Alleen – baumbestandene Straßen brauchen unseren Schutz


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Bundesweite Erfassung durch Annemarie Wilitzki

Sie fahren hilflos der Hitze ausgesetzt, womöglich schon über einen längeren Zeitraum, die ansonsten freudig willkommene Sonne brennt erbarmungslos durch die Glasscheiben im Wageninnern, die Sehnsucht nach Schatten wächst mit jedem Kilometer. Plötzlich durchfahren Sie eine Schattenoase, eine Allee.

Rechts und links wird die Straße von älteren und mächtigen Bäumen besäumt, die eine angenehme Linderung verschaffen. Diese baumbestandenen Wege brauchen allerdings unseren Schutz, da der Ruf lauter wird, Alleen zu beseitigen, dem Hauptargument, sie wären ein zu hohes Risiko bei Verkehrsunfällen, wird zunehmend Folge geleistet.

Ihre Vorteile unterstreichen die wenigen Nachteile

Der Name entstammt dem Französischen aller für „gehen“, woraus dann schließlich während des Dreißigjährigen Krieges die allée entstand, womit ein schattiger Gehweg innerhalb eines architektonisch angelegten Gartens bezeichnet wurde. Vor der Renaissance hatte man aber viel eher den Nutzen der unregelmäßig bepflanzten Bäume am Rand der Wege berücksichtigt. Und wenn wir uns die Vorteile von Alleen betrachten, darf man ruhig ihren Sinn und Zweck unterstreichen. Wie schon beschrieben, bieten sie Schutz vor der Sonne, im Winter vor Schneeverwehungen, aber auch Stürme halten sie auf, verhindern Erosion und die Verschlammung der Wege. Nicht zu verkennen, daß auch der Vogelwelt ein wichtiger Dienst erwiesen wird sowie selbst der Schallschutz, die Filterung des Feinstaubes, Reinigung des Grundwassers wichtige Funktionen übernehmen.

Die Gegner von Alleen führen gern eine erhöhte Unfallgefahr in die Diskussion ein. So startete der ADAC bereits in den 1960iger Jahren eine Kampagne gegen Alleen, zu häufig sollen Autos an deren Bäumen in tödlichen Unfällen Menschenleben fordern, diese hätten Vorrang vor Naturschutz und Ästhetik. Dabei übersah der Motorclub offensichtlich das Fehlverhalten mancher Verkehrsteilnehmer, die eben mit nicht angepaßter Geschwindigkeit auf Alleen unterwegs waren. Im übrigen gilt das auch für den angeblichen Nachteil durch das Herbstlaub. Bei dieser Argumentation müßte man schließlich sämtliche Bäume, die in den Straßen selbst oder in der Nähe sich befinden, einfach abholzen, um somit eine angebliche Verkehrssicherheit zu schaffen. Natur soll weichen, damit Mensch weiterhin rücksichtslos dem Geschwindigkeitsrauch sich hingeben darf?

Doch der Widerstand wächst erfreulicherweise

Der ADAC hat seit der Wende längst eingesehen, daß seine Kampagne haltlos war und gehört somit zu denjenigen, die sich für den Erhalt insbesondere der wunderschönen, alten Alleen im Osten Deutschlands einsetzt, aber auch für die Verlängerung der Deutschen Alleenstraße. Seit dem Jahr 2008 gibt es am 20. Oktober den „Tag der Allee“, und die „Allee des Jahres“ wird gekürt.

Während noch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 1841 einen Alleen-Erlaß anordnete, „es sei aufs Strengste darauf zu achten, daß Lichten und Aushauen prachtvoller Alleen, wie solches seine Majestät hier und da bemerkt habe, künftig durchaus unterbleiben solle“, wurden leider in  der BRD zwischen 1949 und 1990 ganze 50.000 Alleenkilometer einfach gefällt. Heute gibt es noch ca. 23.000 km Alleen deutschlandweit, Rund die Hälfte des deutschen Alleenbestandes befindet sich in Brandenburg, 4374 km in Mecklenburg-Vorpommern und 2.650 km in Nordrhein-Westfalen. Die restlichen verteilen sich in den anderen Bundesländern. Lediglich in den drei aufgezählten Bundesländern und in Schleswig-Holstein werden Alleen gesetzlich geschützt.

Was muß getan werden, um unsere Alleen weiterhin zu schützen, bevor immer mehr zum Opfer der Motorsäge, einer uneinsichtigen Verkehrspolitik werden? Wie auch Robin Wood fordert, muß es einen bundesweiten Schutz aller Alleen geben, sie müssen durch Neu- und Nachpflanzungen und mit fachgerechter Pflege erhalten werden, wenigstens für jeden gefällten Baum sollte einer gepflanzt werden, Einführung eines Tempolimits von 70km/h auf sämtlichen alleenbefahrenen Straßen, unbedingter Verzicht auf Streusalz und wie das uns Mecklenburg-Vorpommern bereits vormacht, eine Einrichtung von Alleenfonds.

Hoffnung macht auch Annemarie Wilitzki, die bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) arbeitet und beim Forschungsprojekt „Alleen als schützenswerte Landschaftselemente – Bundesweite Erfassung und Sicherung von Alleen“ mitwirkt, wie sie im Interview hier beschreibt.

„Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.“(Charles Dickens)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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