In Freundschaft ohne Sehnsucht oder Besitzansprüche


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Wertvolle Errungenschaft, wer sie hegt und pflegt

Wir können uns in einem großen Bekanntenkreis bewegen, dort nach viel Abwechslung und Amüsement dem tristen Alltag entrinnen, in Feierlaune die einfache Ablenkung genießen, doch eine echte Freundschaft mag dies niemals ersetzen. Während der eine sich in belanglosen Gesprächen meint, hierbei präsentieren  zu müssen, zieht es der andere vor, viel eher zurückhaltend aufzutreten.

Ihm bedeutet eine wahre Freundschaft noch etwas, entspricht sie doch einer tiefverwurzelten Sehnsucht ohne irgendwelche Besitzansprüche. Man könnte jetzt kritisch anmerken, daß hier ein kitschiges Klischee beschrieben wird, ein simples Schwarz-Weiß-Denken, welches nur zwischen den beiden Gegensätzen, nämlich einer oberflächlichen Bekanntschaft und einer engen Freundschaft unterscheidet. Solche Einwände werden eines Besseren belehrt, wenn wir uns dem Thema ein wenig genauer zuwenden.

Früh übt sich, was später lange währt?

So manche Sandkastenfreundschaft endete schließlich in eine Liebesbeziehung, die keineswegs näher vertieft werden sollte, weil das große Thema der Liebe zwar unbedingt mit Freundschaften vieles gemein hat, aber dennoch diese selbst sich durch das Fehlen des Sexus wesentlich unterscheidet. Wer kennt nicht die Versuchung, mit dem besten Freund oder der besten Freundin sich auf einen Flirt einzulassen, der schließlich im Bett enden kann? Und schon beginnt die Ursprünglichkeit einer freundschaftlichen Beziehung sich zu verkomplizieren, was nicht bedeutet, daß Paare in Freundschaft gleichzeitig verbunden sind. Nein, hier soll aber eben die kameradschaftliche Freundschaft betrachtet werden.

Die aus dem Italienischen entstammende „Kammergemeinschaft“ (camerata) dürfen wir ruhig wörtlich nehmen, was bedeutet, daß aus einer Zweckgemeinschaft automatisch eine solidarische Verbundenheit Menschen zusammenschweißt, wenn wir z.B. an Schulklassen oder sportlichen Mannschaften denken. Immer dann, wenn das gemeinsame Ziel die Gruppe fordert, eben gegenseitige Loyalität zu bewahren, zusammenzuhalten, entsteht diese tiefe Verbundenheit der Kameradschaft, die letztlich in eine Freundschaft münden kann.

Der beste Schulfreund mag ein Leben lang uns begleiten, wir mögen ihn unter Umständen aus den Augen verlieren, aus manchmal unterschiedlichen Gründen, dennoch hat eine solche langjährig dauernde Erfahrung ihre positiven Spuren in uns hinterlassen. Wir übten schon früh, das Wesen der Freundschaft zu begreifen, was somit vorbereitend dienlich war, um daher auf andere Menschen zugehen zu können.

Was eine gute Freundschaft ausmacht

Eine wahre Freundschaft vertraut bedingungslos, weil diese wichtige Basis ihr genau die Stütze gibt, die sie so wertvoll macht. Aus diesem Grund vermag der Außenstehende kaum bis gar nicht vorzudringen, sollte er die Absicht hegen, sie anzuzweifeln oder gar zerstören zu wollen. Beispiele von solch tollen und wertvollen Freundschaften kennt wohl jeder.

Wir mögen uns mit dem Elternhaus verkrachen bis hin zum längeren Kontaktabbruch, wir trennen uns vom Partner, aber ein guter Freund während solcher Zeiten vermag eine stützende Schulter bedeuten, eine hilfreiche Hand, ein guter Zuhörer, der mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn die eigene Welt zusammenbricht.

Völkerverständigung – freundschaftlich verbundene Nächstenliebe

Im Grunde genommen möchten die Menschen in Frieden leben, Krieg und Zerstörung führen nur zu Armut und Elend, sind Zeugnis eines unnötigen Haßes. Gerade deshalb trugen stets manch engagierte Politiker entscheidend dazu bei, die Völkerverständigung voranzutreiben, erinnern wir an die „Neue Ostpolitik“ Willy Brandts, an seine Initiative und den erreichten Ostverträgen, denken wir nur an den Moskauer- (12.08.1970), den Warschauer- (07.12.1970), den Grundlagen- (21.12.1972) und den Prager Vertrag (11.12.1973), dann wird schnell ziemlich deutlich, welch großartige Leistung der vierte Bundeskanzler vollbrachte, die schließlich auch als Wegbereitung zum Mauerfall bezeichnet werden darf. So verkündete er am 09. November 1989 am Brandenburger Tor: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“

Selbst wenn dennoch der Ost-West-Konflikt zwischen den beiden deutschen ehemaligen Staaten einiges an Verständigungsschwierigkeiten parat hatte, der Willen zur Völkerverständigung bleibt bei den Menschen ungebrochen. Vergessen wir nicht die Deutsch-französische Freundschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Beginn durch die Europa-Erklärung von Robert Schumann und Jean Monnet im Jahre 1950 hatte und schließlich mit dem Élysée-Vertrag knapp 13 Jahre später besiegelt wurde. Ein Beispiel einer gelungenen und äußerst wichtigen Völkerverständigung, die einmal mehr verdeutlicht, was Freundschaft ausmacht. Sie schafft nicht nur ein friedliches und harmonisches Miteinander, sondern sie beinhaltet das Herzstück des Humanismus, die gelebte Nächstenliebe.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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