Die Würde des Menschen wird doch angetastet


© Doris Mock-Kamm

Beim Habitus hört’s auf

Die Zeichen stehen auf Unversöhnlichkeit, Gesellschaft ist alles andere als bereit, dem Nächsten zu helfen, ihn zu beschützen in nahezu allen Situationen bis hin zur Not. Gewagte Behauptung? Natürlich, zumal es nicht die gesamte Bevölkerung betrifft. Dennoch scheinen etliche Menschen einfach wegzuschauen, zu ignorieren, wo sofortige Hilfe greifen müßte. Woran liegen solche Mißstände, die zweifellos vorhanden?

Schock in Aldi-Fiale: Frau bricht vor Kasse zusammen – Kunden sorgen für Entsetzen. Man darf nicht nur, man sollte verwundert die Augen reiben, was Jennifer Lanzinger für Merkur in ihrem Artikel beschreibt. Einerseits beherzte Hilfe seitens eines zufällig anwesenden Feuerwehrmannes und des Aldi-Personals, andererseits völlig derbe, menschenverachtende Rempelei seitens einiger Kunden, die den Ernst der Lage nicht nur verkennen, sondern darüber hinaus auch noch die Helfer beleidigen!

Ducken oder Mucken – unterlassene Hilfeleistung

Das Video unter dem Artikel von Pro7 offenbart eine unglaublich desinteressierte Haltung mancher Zeitgenossen, die tatsächlich einfach weitergehen, als sei nichts geschehen. Der Mann im Film-Test bricht zusammen, kaum bis keine Reaktion, geschweige denn Hilfsbereitschaft.

Dabei spielt ganz besonders die Kleidung eine Rolle. Kleider machen etwa doch Leute? „Dem Penner oder Obdachlosen“ wird widerwillig geholfen oder auch gar nicht im Filmexperiment. Dem gleichen Schauspieler, gut rasiert mit Anzug und Krawatte, erfolgt zugleich sorgenvolles Interesse.

Ein Widerspruch im GG Artikel 1

Abgeleitet vom Adjektiv „wert“, mittelhochdeutsch wert, althochdeutsch werd, ursprüngliche Bedeutung, gegen etwas gewendet. Später in die Bedeutung übergegangen, einen Gegenwert habend.

Anders ausgedrückt, wer keinen Gegenstand hat (Besitz), ist nicht nur deshalb würdelos, sondern dem Mensch (Wesen) wird auch abgesprochen, sich gegen etwas wenden zu können. (Schätzungsweise ist „gegen etwas gewendet“ ein Hinweis auf die Möglichkeit des sich „Freikaufens“)

Direkter formuliert: Haste nix, biste nix.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Meine Würde ist antastbar, denn würde dem nicht so sein, würde ich auch Würde besitzen, ohne Gegenstand.

Da aber weder der Verstand würdig genug ist, noch einfach die Tatsache ein Wesen (wesen, sich aufhalten, verweilen) zu sein, ist es da wirklich verwunderlich, wenn Besitz achtens- und schützenswerter ist?

Dies ist die Formulierung, die für alle zukünftige Zeit gelten sollte, denn nicht die Würde gilt es zu achten und zu schützen, sondern Wesen und Natur:

Jedes Wesen und die Natur sind unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Doris Mock-Kamm)

Verrohung der Gesellschaft doch vorprogrammiert?

Man sollte stets vorsichtig sein mit gewissen Urteilen, selbst wenn gerade der unübersehbare Rechtsextremismus bis hinein in den Deutschen Bundestag alles andere als guttut, nahezu anstachelt, Haß und Vorurteile auszuleben. Es verbleibt dennoch die Zivilcourage des Einzelnen, obwohl gerade eine gewisse Gruppendynamik im Negativen für Bedenken sorgen muß angesichts einer Gesellschaft, wo jeder sich selbst der Nächste ist.

In Zeiten einer Bereitschaft zu mehr Rüstung, siehe Nahostkonflikt und das Treiben eines Herrn Trump im Kontext zu Europa und Nato, schwingt eine Verrohung der Gesellschaft mit, die sich auch beim täglichen Miteinander widerspiegelt. Sorgen wir alle dafür, daß dies nicht unseren Alltag beherrscht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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2 Antworten zu Die Würde des Menschen wird doch angetastet

  1. Danke, gut auf den Punkt gebracht.

    Gefällt 1 Person

  2. Hat dies auf Babsi's Aufschrei Herz_statt_Hass rebloggt und kommentierte:

    Sehr gut auf den Punkt gebracht.

    Gefällt 1 Person

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