Coronaferien alles andere als einfach – ein Interview mit zwei Betroffenen


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Yvonne und Nadine berichten über unglaublichen Leistungsdruck

Die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt uns alle weltweit. Inzwischen kann niemand mehr von Fakenews oder Verschwörungsszenarien fabulieren, ohne selbst in berechtigte Kritik zu gelangen. Dafür sind die Zahlen Infizierter und die Todesfälle zu eindeutig neben fundierten Erkenntnissen und Berichten seitens anerkannter Virologen.

Eine folgerichtige Maßnahme war die Entscheidung auch hierzulande, Schulen und Universitäten zu schließen, bis zum Ende der Osterferien befinden sich die Schüler in sogenannten „Coronaferien“, wie uns berichtet wurde. Wir konnten Yvonne und ihre 13-jährige Tochter Nadine für uns gewinnen, die sich den Fragen gern hier stellten. Die Namen sind natürlich Pseudonyme, um deren Privatsphäre zu schützen.

Lotar Martin Kamm: Keine leichte Umstellung sowohl für dich Yvonne als auch Nadine, plötzlich in der Rolle der Lehrerin den Unterricht gestalten und kontrollieren zu müssen. In unserem Vorgespräch seid ihr auf etliche Widrigkeiten gestoßen, die wir hier erläutern wollen. Wie findet ein solcher Unterricht außerhalb der Schule real statt?

Yvonne: Für mich als Mutter ist es sehr anstrengend und schwierig, den Kindern die Aufgaben so zu erklären wie ein Lehrer. Die Kinder sind sehr lustlos. Es ist noch keine Struktur im Alltag. Auch für die Schüler / Lehrer und Eltern ist das neu. Wir Eltern hatten die Aufgabe, den Kindern was Schulisches beizubringen, abgegeben. Jetzt kommt schlagartig alles auf uns zurück.

Nadine: Ich fange mit den Aufgaben meistens um 8 Uhr an. Ich habe öfters kleine Fragen, aber leider habe ich nicht immer direkt jemanden da, der mir das erklärt, da meine Mutter auch noch was anderes zu tun hat.

Lotar Martin Kamm: Jetzt wissen unsere Leser zumindest die äußeren Rahmenbedingungen. Das wird bestimmt von Schule zu Schule auch in Rheinland-Pfalz unterschiedlich sein, oder? Deine jüngere Tochter, deine Schwester, Nadine, besucht noch die Grundschule. Ähnliche Strukturen?

Nadine: Meine kleine Schwester hat viele Vorteile. Sie hat keinen Zeitdruck, oder hat zu viele Aufgaben auf. Außerdem werden ihre Sachen nicht benotet. Was ich besser finde, ist, dass sie viel am PC arbeiten kann.

Yvonne: In der Grundschule ist es noch lockerer, und die Schüler bekommen nicht so viel auf. Es läuft sehr gut mit meiner kleinen Tochter.

Lotar Martin Kamm: Wo hapert’s jetzt real? Welche Aufgaben sind nahezu irrwitzig, belasten euch vehement, weil obendrein die Vorgaben und somit Erwartungen viel zu hoch gestellt sind? Erzählt doch mal anhand einiger Beispiele, was da offensichtlich verkehrt läuft.

Yvonne: Also bei Nadine ist es zu viel Arbeit in kurzer Zeit. So was wie Sport-Aufgaben sind schon witzig. Es hapert an dem Druck. Die Kinder wollen gute Noten, aber dass wir Eltern jetzt Lehrer spielen, geht nicht von heute auf morgen.

Nadine: Ich finde, dass es in einem Fach viel zu viel ist. Ich saß da mehr als 8 Stunden dran. Naja, das mit Sport finde ich doof. Sonst gehen die Aufgaben. Nur das keiner da ist, den ich fragen kann.

Lotar Martin Kamm: Vielleicht doch ein wenig zu forsch, um es mal milde zu formulieren? Und das Ganze ausgerechnet in dieser für alle extrem belastenden Corona-Krise? Was müßte sich eurer Meinung nach ändern, um dem Auftrag der Schule gerecht zu werden?

Nadine: Ich finde, dass man viel mehr am PC machen könnte, außerdem müsste man die Aufgaben reduzieren.

Yvonne: Die Lehrer sollten sich mehr auf PC-Aufgaben beziehen. Nicht jeder hat einen Drucker daheim. Oder auf Vorrat Papier. Der Druck müsste weniger werden. Man könnte live Unterricht machen. Wo die Kinder Fragen per Chat stellen können.

Lotar Martin Kamm: Am Schluß des Interviews möchte ich euch gern die Gelegenheit geben, all das zu äußern, was ich nicht gefragt habe oder euch auf dem Herzen liegt.

Nadine: Ich habe viel weniger Freizeit, seit ich zu Hause lernen muss. Außerdem kann es nicht sein, dass meine Eltern sich frei nehmen müssen, nur um mit mir Hausaufgaben zu machen.

Yvonne: Nicht nur die Erwachsenen machen sich Sorgen und Gedanken um die Welt- Situation, sondern auch unsere Kinder. Gerade in so einer Krise sollte man nicht mit „Druck“ und Schulstress belastet werden.

Lotar Martin Kamm: Vielen Dank für eure Schilderung, ich kann mir gut vorstellen, daß andere Eltern und Schüler vor ganz ähnlichen Problemen stehen und sich nur noch wundern, warum dermaßen unsensibel seitens der Schule gehandelt wird.

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