Chapeau, Ai Weiwei, in Sachen deutsche Gründlichkeit


Vorurteile sollte man mitnichten pflegen

Die Berliner Zeitung verfaßte einen Artikel, ein Interview, welches Susanne Lenz mit dem chinesischen Konzeptionskünstler führte, in dem sie diesen mit einem Satz von  ihm betitelte, der ziemlich sauer aufstößt: „Berlin ist die hässlichste, langweiligste Stadt, die es gibt“.

Die Hauptstadt Deutschlands mit all ihrem Flair, ihren Ecken und Kanten hat sich ganz sicher nicht hin zu einer der langweiligsten Städte entwickelt, die obendrein urplötzlich häßlich geworden sein soll. Nicht nur eine Beleidigung all derer, die Berlin lieben, sondern obendrein zeugt diese Behauptung von wenig Fairneß. Nach nur knapp vier Jahren meint Ai Weiwei, sich dazu hinreißen lassen zu müssen?

Deutschland toleriert in der Tat Faschisten

Man kann seinem Statement zustimmen, daß es nur um die Wirtschaft in Deutschland geht, obendrein Trump wenigstens ehrlich ist mit dessen America First. Genauso wie zur gut beobachteten Feststellung, die Liberalen täten so, als seien sie liberal, sie hätten tief drinnen die Nazi-Kultur verinnerlicht. Das hat sich doch in Thüringen bestätigt.

Natürlich sind viele Rechte dumm und Linke in der Regel eben nicht. Aber Linke gefährlicher? Dem muß ich widersprechen, Herr Weiwei. Einfach mal die vielen Mordopfer rechtsradikaler Verbrechen verinnerlichen und mit Straftaten von Linken vergleichen. Na, klingelt’s? Mein Chapeau an ihn in Sachen deutscher Gründlichkeit bröckelt, auch wenn man durchaus nachvollziehen kann, was er im Interview meint. Aber jedes korrupte System birgt Gefahren, bis hin zu faschistischen Strukturen, die man auch woanders beobachten kann, in Italien oder leider hochaktuell in weiten Teilen Südamerikas.

Deutsch-chinesische Interessen widersprechen sich dennoch

Um sich zugleich zu einigen, was den wirtschaftlichen Nutzen anbelangt, den Ai Weiwei völlig zu Recht anprangert. Während im Reich der Mitte Umweltschutz und Menschenrechte sichtbar mit Füßen getreten werden, scheint hier ein anderes Bewußtsein zu herrschen. Das Wörtchen „scheint“ weist auf anhaltende Mißstände hin, die er natürlich berechtigt beanstandet.

„Wenn China sich erkältet, niesen alle.“ Logisch, weil, wie er selbst bestätigt, China für die halbe Welt produziert. Kapitalismus sei brutal, zerstöre die Natur und unsere Moral. Hand aufs Herz: Nichts Neues. Brauchen wir einen Ai Weiwei, der uns belehrt? Nein. Aber es tut gut, wenn man die Perspektive wechselt, ob mit oder ohne Vorurteile. Vielleicht grübelt der ein oder andere. Liest dessen deutliche Rügen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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