Verhöhnung am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus


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Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0 de

Merz und Amthor ebnen der AfD den Weg

Zugegeben, die zweite Überschrift mag überzogen wirken. Doch was steckt tatsächlich hinter jenem Fauxpas, den sich der Schatzmeister der Jungen Union, Philipp Amthor, und Friedrich Merz per Twitter-Tweets geleistet hatten? An ein Versehen ausgerechnet am Gedenktag zur Befreiung des Todeslagers von Auschwitz vor 75 Jahren mag man wohl nicht glauben.

Daher muß man von einer gezielten Provokation sprechen, erst recht wenn Merz bei seiner Aussage bleibt. Das paßt auch ins Bild jenes „stillen“ Kanzleranwärters, der sich bisherig eher bedeckt hält, welches politische Amt er in Zukunft ausüben möchte. Spekulation nützt nur niemand etwas, genauso wenig wie eventuelle Antipathie- oder Sympathiepunkte. Bei politischen Machtverhältnissen ist das eher irrelevant, wie man unschwer in den USA oder Großbritannien beobachten kann.

Holocaust-Leugnung entbehrt jeder Wirklichkeit

Geschichtsklitterung haben sich ganz besonders Rechtsextreme auf ihre Fahnen geschrieben, da fügt sich eine Verunglimpfung der Medien gleichwohl ins Konzept wie eine von langer Hand geplante Politikverdrossenheit. Hetze und Haßparolen treiben ihr Unwesen besonders in den Social Media, genau dort treiben AfD-Schergen ihr blaubraunes Spielchen, um möglichst viele zu verunsichern.

Die Rote Armee befreite schließlich am 27. Januar 1945 die noch wenig übriggebliebenen Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz, der russische Kameramann Alexander Woronzow kommentierte die ersten Momente mit den Worten: „Das schrecklichste, was ich je sah.“

Steigbügelhalter oder naive Verharmlosung?

Ein Jurist und ein BlackRock-Mann dermaßen irritierend unterwegs? An soviel Zufälle mag niemand glauben, der noch mit ein wenig Restverstand versucht, das Ganze zu werten. Dennoch nicht leicht, weil ein entweder oder im Raume steht. Insofern wären beide in der verkehrten Partei, es sei denn, die Union möchte tatsächlich mit den Rechtsradikalen in naher Zukunft gemeinsame Sache machen.

Das widerspricht den Beteuerungen, daß man dies nicht dulden wolle. Was denn nun? Eine stoische Begründung, man möchte nüchterne Tatsachen hierzulande auch mal ansprechen dürfen, steht dem Zeitpunkt gegenüber, dem Gedenktag zur Auschwitzbefreiung. Ein NoGo, Herr Merz und Herr Amthor!

Da möchte man glattweg an kreativen Widerstand erinnern, wie dies Philipp Ruch im November 2017 praktizierte, mit dessen Berliner Holocaust-Mahnmal in Bornhagen, um jenem „Nazi-Großmaul“, Björn Höcke, eins auszuwischen. Vielleicht brauchen dies auch solche ungeschickten Politiker wie Herr Merz und Herr Amthor, um sie daran zu erinnern, was geht und was eben überhaupt nicht geht!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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3 Antworten zu Verhöhnung am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

  1. Earth-Child schreibt:

    In den 80-igern hat der damalige Innensenator von Berlin Lummer (CDU), der NPD Parteispenden von etlichen tausend DM gespendet, das war ein Riesenskandal!!! Und es gab noch andere Skandale, die die CDU und ihre Vertreter zu verantworten hatten, ungerechte Gerichtsurteile und verlogene polizeiliche Zeugen z.B. , für mich kam CDU wählen nie in Betracht und wird es auch bis zu meinem Lebensende nie werden, und das ist gut so!!!

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    • hraban57 schreibt:

      In diesem Zeitraum lebten wie ebenso in Berlin, an Heinrich Lummer kann ick mir och noch janz jut erinnern. Ein furchtbarer Politiker war, später den „Berliner Appell“ unterzeichnete, aber enge Kontakte zu Rechtsextremen pflegte – solch verlogenes Gebaren gibt es nach wie vor.

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  2. cource schreibt:

    In der deutschen Bevölkerung gibt es sehr viele u.a. traumatisierte Seelen, die unter dem Stockholm-Syndrom leiden und glauben: Wenn wieder Zucht und Ordnung in Deutschland herrschen so wie zu Hitlers Zeiten, dann profitiert die deutsche Wirtschaft, und wenn es der deutschen Wirtschaft gut geht, dann geht es auch den deutschen Familien gut – es sieht fast so aus, als wenn die Deutschen wieder eine Phase von Zucht und Ordnung erleiden müssen, um zu erkennen, wie „bescheuert“ sie sind.

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