Rettungskette zum Mittelmeer – ein Interview mit Rahel S.


© Rahel S.

Zeichen für Menschlichkeit vollkommen selbstverständlich

Die Welt könnte durchaus wesentlich friedlicher sein ohne Krieg und Elend. Jene Mißstände sollten generell vermieden werden, wobei Mensch selbst dies jeden Tag aufs Neue in der Hand hat, entsprechend zu handeln, die Initiative zu ergreifen.

Das haben sich gleichwohl etliche zu Herzen genommen, die eben nicht tatenlos zuschauen wollten, was da vor Ort im Mittelmeer seit Jahren geschieht. Die Gruppe „Rettungskette zum Mittelmeer“ wurde gegründet, präsentiert sich im Facebook. Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich gefunden, um ein Zeichen für Menschlichkeit und gegen das Sterben im Mittelmeer setzen zu wollen, wie man in der Beschreibung zur Gruppe lesen kann.

Makadomo nahm sehr interessiert Kontakt mit einer Mitinitiatorin auf, nämlich Rahel S., um sie für dieses Interview zu gewinnen.

Lotar Martin Kamm: Zunächst möchte ich mich im Namen des gesamten Teams bedanken, daß der Kontakt so schnell zustande kam. Magst du uns erzählen, wer die Idee zur Gruppe hatte, wie das Ganze entstand?

Rahel S.: Lieber Lotar, zunächst einmal möchte ich Dir und Deinen Kollegen danken, dass ich diese Gelegenheit bekomme, unser Projekt vorzustellen.

Entstanden ist diese Idee Ende 2018, Anfang 2019 in einer Seebrücken-Gruppe auf Facebook, in der eine rege Diskussion zur aktuellen Situation in der Seenotrettung und auch den aktuellen politischen Entwicklungen im EU-Ausland entstanden ist. Ich hatte tatsächlich in einer Nacht vor dieser Diskussion einen Traum, wie Europa sich die Hand reicht, um das Massensterben im Mittelmeer zu beenden. Eine junge Frau brachte dann auf der Seebrücken-Seite die Idee auf, eine Menschenkette durch Deutschland bis nach Italien zu bilden, um auf das Massensterben aufmerksam zu machen. Da konnte ich dann nicht anders als mitzudiskutieren. Es gab viele, die von dieser Idee sehr angetan waren. Kurz darauf entstand dann unsere Facebook-Gruppe, die sich „Rettungskette zum Mittelmeer“ nennt und binnen weniger Tage mehr als 1000 Mitglieder hatte. Da war uns klar, dass diese Idee Potential haben könnte, und wir beschlossen, alles daran zu setzten, sie umzusetzen. Inzwischen sind wir ein eingetragener Verein und haben somit die nötige rechtliche Struktur. Es haben sich inzwischen auch schon viele Organisationen dem Vorhaben angeschlossen und sich auf unserer Datenbank eingetragen. Wir gehen davon aus, dass es zwar nicht möglich sein wird, eine geschlossene Kette zu bilden, aber wir dennoch mit vielen kleinen Teilketten ein Zeichen setzen können.

Lotar Martin Kamm: Was für eine logistische Herausforderung, so viele Menschen zu vereinen und zu organisieren. Wie fruchtet die Zusammenarbeit? Schließlich dürfte der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle spielen, weil ihr euch ein bestimmtes Ziel gesetzt habt?

Rahel S.: Ja, es ist natürlich eine Herausforderung, wir haben aber einige Mitstreiter, die sich mit der Organisation von großen Kundgebungen auskennen. Wir organisieren uns intern über Treffen in Jugendherbergen und regelmäßigen Telefonkonferenzen und haben die Zuständigkeiten untereinander aufgeteilt. Wir haben aber im Laufe dieser Arbeit gemerkt, dass es ein gesellschaftlich sehr breit aufgestelltes Bündnis für eine Seenotrettung im Mittelmeer gibt. Wir haben Zusagen von Kirchenverbänden, karitativen Einrichtungen, Flüchtlingsorganisationen, Seenotrettern, Parteien, lokalen und bundesweit bekannten Künstlern, Fußballvereinen und einigen Oma-Gruppen.

Lotar Martin Kamm: Aufgrund der neuen Bedrohung im Nahen und Mittleren Osten, einerseits durch den Einmarsch türkischer Truppen in Libyen und andererseits durch den sich zuspitzenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran muß man mit wesentlich mehr Flüchtlingen gen Europa rechnen. Thematisiert ihr das in eurer Gruppe?

Rahel S.: Angesichts der politischen Situation im Nahen Osten muss man selbstverständlich mit weiteren Flüchtlingsströmen rechnen. Wir thematisieren dies natürlich innerhalb der Admin-Gruppe, haben aber auch keine Lösung dafür. Wir möchten bei dieser Gelegenheit nochmal darauf hinweisen, dass Humanität ein europäischer Grundwert ist, an dem wir festhalten und zu dem wir uns bekennen.

Somit kann es für uns auf keinen Fall die Lösung sein, Menschen ertrinken zu lassen oder in menschenunwürdigen Lagern festzuhalten. Es müssen europäische und humane Lösungen gefunden werden. Ein klares Ja also zu Humanität, Menschenrechten und -würde.

Lotar Martin Kamm: Am 16. Mai soll es soweit sein, wie man auch auf eurer Homepage selbst lesen kann. Sollte ich irgendwelche entscheidende Punkte vernachläßigt oder übersehen haben, möchte ich hiermit dir die Gelegenheit zur Ergänzung geben.

Rahel S.: Hierzu von mir nur drei Worte 🙂 Tragt euch ein!

Egal, ob ihr eine Organisation an oder außerhalb der Route seid, bitte unterstützt uns und helft uns, indem ihr Streckenverantwortung übernehmt. Vielen Dank für Eure Hilfe.

Lotar Martin Kamm: Ich drücke euch ganz fest die Daumen, auf das die Rettungskette, Hand in Hand zum Mittelmeer, ein Erfolg wird, viele Menschen zum Nachdenken anregt, ganz besonders die Politik selbst ihr Handeln überarbeitet.

Rahel S.: Danke Dir und für Deine Unterstützung.

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2 Antworten zu Rettungskette zum Mittelmeer – ein Interview mit Rahel S.

  1. Wenn die Politik versagt, sind die Bürger in der Pflicht.

    Gefällt 2 Personen

  2. Hat dies auf Babsi's Aufschrei Herz_statt_Hass rebloggt und kommentierte:

    Wenn die Politik versagt, sind die Bürger in der Pflicht.

    Gefällt 2 Personen

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