Lesen eine hilfreiche Stütze und lebenslange Begleitung


https://pixabay.com/de/photos/bibliothek-lesen-wissen-buch-4589730/

pixabay.com

Wenn wir lesen, tauchen wir ein in neue Welten

Sie sind mit von der Partie, wenn Sie die sieben Wörter der ersten Überschrift lesen konnten, unabhängig davon, daß Sie ohnehin einfach weiter Ihre Augen über diese Zeilen gleiten lassen und deren Sinn ganz selbstverständlich aufnehmen wie Rad fahren oder Musik hören.

Dürfen wir Lesen daher als einen Akt des Automatismus betrachten, der einmal erfolgreich erlernt und mittels viel Übung vertieft in Fleisch und Blut übergeht? Das Lesen folglich eine hilfreiche Stütze und lebenslange Begleitung, wobei ein ständiger Lernprozeß mitschwingt?

Vom Beginn in der pränatalen Phase und dem Sprechen lernen als Voraussetzung

Und er sprach zu ihnen: „Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“, lautet es im Evangelium des Markus, Kapitel 4, Vers 9 des Neuen Testaments – auch wenn dieser Zusammenhang nicht mit dem Lesen direkt etwas zu tun hat, dann doch die einfache Aussage des Hörens. Genau das stellt nämlich die Verbindung zur Außenwelt dar, während Mensch im Mutterleib noch heranwächst in der pränatalen Phase. Neben sämtlichen Emotionen, Gedanken und Körpersaftaustausch zwischen Mutter und Ungeborenem existiert noch ziemlich real die Welt der Geräusche.

So prägt uns bereits weit vor der Geburt in erster Linie der Klang von Mutters Stimme: das Hören unbedingte Voraussetzung zum Sprechen lernen. Das setzt sich insofern fort, die Sprache erhält ihren zunehmenden Stellenwert beim Heranwachsen. Beschränken wir uns nur auf das Lesen von Schriften und Texten, muß eben die Muttersprache herangezogen werden, um diesen Prozeß erlernen zu können, wobei dies selbstverständlich ebenso für zweisprachiges Aufwachsen gilt.

Lesen – die unterschiedlichen Bedeutungen

Die aus dem Lateinischen stammende Lehnbedeutung legere für „sammeln, ausführen und lesen“ spiegelt sich sprachlich sichtbar im Deutschen bei Lektüre, Legende oder Lektor wider. Doch was lesen wir alles noch neben Buchstaben in Texten? Und dies nicht nur über die visuelle Fähigkeit, Blinden bleibt sie versagt, daher geschieht bei ihnen dies mittels taktiler Umsetzung, sie fühlen die Buchstaben der Blindenschrift mit den Fingern, sondern daneben lesen wir technische Zeichnungen, Karten, Schaltpläne, graphische Darstellungen, Fahrpläne, mathematische Formeln und Musiknoten.

Lesen beinhaltet somit ein ziemlich breites Spektrum der Wissensvermittlung bzw. Anwendung im täglichen Leben und Berufsleben. Ganz bestimmte Berufe würden wir ohne das Lesen einfach nicht ausüben können, andere wiederum schon.

Zwischen Legasthenie und Analphabetismus und dem Lesen selbst

Jede Krankheit, jeder Makel kann geheilt oder gelindert werden, das gilt selbstverständlich auch für Legastheniker und Analphabeten. Es belastet diese ungemein, wenn sie auf Unverständnis in der Gesellschaft selbst stoßen bis hin zu blindem Aktionismus in der Politik, da zunehmende Verrohung und sozialer Abbau ohnehin schon für genügend Ungerechtigkeit sorgen, Außenseiter an den Rand gestellt werden. Hilfreiche Therapeuten stehen allerdings schon zur Verfügung, wenn sie denn in Anspruch genommen werden können ohne finanzielle Hürden oder aus Mangel, weil zu wenige vorhanden gemessen am Bedarf! Da besteht eine ungemein große Lücke, die es zu schließen gilt.

Das gute alte Vorlesen, was vielleicht noch manche kennen mögen, schafft eine sehr hilfreiche Basis, um später einen einfacheren Einstieg in die Welt des Lesens selbst zu vermitteln. Je interessanter Eltern das Vorlesen gestalten, meist als abendlichen Ritus vor dem Einschlafen, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer sinnvoll zwanglosen Förderung. Gleichzeitig gibt es einerseits immer mehr Kinderbücher, die den Buchmarkt überschwemmen, wobei es nicht gleich gutgemachte sein müssen, dennoch kann man mit ein  wenig Recherche überraschend interessant gestaltete Kinderbücher finden.

Lesekompetenz erreichen junge Kinder gänzlich nur über das Sprechen selbst, wobei gilt, je sorgfältiger erlernt, dies wiederum durch das aufmerksame Zuhören, umso einfacher später die unterschiedlichen Leseformen (halblautes, lautes und stilles Lesen) angeeignet werden. Im Laufe der Schulzeit, im Studium und Beruf erwerben wir dann die verschiedenen Lesefertigkeiten. Vom selektiven Lesen (bei dem einzelne Informationen entnommen werden), dem visualisierten Lesen (dort stellen wir uns Sachverhalte vor), beim systematischen Lesen (das Erkennen interner Textbezüge), dem gestalteten Lesen (das Vorlesen), beim referentiellen Lesen (die Verknüpfung mit dem Weltwissen) oder dem strukturellen Lesen (das Erkennen von Textstrukturen), sie alle haben eines gemeinsam: Diese Lesefertigkeiten werden erst im Laufe der Zeit erlernt, wobei nicht gleich jede von jedem „einfach“ angenommen werden, ebenso beruflich bedingt notwendig sein können oder eben auch gar nicht.

Eine Welt ohne Bücher undenkbar – eine ohne das Lesen schon gleich gar nicht

Entgegen mancher Prognosen, im Zeitalter des Computers würden weniger Bücher gedruckt und verkauft werden, boomt dieses wichtige Freizeitvergnügen aber auch innerhalb der Berufswelt. Es ist schlicht und ergreifend ziemlich anstrengend trotz ausgefeilter Technik, lange auf Flat Screens lesend zu glotzen, da wirkt ein Buch wesentlich entspannter auf die Augen.

Eine zunehmend zu beobachtende „Lesefaulheit“ bei jungen Menschen muß dennoch uns aufhorchen lassen angesichts ständig wachsender Reizüberflutung durch das Fernsehen und dem Internet. Dem sollte entgegengewirkt werden durch interessant gestaltetes Vorlesen, aber auch in den Schulen selbst, die Bildungsträger sind hierbei in die Pflicht zu nehmen.

So schrieb schon Heinrich Heine völlig berechtigt:

„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.