Endzeitstimmung im Wechselbad chaotischer Gefühle


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Reizvolle Gedanken schossen ihnen durch den Kopf, während da draußen in den Weiten einer zunehmend sich selbst zerstörenden Mutter Erde kein Blick mehr vorhanden für die schönen, kleinen Dinge, die das Leben auf eine viel effektivere Weise bereichern als irgendwelche großartigen Ablenkungshappenings.

Befanden sie sich auf bestem Wege in einer unwiderruflichen Apokalypse, in der jedwede Existenz sich dem Urgedanken grenzenloser Bereicherung unterzuordnen, sich zu fügen hat? Der Anschein aufrechten Mutes hatte längst seinen idealistischen Optimismus verloren, obwohl noch gestern Hoffnungsgedanken umherschwirrten, weil zu viele Indizien dem menschlichen Verstand glasklar die bevorstehende Realität aufzeigten.

Wer mochte schon freiwillig sehenden Auges dem bevorstehenden Tod Einlaß gewähren, wenn ein Restgedanken sie beflügelte, bis zum allerletzten Atemzug alles menschenerdenkliche zu versuchen, der Katastrophe zu entgehen? Insofern nicht weiter verwunderlich, daß da plötzlich ein ungeahnt heftiger Aktionismus erfolgte, ein emsiges Treiben notwendiger Schritte.

Aber halt, irgend etwas ließ manche verharren, sie zögernd um sich schauten. War da etwa soeben ein nicht einzuordnendes Geräusch, ein merkwürdig leises Surren? Irgendwo dort oberhalb der grauen Wolkenpakete? Einige sammelten sich an einem Platz, starrten in den Regenhimmel und lauschten intensiv. Ein extrem helles Licht durchbrach das düstere Wolkenmeer, erhellte alles in ein grellgelbliches Weiß, wobei leicht entzündliche Materialien sofort Feuer fingen.

Im nächsten Moment füllte ohrenbetäubender Lärm die gespenstische Kulisse, weil mehrere Militärmaschinen auf das Licht zuflogen, meinten, sie müßten einen angeblichen Feind bekämpfen. „Typisch für unsere Spezies“, kommentierten die Umherstehenden, duckten sich allerdings vorsichtshalber, suchten zügig Schutz unter einer Brücke, die sich ganz in der Nähe befand.

So schnell wie das extrem grelle Licht auftauchte, verschwand es schlagartig, bevor das Militär ernsthaft handeln konnte. Eine Zeitlang umkreisten die Kampfjets noch die Gegend, drehten aber schließlich endlich ab. Und die aufgebracht, verunsicherten Menschen?  Eine lautstarke Diskussion entstand mit vielen Fragen und einigen Hypothesen. In einem Punkt waren sich fast alle einig: Sie waren Zeuge einer Begegnung aus dem All. Ein Hoffnungsschimmer zauberte auf manches Gesicht ein Lächeln, was nach Wochen der vielen Ängste bei den meisten für eine wohltuende Stimmung sorgte.

Unabhängig davon, daß gewisse Zeitgenossen ein wenig überlegen abwinkten, es könne ja keine Spezies im Kosmos sein und falls doch, sie würde dann einen großen Bogen um den Blauen Planeten fliegen, sollten jene ein bißchen von ihrem allzu hohen Roß herabsteigen und ein wenig länger nachdenken. Der Schöpfung dient ein unendliches All als Spielwiese ungeahnter Möglichkeiten, da wird und kann sie sich keinesfalls nur auf die Unvollkommenheit menschlicher Schwächen beschränken. Das wäre langweilig, destruktiv und ein Zeichen der eigenen Beschränktheit, wobei ohnehin genug Indizien auf Erden vorhanden, die eindeutige Spuren anderer Existenzen aufweisen. Man muß sie nur zu deuten wissen und auch wollen.

Im Zustand einer ungewissen Zukunft besinnt sich Mensch vielleicht seiner ureigenen Wurzeln, blickt fragend gen Himmel, von wo sämtliches Sein seinen Weg bis hin auf Erden sandte, in der Gewißheit, daß im Fluß des Lebens selbst der Homo sapiens mittels gemachter Erfahrung das Wesen der Schöpfung erkennt und das Beste draus macht. Und wenn er dennoch unfähig alles zerstört, so hat selbst das seinen tieferen Sinn.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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