René Magritte – Gedanken zu „Therapeute“


Träume sollen nicht einschläfern, sondern aufwecken

René François Ghislain Magritte, der große belgische Maler des Surrealismus hat bereits in der frühen Jugend uns zutiefst beeindruckt durch seinen spielerischen Umgang mit der Wirklichkeit, den stets wiederkehrenden Objekten, ob die Taube, das Ei, der Löwe, der Fesselballon oder der Vorhang.

Dabei sind es gerade die Gegensätze, die seinen Bildern die erwünschte Absicht hervorrufen. Seine Vita sei jetzt mal nicht vertieft, wobei natürlich der frühe Selbstmord seiner Mutter ganz bestimmt ihn geprägt hatte, er war gerade mal zwölf Lenze jung.

Während man so seine Werke betrachtet, stößt man auch auf eines, im Originalen genannt: Therapeute. Was sehen wir bei der Betrachtung? Ein Photo liegt hier im Artikel nicht vor, so verbleibt mal diese Bildbeschreibung.

Es muß ein sehr sonniger Tag sein, weil allein Lichtintensität und scharfer Schattenwurf dies betonen. Eine menschenähnliche, sitzende, wohl eher männliche Person füllt beinahe das ganze Bild aus. Dabei sitzt er breitbeinig auf einer Sanddüne, bekleidet mit einer graubraunen Hose, der Stoff fällt eher locker flauschig, trägt flaches Schuhwerk in der gleichen Farbe. Die rechte Hand stützt er auf einem Spazierstock, während er mit der linken einen Sack eher gut festhält. Dessen Öffnung ist verschnürt und auch seine Farbe mit demselben Graubraun versehen. Auf seinem Schoß steht ein Vogelkäfig, der Rumpf und Kopf ersetzt – ja, Sie haben richtig gelesen -, beides ist bei dieser Figur nicht vorhanden. Im geschlossenen Käfig sitzt eine weiße Taube, und außerhalb auf einem Einstiegsbrett vor der Käfigtür eine Artgenossin.

Ein großes, faltenwerfend weinrotes Tuch bedeckt Käfig, Arme, den hinteren Bereich des Wesens, wobei es als Abschluß auf ihm sitzt und der nichtvorhandene Rücken abgedeckt wird. Das Tuch, dessen weinrot wohl ziemlich braunrot wirkt, wird am Käfigdach übereinanderschlagend mit einem beigefarbenen, großen Schlapphut zusammengehalten. Rechts und links sieht man das Dünengras, wobei im Hintergrund das ruhige Meer zu sehen ist bei neblig blauem Himmel. Ein wenig irritierend ganz oben rechts: Magrittes Signatur.

Soweit die Beschreibung dieses Bildes beim Betrachten. Aber was sieht man da tatsächlich? Bildinterpretationen haben durchaus ihre Berechtigung, dies will ein Künstler auch. Und es bleibt einem jedem selbst überlassen, was man da „sehen, erahnen“  mag. Allein schon die Idee, den Menschen selbst für einen Augenblick zu entrücken, ist schon faszinierend bei gleichzeitiger Überdeutlichkeit eines Vogelknastes, um einen Käfig mal beim Namen zu nennen. Nun symbolisiert eine Taube, und ganz bestimmt eine weiße, den Frieden, die Freiheit. Während die Taube im Käfig, leicht nach vorne gebeugt, somit kontaktaufnehmend zur Besuchertaube blickt, signalisiert diese eindeutig fast schon ein Desinteresse. Sie schaut nach unten und kauert eher gemütlich, sich ihrer Freiheit wohl bewußt. Dabei wirkt die Figur, nennen wir sie mal der Einfachheit halber „der Käfigmann“, eher so, als ob vor ihr ein Photograph sitzt oder eben Magritte selbst. Und genau bei diesem Werk kommt somit das Wesen des Surrealismus zum Tragen, dieses sich über die Realität zu erheben, dieses Entrücken.

René Magritte hat einmal gesagt: „Im Hinblick auf meine Malerei wird das Wort ‚Traum’ oft mißverständlich gebraucht. Meine Werke gehören nicht der Traumwelt an, im Gegenteil. Wenn es sich in diesem Zusammenhang um Träume handelt, sind diese sehr verschieden von jenen, die wir im Schlaf haben. Es sind eher selbstgewollte Träume, in denen nichts so vage ist wie die Gefühle, die man hat, wenn man sich in den Schlaf flüchtet. Träume, die nicht einschläfern, sondern aufwecken wollen.“

Ich möchte Ihnen seine Sätze mitgeben, falls Sie sich auf die Reise begeben, die Bilder dieses wunderbaren Malers zu betrachten und zu empfangen. Sie werden reichhaltig und ebenso inspirierend belohnt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

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