Das Innenleben im Theater


https://pixabay.com/de/photos/leistung-tanzen-haar-theater-tanz-709972/

Bild von Mojca JJ auf Pixabay

Ein kleiner Rundgang

An keinem anderen Ort kommen so viele Künste zusammen wie in Theaterhäusern, die sich als Gesamtkunstwerke ihrem Publikum nach langer Proben- und Herstellungszeit dann auf den Bühnen präsentieren. Das Ganze wird noch erheblich spannender abgerundet, wenn man bedenkt, daß es sich um lebendige Kunst handelt, die mit der authentisch Darstellenden Kunst noch einen zusätzlich entscheidenden Aspekt erhält.

Dabei ist im Groben in drei Sparten zu unterscheiden: dem Schauspiel, dem Musiktheater und dem Ballett. Innerhalb dieser drei großen Bereiche sind natürlich noch umfassendere enthalten. Beim Schauspiel reicht die Palette vom Klassischen Theater, den Boulevard-Komödien bis hin zum Kinder- und Jugendtheater sowie dem Kabarett. Das Musiktheater beinhaltet den Oper- und Operettenbereich, aber auch die Musicals. Und selbst das klassische Ballett hat eine große Bereicherung erhalten durch das moderne Tanztheater. Unternehmen wir einen kleinen Rundgang in das Innenleben der Theater.

Begeben wir uns in die einzelnen Berufssparten, die ineinandergreifend mit absolut notwendigen Teamverhalten beim Theater zum Einsatz gelangen, aber auch in die unterschiedlichen Künste, wenn schon die Rede von einem Gesamtkunstwerk ist. Dabei muß erwähnt werden, daß jedes größere Theater einer ganz bestimmten Struktur unterliegt, damit das herauszufordernde Pensum organisatorisch überhaupt bewältigt werden kann. Dies jetzt in eine hierarchische Ecke zu stellen, wäre vielleicht etwas zu streng interpretiert, obwohl es durchaus Häuser gibt, wo dies so stattfindet. Jedes Theater hat einen Intendanten, manche großen Häuser benennen diesen Generalintendant, ihren obersten Chef, der sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Hause selbst die Interessen des Theaters bewahrt und vertritt. In kleinen Häusern ist dabei natürlich noch eine wesentlich familiärere Verbundenheit zwischen der Chefetage und allen Mitarbeitern deutlich zu spüren, was letztlich in der Natur der Sache sich begründet. Die Intendanz legt den Spielplan fürs ganze Jahr fest, damit alle planerisch vorgehen können und das Publikum informiert wird, welche Theaterstücke gezeigt werden.

Betrachten wir zum Beispiel einmal die Vorgehensweise von der Festlegung eines Theaterstücks bis zur Verwirklichung der Premiere, die als erste Aufführung so benannt wird, anhand eines Klassikers von Berthold Brecht: Die Kleinbürgerhochzeit. Zunächst finden sich die künstlerisch-leitenden Hauptakteure ein: der Regisseur, der Bühnenbildner und der Kostümbildner (manche Bühnenbildner sind auch Kostümbildner, dann entfällt diese extra zu besetzende Stelle). In diesen ersten Besprechungen wird die Ausrichtung der Inszenierung dargestellt, denn es wäre für alle Zuschauer eine höchst fragwürdige Zumutung, wenn Die Kleinbürgerhochzeit jedes Mal mit dem gleichen Bühnenbild, der gleichen Inszenierung daherkommt. Das ist das Wesen des Theaters, daß immer wieder ein neues Gesamtkunstwerk sich auf der Bühne präsentiert. Dabei haben auch große Häuser wiederum sogar Dramaturgen an der Hand, die in Zusammenarbeit mit dem Regisseur, – der diese sogar selbst der Intendanz empfehlen kann wie auch die Bühnenbildner -, den Text bearbeiten, aber auch die gesamte Öffentlichkeitsarbeit organisieren, vertreten.

Sobald die Konzepte stehen, werden die jeweiligen Abteilungen unterrichtet, damit die Verwirklichung konkrete Formen annehmen kann. Der Regisseur hat in der Regel einen Probenzeitplan von vier bis acht Wochen, je nach Organisation und Stück innerhalb der Theater. Bei unserem Beispiel sind vier Wochen durchaus ausreichend. Dabei beginnen die ersten Proben mit den Schauspielern bereits mit deren eigenen Vorbereitungen im Vorfeld, d.h. der Text wurde bereits gelernt, wobei manchmal bei größeren Rollen der ein oder andere Charakterdarsteller schon noch mit Textbuch auftritt. Die Rolle des Regisseurs besteht nun darin, seine Vorstellungen der Inszenierung mit den jeweiligen Stärken und Schwächen der Schauspieler in Einklang zu bringen, damit das bestmögliche Ergebnis erzielt werden kann.

Diese zwischenmenschliche Zusammenarbeit kann dichter und emotionsgeladener nicht sein. Denn eines wird auch hier überdeutlich: Theater hält seinem Publikum immer einen äußerst scharfsinnigen Spiegel hin, beschäftigen sich doch alle Stücke im Wesentlichen mit den Abgründen, aber auch Stärken des Menschseins. Ganz besonders bei der Kleinbürgerhochzeit, wo immerhin neun Personen äußerst kommunikativ überwiegend in einem Raum wirkend sich dem Publikum zeigen, wird diesem selbst eine relativ hohe Konzentration abverlangt, damit das Geschehen in der Kürze dieser Zeit gänzlich begriffen werden kann. Hierbei sind sowohl der Regisseur als auch die Schauspieler sehr gefordert, dies darstellerisch umzusetzen.

Der Bühnenbildner stellt sein Bühnenbild der gesamten Technik vor. Dabei sind somit auch die künstlerischen Fähigkeiten der Beleuchtung und des Tones gefordert. Bühnenmeister, Bühnentischler, Schlosser und Requisite bilden den technischen Bereich ums Bühnenbild. Der Kostümbildner arbeitet eng mit den Gewandmeistern und Schneidern zusammen. Was meinen Sie, was sich in einem großen Theaterfundus so alles verbirgt? Neben dem Kostümfundus gibt es auch noch die Requisiten, die jeweiligen Möbel, etc. Das alles will geordnet, gelagert und bei Bedarf herbeigeschafft werden. Daß dabei eine große logistische Herausforderung besteht, braucht nicht unbedingt betont zu werden, oder?

Es gibt große Häuser, so auch in Deutschland, die beschäftigen sogar 2.000 Mitarbeiter und mehr. Dabei sind im Bühnenbereich bis zu drei Schichten keine Seltenheit. Im Musicalbereich wurden angesichts zunehmender Beliebtheit gleich Extra-Häuser gebaut, wie z.B. das Theater am Marientor in Duisburg für das Musical Les Misérables.

Wenn dann die Probenzeit ihr Ende findet, kommt es zu den Hauptproben. Dabei wird auch zum ersten Mal in der Kulisse gespielt, ebenso im neuen Kostüm. Schließlich folgt die Generalprobe, die letzte vor der Premiere, in der auch nach Möglichkeit keine Unterbrechung zwecks Korrektur stattfinden sollte. Oftmals werden Generalproben vor ausgesuchtem Publikum präsentiert. Wußten Sie übrigens, daß Theaterhasen ganz bewußt nicht die erste Vorstellung nach der Premiere anschauen? Wieso denn das, werden Sie jetzt vielleicht fragen? Nun, bei einer Premiere wird alles gegeben, daher sind solche in der Regel ziemlich erfolgreich, abgesehen von berechtigter Kritik an manchen Inszenierungen. Danach ist aber erst mal „die Luft raus“ bei den Schauspielern, so daß die erste Vorstellung nicht mit ganzem Einsatz erfolgt.

Sollten Sie also mal wieder ein Theaterstück sich anschauen, und das ist durchaus nicht nur nach dem Lesen dieses Artikels empfehlenswert, dann haben Sie nunmehr ein wenig mehr Einblick erhalten, welche Arbeit dahintersteckt. Übrigens gibt es bei vielen Theatern den Tag der offenen Tür, wo Sie durchaus mal das Innenleben sich zeigen lassen können. Würdigen wir die Theaterwelt, sie ist eine äußerst große Bereicherung und trotz TV- und Computerwelt immer noch nicht ersetzbar, weil dort Menschen auf den Bühnen sich mit all ihrem Geist und ihrer Seele zeigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

Dieser Beitrag wurde unter Kulturelles abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.