Alles hat seine Zeit


© Andrea Dejon

Die Natur lässt sich nicht betrügen. Sie erlaubt nur für begrenzte Zeit, die Regeln zu biegen. Aber irgendwann schnellt das Gummiband zurück und erzwingt den alten Weg. Ein Weg, der sich im Laufe von Jahrmillionen und Jahrmilliarden als zielgebend und richtig erwiesen hat.

Es gibt die Zeiten der Aktion, der Veränderung und der Ruhe. Für ein Lebewesen sind diese ganz besonders wichtig. Der Winter sollte eigentlich die Zeit der Einkehr sein, des sich zurückziehen und auf einen Neuanfang vorzubereiten. Pflanzen ziehen ihre Kräfte in die Erde und somit in die Wurzeln zurück. Manche Tiere machen einen Winterschlaf, anderen reicht die Winterruhe. Doch was machen wir Menschen?

Wir achten schon lange nicht mehr auf den inneren Rhythmus, der das Leben von uns Menschen bestimmt hat. Wir glauben, es besser zu wissen als die Natur und arbeiten auch in den Zeiten der Ruhe voller Hetze weiter. Wir rennen einer Illusion von Geld hinterher und schenken ihm mehr Macht und Glauben als unserem eigenen Körper, der doch für uns eigentlich das einzig wirkliche Greifbare darstellt.

Schon seit einigen Jahren nimmt die Anzahl von Burnout-Patienten zu, dennoch erwägt der Mensch kaum eine Änderung. Die sogenannte Karriere und das Geld gelten nach wie vor als das wichtigste im Leben. Dafür wird sogar die Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Und nicht nur die eigene, auch die der anderen – im Grunde unser gesamter Planet wird beim diesem Roulette riskiert.

Ohne die entsprechenden Ruhephasen kommt der Körper aus dem Gleichgewicht. Das Immunsystem wird geschwächt. Krankheiten halten Einzug und versuchen den Körper zur Ruhe und zur Einkehr zu zwingen! Ob wir das nun wollen oder nicht. Stress lässt die Anspannung steigen, wir sind ungehalten und ärgern uns schneller. Wir beginnen uns zu verhalten wie ein Tier, das völlig von seiner Gruppe ausgegrenzt wurde und dem dadurch auch Nahrung und Sicherheit fehlt. Das Adrenalin lässt unsere Gedanken purzeln und uns Dinge sehen, die in Wirklichkeit meist weit weniger gefährlich sind.

Selbst der nächtliche Schlaf bringt keine Beruhigung, sondern Unruhe und Schlafstörungen. Und Schlaf ist ungemein wichtig. Ohne ihn kann unser Gehirn nicht mehr richtig entgiften. Irgendwann, wenn das Schlafdefizit zu groß ist, melden sich Wahnvorstellungen und am Ende Paranoia.

Dennoch will der Mensch und vor allem der Staat weiter seinen Kurs halten, das Bruttosozialprodukt und die Gewinne müssen wachsen – egal um welchen Preis. Und, warum muss eigentlich fast jede Minute verplant sein? 365 Tage im Jahr? In solchen Fällen kann man nicht einmal mehr einen Ausweichtermin finden. Bei einer Krise bleibt dann nur noch die Möglichkeit, den Termin komplett ausfallen zu lassen.

Auch Bakterien und Viren verändern sich beständig, sie gehören wie wir zum Netzwerk der Natur. Die meisten arbeiten mit den Lebewesen Hand in Hand, genau genommen ermöglichen sie erst, dass wir Menschen und die Tiere überhaupt in dieser Welt überleben können!

Und natürlich gibt es noch die anderen, die gerne als die bösen krankmachenden Organismen angesehen werden. Aber ist das wirklich so? Und wollen wir das nur so sehen, weil sie trotz ihrer Winzigkeit uns dazu zwingen können, einen anderen Weg einschlagen zu müssen?

Das Ego verliert nicht gerne, noch dazu gegen etwas so kleines, das man nicht einmal sehen kann! Fakt ist, dass viele dieser sogenannten krankmachenden Organismen im Grunde dafür da sind, unseren Organismus zu trainieren – was bei einem Menschen, der mit der Natur lebt, meist gut funktioniert und ihn sogar stärker macht.

Hat unser Körper zu wenig Training, neigt er sogar dazu, die eigenen Zellen anzugreifen – fast so als würde sich unser Immunsystem langweilen, weil es nichts zu tun gibt. Dieses „Training“ ist aber nicht für alle Menschen ideal. Wie bei einem Körper, der gestresst und unterversorgt ist. Wer sich dann im Sport bis ans Limit wagt, wird krank oder stirbt!

Gut, im Sport haben wir durchaus die Chance, auf unseren Körper zu hören und ihm eine Pause zu gönnen. Mit einem Erreger können wir leider nicht reden. Er folgt nur blind und stur seiner Programmierung. Von daher sollte doch klar sein, dass wir unbedingt umdenken sollten!

Wir müssen damit aufhören, unseren Körper und unsere Psyche ständig zu überfordern. Wir müssen wieder lernen, uns richtig zu spüren. Wir müssen uns frei machen von zerstörendem Stress und dem Glauben, Geld und Karriere könnten alles wieder ins Lot bringen.

Wir brauchen die Menschlichkeit und die Achtsamkeit. Nicht nur, damit die Natur nicht weiter zerstört wird – denn auch diese vielen Schadstoffe, die wir in die Umwelt entlassen, schaden unserem eigenen Körper und somit unserem Immunsystem!

Wir sollten uns wieder richtig kennen lernen und auch die anderen Menschen, die Pflanzen und Tiere. Wir sollten mit dem ewigen Planen und mit dem Kopf durch die Wand wollen aufhören und uns dem Rhythmus der Natur wieder annähern. Ein Narzisst wird nicht lange in seinem solchen System überleben, auch wenn er das glaubt.

Es ist das gleiche wie bei einem weichen Grashalm und einem starren Ästchen: Wer achtsam ist und sich und seine Umwelt wahrhaftig spüren kann, wird sich entsprechend beugen und reagieren können, ohne dabei zerbrochen zu werden.

Andrea Dejon

Kategorie: Meinung

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