Sommertage am See


Meine Freundin hätte sie werden können,
wenigstens für die Wochenenden,
an jedem Ferientag zusammen spielen,
Langeweile für uns ein Fremdwort,
redeten, so wie man zu sich selber spricht,
die kommt aus einer Großfamilie,
unsere Beine baumelten nicht nur im See,
zu Entdeckerinnen waren wir geboren,
liebten Planschen, obwohl wir schon acht,
ihre Eltern sind einfache Leute,
fütterten Schwäne, Enten und Möwen,
waren verbunden wie zwei Hälften,
bis zu jenem Sommertag,
wir dürfen uns nicht mehr sehen,
der soziale Stand hat uns zersägt,
Ehrenmänner dafür gesorgt, Ordnung besteht,
neben dem Mercedes standen sie,
zerfetzte Innigkeit,
ins Auto stieg sie, geknickt,
ich schlich zum Brunnen, gebückt,
Fabrikantentochter,
Arbeiterkind,
Segelyachtbesitzer, Dorfhonoratioren,
wir waren Kinder, die Freundschaft pflegten,
eure Freundschaft war und bleibt verlogen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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