diesem Glück profitieren nur sehr Wenige. Die große Masse hat sich vom Ideal zu trennen und danach zu richten, was scheinbar wirtschaftlich den besten Nutzen erbringt. Es macht somit wenig Sinn, einen Beruf zu erlernen, ein Studium zu beginnen, wo man von vornherein weiß, daß hinterher die Arbeitslosigkeit winkt, weil zu viele sich für die gleiche Stelle bewerben werden. Allerdings ändern sich die Märkte auch fortwährend, es gibt eben keine verläßlichen Prognosen, insofern herrscht große Verunsicherung.

Andererseits, was spricht dagegen, nochmals neu zu beginnen, nach Erstberuf einen Zweitberuf zu erlernen, zumal diesem Trend ohnehin schon viele gefolgt sind, da der Arbeitsmarkt ein sehr hohes Maß an Flexibilität abverlangt? Eigentlich nichts, und dennoch dürfen wir auch hierbei nicht verallgemeinern. Was der eine meistert, mag dem anderen eben nicht gelingen. Hinzu kommt, daß weiterhin viele Arbeitgeber am Liebsten einen jungen, dynamischen Mitarbeiter sich erwünschen, am besten mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, was faktisch natürlich Unsinn ist. Ältere Mitbewerber ziehen dennoch meist den Kürzeren. Auch das stellt ein Indiz dar, warum so viel Wert darauf gelegt wird, sich in jungen Jahren für den „richtigen“ Beruf doch zu entscheiden, damit beim Altern keine zweite Berufswahl zum Armutsrisiko wird.

Der Mensch hat sich folglich nach wie vor der Wirtschaft untergeordnet. Eine eigentliche Befreiung hin zum Humanismus schaut anders aus. Zufriedene Menschen leisten mehr, tragen vor allem entscheidend mit dazu bei, daß mehr Liebe und Umsicht herrscht, in sämtlichen zwischenmenschlichen Abläufen würde Rücksicht, Toleranz gelebt, sogar eine sinkende Unfallrate wäre festzustellen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.