Im Kindergartenalter die Welt im Spiel ohne Belehrung entdecken


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Zu früh Konkurrenzdenken vermitteln?

In manchen Köpfen spukt die Gewißheit, daß bereits nach einem halben Jahr, eventuell gar noch früher, ihre Kinder in die Hände einer Kinderkrippe oder einer Tagesmutter gut versorgt sich weiterentwickeln dürfen, während Mama und Papa berufsbedingt das nötige Geld heranschaffen, die eigene Karriereleiter erklimmen. Man mag dies gutheißen oder aber ein wenig streng sich ins Gewissen reden und es einfach lassen, um den eigenen Sprößlingen die äußerst wichtige Nestwärme, die Elternliebe ganztags zu gönnen.

Drei Jahre nach der Geburt sprechen wir dann vom allgemein definierten Kindergartenalter, bis die Schulzeit ihren Anfang nimmt. Unter Gleichgesinnten für ein paar Stunden dem Elternhaus entfleucht die Welt im Spiel ohne Belehrung entdecken – was kann es schöneres geben? Doch inwieweit gestaltet sich der eigentliche Alltag in Kindergärten?

Das Abnicken zugunsten einer herzlosen Leistungsgesellschaft

Früh übt sich. Diesem Gedankengang gehorchen all jene, die meinen, sich einer herzlosen Leistungsgesellschaft unterordnen zu müssen. Es wird sich nach den Vorgaben eines gnadenlosen Konkurrenzkampfes in der Wirtschaft gerichtet, das gesamte Berufsleben von der Lehre bis zum Manager oder Chefsessel der eigenen Firma, vom gutbezahlten Pöstchen bis zum Berufsschullehrer selbst – das Diktat einer erfolgsorientierten Berufswelt bestimmt das Miteinander, wo Verlierer auf der Strecke bleiben, Sieger sich ihren Platz erkämpfen.

Was kann da besser fruchten, als möglichst früh die heranwachsenden Menschenleben zu trimmen, um bestens vorbereitet ihnen Wege anzubieten. Das „Ländle“ wollte seiner Rolle gerecht werden, denken wir an die fragwürdige Pisa-Studie, Bildung frühzeitig fördern mit einem Bildungsplan auch für den Kindergarten. Auf den ersten Blick wirkt es positiv, obwohl der kritische Betrachter bereits ins Stutzen gerät, wenn schon gleich zu Beginn der Hinweis folgt, Freude am Spielen stehe nach wie vor im Mittelpunkt. Anlaß genug, dem Spielen mehr Beachtung zu schenken.

Nicht lernen ist angesagt, sondern das Spielen selbst

Albert Einstein formulierte nicht zufällig nur aus seiner Sicht, daß Spielen die höchste Form der Forschung sei, sondern das bestätigen all jene, die nicht gleich den Vorgaben einer bildungspolitischen Konzeption erliegen, die den Menschen möglichst früh in die Welt des Konkurrenzdenkens heranführen möchte, wenn auch im Gewande einer angeblich fundierten Pädagogik. Diese ordnet sich einfach dem Wirtschaftsdiktat unter, welches entsprechende Weichen stellt, nach dem sich alles zu richten hat.

Kein geringerer als Salman Ansari, der deutlich mit dazu beitrug, in der Odenwaldschule „aufzuräumen“, der sagte, wie es dort war, meldete sich zu Wort, indem er Frühförderung anprangerte. Wenn Ansari in einem Interview antwortete: „Ich möchte, dass die Kinder selbst eine Art Lösungsweg finden und nicht einfach nur Wissen anhäufen.“, dann entspricht dies exakt der Auffassung, ihnen viel eher Raum für Phantasie zu überlassen, der ohnehin in einer Welt der Reizüberflutung verlorengeht. Und schon befinden wir uns erneut beim Spielen, selbst dem freien Spielen zuviel Bedeutung beizumessen, kann genauso verkehrt sein wie die ganze Palette anspruchsvoller Spiele. Es kommt hierbei darauf an, allen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Sicherlich keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, welchen Einflüssen sie in einer Welt des TVs und Internets ausgesetzt sind, zumal dabei ein hohes Maß an Passivität vermittelt sowie Vorprogrammierung zu Übergewicht und späterem Suchtverhalten dadurch begünstigt wird.

In anderen Worten, gerade das freie Spielen, in dem Kinder selbst bestimmen, eben nicht irgend einem Programmablauf  folgend agieren dürfen, sollte einen höheren Stellenwert erhalten – gönnen wir es ihnen. Diese drei bis vier Jahre Kindergarten sollten niemals als Schulvorbereitung interpretiert werden, ganz besonders deshalb, weil das Schulsystem selbst ohnehin grundlegend erneuert werden müßte!

Wie sagte schon Jacques-Yves Cousteau so zutreffend: „Spielen ist eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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