Musik als Tor zur Seele


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Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0

Bindeglied zum Weltfrieden?

Mit einem übergroßen Mitteilungsbedürfnis bestückt, möchte Mensch sich in jedweder erdenklichen Form äußern, vom Malen zum Schreiben, vom Rollenspiel zum Tanzen und vor allem, Musik erklingen lassen, und das seit Urzeiten.

Was in der Vogelwelt selbstverständlich zu hören, das Formen von Tönen, um diese per Gezwitscher in unterschiedlichen Melodien von sich zu geben, wandte der beobachtende Mensch und dessen Vorfahren an, um selbst sich auszuprobieren, pfeifend, summend, flötend, im Rhythmus trommelnd. Jene damaligen ersten Versuche nur Tor zur Seele oder erst heute auch Bindeglied zum Weltfrieden?

Große Worte und Begriffe lassen Taten folgen

Wer kennt es nicht, das Zusammenkommen am gemeinsamen Lagerfeuer, wenn ausschweifende Gespräche und so manche Geschichte im knisternden Hell zum Besten gegeben werden. Und manchmal das ein oder andere mitgebrachte Musikinstrument plötzlich ausgepackt erklingen darf, die Stimmung steigt, gänzlich ohne großartige Absprache den Tönen freien Lauf lassend durchaus interessante Spontankompositionen entstehen. Musik als begleitend kommunikatives Element einen wesentlichen Beitrag besonders der wortlosen Verständigung leistet.

Musik entstand und entwickelt sich bis heute weltweit sehr unterschiedlich, je nach äußeren Umständen, wobei sich dennoch Gemeinsamkeiten offenbaren, denken wir an die Harmonik, die überall bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgend stattfindet. Irgendwann im Laufe der 1980iger Jahre entstand der Begriff der World Music, obwohl schon etliche Zeit vorher ein reger musikalischer Austausch stattgefunden hatte, denken wir an die Beatles, an die Rolling Stones, die indische und arabische Klänge mit einbezogen, zuvor der Jazzsaxophonist John Coltrane bereits auch afrikanische Musik einfließen ließ. Hier in Deutschland verdanken wir dem Jazzmusiker und Physiker Joachim Ernst Berendt das Verbinden globaler Musikstile zum neugeprägten Begriff Weltmusik.

Drei großartige Beispiele wie Weltmusik wirkt

Was in die 1940iger bis hinein in die 1950iger Jahre damals entstand, muß schon eine ziemlich nachhaltig einmalige Musikepoche mitten in Kubas Havanna, im Stadtteil Buena Vista, gewesen sein im dortigen Social Club, als sich verschiedene Spitzenmusiker trafen und einen prägenden Stil kreierten. Ein halbes Jahrhundert später haben wir es besonders dem US-amerikanischen Gitarristen Ry Cooder zu verdanken, der die alten damaligen Musiker zusammentrommelte, um eine CD zu erstellen. Es folgte der 1999 entstandene Dokumentarfilm Buena Vista Social Club unter dem Drehbuch und der Regie von Wim Wenders. Belassen wir es beim musikalischen Erfolg, auch wenn im Hintergrund manch kritische Stimmen das Konzept und die Filmdurchführung zu mäkeln versuchten.

Zunächst 1980 als Band unter dem Namen „Embryo’s Dissidenten“ gegründet, erhielt sie ein Jahr später ihren bis heute bekannten Namen: Dissidenten. Die drei Musiker verstanden es während ihrer Welttourneen sehr schnell, sich auf andere Musiker einzulassen, sie mit einzubeziehen, diese hier alle aufzuzählen, den Artikel sprengen würde.  Neben den bisherig 17 erschienenen Alben sei die dokumentarische Oper „Das Gedächtnis des Wassers!“ („The Memory of Waters“), eine Kooperation der Dissidenten mit dem US-amerikanischen Komponisten Gordon Sherwood noch erwähnt, die im Jahre 2000 beim „Internationalen Donaufestival“ in Ulm uraufgeführt wurde.

Ein wunderbares Beispiel für weltumspannendes Musikverständnis hören wir in den Klängen der 2003 gegründeten Band CocoRosie, die wir den beiden US-amerikanischen Schwestern Sierra und Bianca Cassidy verdanken dürfen. Sierra spielt Harfe und Bianca Flöte, beide singen, werden aber von sehr unterschiedlichen Musikern begleitet: dem Pianisten Antony Hegarty, dem Psychedelic-Folk-Sänger Devendra Banhart, den Beat-Boxern TEZ und Spleen als auch dem Pianisten Gael Rakotondrabe. Wer diese Band hören und sehen mag, hier eine Aufführung in den Bouffes du Nord.

Zuviel Sozialromantik verklärt harte Tatsachen, oder etwa doch nicht?

Spitze Zungen mögen jetzt vielleicht einwenden, was können weltumspannende Musikereignisse schon großartig auslösen? Am Ende siege die Ernüchterung unumstößlicher Fakten, zuviel Sozialromantik verklärt harte Tatsachen. Innehalten, nachdenken, beobachten, am Ende etwa doch nicht? Haben Woodstock, Band Aid, Live Aid sowie diverse Rock-Festivals eine gemeinsame Botschaft an die Menschen, außer der musikalischen?

Natürlich haben sie das! Wer Musik liebt, schreibt und spielt, kommuniziert mit der Außenwelt, dem Publikum, teilt sich, seine Ängste und Sorgen in den Songs mit, wirkt zwischen Wohlklang und Heilung. Das ist gelebte Politik und sollte niemals mit verklärter Sozialromantik verwechselt werden. Dabei fällt auf, daß immer mehr Rockgrößen ins Alter gekommen weiterhin äußerst aktiv dabei sind, nicht nur weil sie es nicht lassen können, das Leben auf der Bühne, sondern auch, weil sie sich engagieren, nicht wegschauen ob der Mißstände auf Erden, insofern am Friedensprozeß sich beteiligen.

„Die Musik wird treffend als Sprache der Engel beschrieben.“ (Thomas Carlyle)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

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