Weihnachten zwischen Business und Einsamkeit


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Heuchelei im Konsumrausch nimmersatten Reichtums

Weihnachten klopft mal wieder an die Tür, das Fest der Liebe, die Heilige Nacht. Sowohl das von indogermanischer Wortwurzel ableitende ueik als „aus- und absondern, weihen“ und das Germanische wīha für „heilig“ liefern die Übersetzung zur Wortentstehung Weihnachten  (Heilige Nacht) im Laufe des 12.Jahrhunderts.

Entgegen weiterverbreiteter Behauptung, das Weihnachtsfest hätten die Christen einfach mal vom germanisch-skandinavischen Julfest abgekupfert, kann dies bisher historisch nicht belegt werden, zumal sowohl der genaue Inhalt dieser Festlichkeiten als auch der genaue Zeitpunkt umstritten und daher unbekannt ist. Insofern erübrigt es sich, darüber eine diffuse Debatte loszutreten, sondern überlassen wir es dem Christentum, ihr Weihnachtsfest alljährlich zu begehen.

Vom Wandel der Fest der Liebe

Während früher der gemeinsame Gang zur Weihnachtsmesse weitverbreitet stattfand, auf diese Weise auch ein nachbarschaftliches Zusammenrücken in der Gemeinde Austausch und Nähe untereinander begünstigte, sowie das anschließende Musizieren und Singen vor dem Weihnachtsbaum, hat sich diese Tradition dann doch verändert. Familiengemeinschaftssinn ist geblieben, doch Festlichkeiten im privaten Umfeld haben dabei einen höheren Stellenwert erhalten, denken wir auch an die stetig wachsenden Weihnachtsmärkte, bei denen zunehmend das gesellige Trinken im Vordergrund steht, anstatt andächtige Bescheidenheit.

Aus der weltweiten Feier zur Geburt Jesus Christus am 25. Dezember wurde ein reges, geschäftliches Treiben. Vergessen wir nicht, daß in den Monaten November und Dezember der höchste Umsatz des Jahres im Handel zu verzeichnen ist. Klar doch, das Basteln und Backen findet immer noch statt in den Familien, das sich gegenseitige Beschenken allerdings hat an Umfang und Größe zugenommen in einer Konsumwelt des ewigen Runs auf viel Augenmerk zu symbolträchtigen Lebensweisen. Unterschätzt werden sollte dabei nicht der enorme Einfluß einer gigantischen Werbeindustrie, die alles unternimmt, um sämtliche Klischees eines Weihnachtsfestes zu bedienen. Wo kann da noch Platz sein für Besinnlichkeit, dem Ursprung, dem Fest der Liebe im lärmenden Rausch einer emsigen Gesellschaft?

Weihnachtsdepression und als Folge Selbstmord?

Um gleich mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Die Selbstmordrate ist zur Weihnachtszeit keineswegs hoch, sondern eher niedrig, dafür haben wir viel eher im Frühjahr und Sommer die meisten Suizide zu beklagen. Somit müssen wir uns vom Mythos der dunklen Zeit in den Monaten November und Dezember und der daraus resultierenden Selbstmordzunahme verabschieden.

Allerdings nehmen die Depressionen selbst alljährlich in den Weihnachtstagen erheblich zu. Kein Wunder, in einer Gesellschaft, wo Familiensinn rückläufig sich gestaltet. In einem Gespräch mit news.de begründet Thomas Bronisch vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München die erhöhte Suizidrate in den Frühlings- und Sommermonaten. Es falle biologisch in den sonnigen und warmen Monaten der Serotoninspiegel ab. Da Serotonin aber impulsives und aggressives bzw. autoaggressives Verhalten dämpfe, spiele das oft bei suizidalen Handlungen eine bedeutende Rolle, erläuterte Bronisch. Werden die Erwartungen während der dunklen Jahreszeit nicht erfüllt bei aufkommender Stimmung im Frühjahr, bricht bei solch gefährdeten Menschen eine Welt zusammen, dem Leidensdruck kann vor lauter Enttäuschung nicht mehr standgehalten werden.

Auch die alljährlichen Gründe, die zur Weihnachtsdepression führen, sollten nicht unterschätzt werden. Während die ältere Generation noch mit den vielen Besuchen klarkommt, scheint es die Jüngeren viel eher zwanghaft verpflichtend zu belasten. Eine zu hohe Erwartung an Harmonie ein Stolperstein beim Fest der Liebe? Auf alle Fälle spielt dies eine entscheidende Rolle, wenn im hektischen Alltagstreiben der Vorweihnachtszeitvorbereitungen eben nicht alles so glatt läuft, wie die Planung es vorsieht. Der eher zunehmende Alkoholkonsum darf hierbei nicht unterschätzt werden, dessen Folgen allgemein bekannt sein sollten, ein moralischer Zeigefinger daher hier ausbleibt.

Zu viel plötzliche Nähe zur Weihnachtszeit während das ganze Jahr lang viel eher Entfremdung gelebt wird? Diese Entwicklung kann durchaus den Rückzug begünstigen. Die Menschen werden tatsächlich einsamer trotz des vielen gesellschaftlichen Trubels. Vielleicht auch gerade deshalb, weil kaum noch Raum für die eigentliche Besinnung übriggeblieben ist?

Bedenken Sie, daß weniger manchmal mehr sein kann, wir behutsamer mit uns umgehen sollten, statt einer überzogenen Geschäftigkeit nachzueifern, die mit dem ursprünglichen Sinn des Weihnachtsfestes nichts gemein hat.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Weihnachten zwischen Business und Einsamkeit

  1. cource schreibt:

    Der Mangel an sonnenbedingten Vitamin D/Glückshormon Serotonin wird durch fettes/süßes Essen und sozialen Kontakten/Kuschelhormon Oxytocin ersetzt – diese Verarsche ist nur in den langen ungemütlichen Dezembernächten möglich, im August bei 30° im Schatten würde keiner auf die Idee kommen, Weihnachten zu feiern.

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