Das große Scheitern von Revolutionen hat Methode


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Nur ein Bewußtseinswandel beendet bestehende Ungerechtigkeiten

Zeigen Sie mir Revolutionen, die wirklich im Nachhinein dafür gesorgt haben, daß ihre Ziele umgesetzt wurden, und zwar auf lange Sicht. Die meisten haben sich als Trugschluß entpuppt bis hin zum Verrat der eigenen, ursprünglichen Gedanken, wofür sie ins Leben gerufen wurden.

Ob im Geheimen initiiert und behutsam vorbereitet oder mittels schnellem Anwachsen in einer deutlich sichtbaren Massenbewegung, Revolutionen fanden stets statt, nachdem das Leid für die Betroffenen unerträglich wurde, nach Massendemonstrationen und Streiks weiterhin sich nichts änderte, eskalierte schließlich die Gewalt, folgten revolutionäre Aufstände.

Aber warum kommt es dennoch immer wieder zu solchen weltweiten Reaktionen, obwohl die historisch gemachten Erfahrungen nach den Revolutionen alles andere als befriedigend zu bezeichnen sind? Meist kehrten dieselben oder ähnliche Mißstände wieder zurück, ganz so, als ob sie nie stattgefunden hätten. Hat das etwa Methode?

Wenn Revolutionen Diktatoren stürzen

Kein Diktator kann seine Macht ausüben ohne das Hofieren bestimmter Kräfte, die ihn einfach dulden, damit sie im Hintergrund zu ihrem eigenen Vorteil agieren können. Insofern dürfen wir von einer sinnvollen Symbiose reden, wovon beide Seiten profitieren. Gleichzeitig sind es stets die Menschen im Volk selbst, die sich fügen und einen Diktator gewähren lassen, kollektives Mißtrauen und eine enorme Angst selbst als Widerständler entlarvt zu werden, entpuppen sich als hervorragende Umstände, jede Kritik und jedes Zweifeln an der Herrschaft im Keim zu ersticken.

Und dennoch entsteht bei anhaltendem Leid der Gedanke der Revolte, das sich Auflehnen trotz aller damit verbundenen Gefahren. Ein Leben ohne Menschenrechte, einer abhängigen Justiz und einer Zensur der Presse und Medien, dieses Gemisch aus Terror am Volk mit Geheimpolizei und totaler Kontrolle entspricht eben nicht dem freiheitlichen Drang des Individuums. Folglich befreien sich die Menschen ihrer Fesseln unter Anwendung von Gewalt.

Das war in Chile unter Augusto Pinochet nicht anders. Die Chilenen hatten von 1973 bis 1990 unter seiner Herrschaft gelitten, jedoch gelang durch den Druck der USA zumindest der Erlaß einer Verfassung (1980), acht Jahre später in einer Volksabstimmung die Alleinkandidatur Pinochets nicht mehr geduldet wurde, freie Wahlen folgten und der Diktator wurde nicht mehr im Amt bestätigt. Daher kam es in Chile zu keiner Revolution, obwohl das Volk allen Grund dazu gehabt hätte, nachdem Zehntausende unter seiner Herrschaft verfolgt, gefoltert, verschleppt und getötet wurden.

Keine Revolution, sondern höchstens eine andere Protestkultur

Vielleicht relativiert sich der revolutionäre Gedanken aber auch, zumal in sogenannten demokratischen Systemen sie viel eher keinen Platz haben, es fehlt das zu definierende Feindbild. Die Menschen dürfen ja frei wählen, es gibt die Pressefreiheit, auch wenn diese manchmal parteipolitisch gegängelt wird, ein Grundgesetz sorgt für die Menschenrechte, selbst wenn andere Institutionen wie die EU diese über Nacht aushebeln können. Nein, Revolutionen haben keinen Platz im europäischen Westen, nebenan im Osten mag das noch anders aussehen, denken wir nur an Weißrussland.

Selbst wenn Revolutionen sogar erfolgreich waren, so haben sich hinterher fast immer die eigentlichen Herrschaftsverhältnisse eben nicht geändert, obwohl ein anderes System folgte. Die Menschen müssen begreifen, daß nur ein Bewußtseinswandel tatsächlich bestehende Ungerechtigkeiten langfristig beenden lassen wird, eine Revolution vermag das eigentlich nicht, höchstens eine neue Form der Protestkultur, die durchaus auch friedlich verlaufen darf.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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