Kein Rassismus im Land der unbegrenzten Möglichkeiten


Der Club der singenden Metzger – eine Rezeption

Vom Schwabeländle sowie von Hamburg ins unbekannte große Amerika, zwei junge Menschen verschlägt es als Auswanderer in die USA zu Beginn der 1920er Jahre. Zum einen den von den Schützengräben des Ersten Weltkrieges entronnenen Soldaten und Metzgermeister Fidelis Waldvogel und zum anderen die Zirkusartistin Delphine mit ihrem alkoholkranken Vater, dem Zirkusclown Robert.

Der weitere Verlauf des knapp dreistündigen Fernsehfilms, dessen Drehbuch auf dem Roman The Master Butchers Singing Club von Louise Erdrich basiert, spielt sich im kleinen Ort Argus, in North Dakota ab. Auf dem Sterbebett verspricht Fidelis seinem Freund im Schützengraben, sich um dessen schwangere Verlobte Eva zu kümmern. Ihr sagt er vor der Überfahrt nach Amerika, sie rasch nachzuholen, wobei er zunächst beim polnischen Metzger Kozka Arbeit findet, allerdings Fidelis geräucherte Würste nach einem geheimen Familienrezept ihm dauerhaft die Möglichkeit geben, sich von diesem zu trennen, um selber eine Metzgerei zu gründen. Daraufhin reisen Eva, ihr längst geborener Sohn und seine Tante Lore zu ihm.

Delphine hingegen hat zunächst keine Chance, im Zirkus zu landen, lernt aber den Lakota-Akrobaten Cyprian kennen, der sich bald als homosexuell herausstellt, und sie als dessen kleine Schwester betrachtet. Dennoch leben Vater Robert und Eva in dessen Haus, Cyprian und Delphine begeben sich auf Zirkus-Tournee, während Robert das Haus hütet. Dort entdeckt er ein Whiskey-Depot im Keller, welches Cyprian angelegt hatte und trinkt dieses zügig leer, per Saufgelage mit Gleichgesinnten. Dabei schließt er im Suff aus Versehen eine Frau und einen Mann im Kellerverschlag ein, halluziniert im Rausch und verwechselt deren Hilferufe als Dämonen, flieht aus dem Haus. Bei der Rückkehr der beiden Artisten entdecken diese die längst verwesten Leichen. Nur mit Mühe und somit ihren gesamten Einnahmen können sie den verhafteten Robert freikaufen.

Eva erkrankt schwer, nur Morphium kann sie eine kurze Zeit am Leben noch halten, so daß sie schließlich im jungen Alter von 24 Jahren verstirbt. Fidelis steht ohne Frau und mit inzwischen zwei Söhnen vor einem Scherbenhaufen, dessen unversöhnliche, extrem gläubige Tante Lore mißtraute bereits schon während des Siechtums der Ärzteschaft, der längst bei ihm angestellten Delphine, die sich rührend um die schwerkranke Eva gekümmert hatte, erst recht. Es kommt zum Bruch, wobei Fidelis seine Tante kurzerhand zurück ins Schwabeländle schickt.

Den weiteren Verlauf des gekonnt in Szene gesetzten Fernsehfilm belassen wir mal lieber den interessierten Zuschauern. Am 06. Juli hatte er Premiere auf dem Filmfest München, am 27. Dezember konnte man ihn in der ARD verfolgen. Was zeichnet diesen Film besonders aus?

Die Ausstattung geizt nicht nicht mit detailgetreuer Bemühung damaliger Umstände und Widrigkeiten. Regisseur Uli Edel setzt Doris Dörries und Ruth Stadlers Drehbuch gekonnt um, wobei Aylin Tezel als Delphine und Jonas Ney in der Rolle des Metzgermeisters Fidelis ganz besonders brillieren, ihre Hauptrollen glaubwürdig rüberkommen. Die Idee des „Clubs der singenden Metzger“ gibt dem Fernsehfilm eine besondere Note, erinnert ein Stückweit an die Comedian Harmonists, die ja bekanntlich nur ein paar Jahre später reell in Deutschland wirkten.

Obwohl Delphines Vater sich mit der Mutter von Cyprian einläßt, scheint die Gemeinde keinerlei rassistische Ambitionen an den Tag zu legen hoch oben im Norden der USA, in der Nähe zu Kanada. Auch nehmen die Bürger den Tod des Sheriffs gelassen hin, immerhin hatte dieser versucht, die Bestatterin zu vergewaltigen, die sich allerdings mit dessen Colt zu wehren weiß und ihn kurzerhand erschießt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Film

Dieser Beitrag wurde unter Film abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.