Besinnliche Weihnachten im Widerspruch


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Zwischen Wohlstandsmüll und bewußt platzierter Armut

Der Einkaufsstreß treibt bereits seit einigen Wochen sein merkwürdiges Wesen, ob in überheizten Geschäften, in lärmenden Kaufhäusern, auf glühweinduftenden Weihnachtsmärkten oder im gleißenden Hell der Lichterketten von Einkaufsstraßen- und plätzen, die Menschen hetzen von einem Ort zum anderen, um sich und ihren Nächsten besinnliche Weihnachten bescheren zu können. Wo bleibt zwischen Wohlstandsmüll und blindem Agieren die Erkenntnis bewußt platzierter Armut? Sie wird verdrängt im Flair der nonstop stattfindenden Ablenkung!

Unwort des Jahres 1997 aktueller denn je?

Lange bevor ein Klima der Repressionen sich hierzulande unverblümt ausbreiten durfte, vor allem durch das Zutun der Politik selbst, leistete sich 1996 in einem Interview der Verwaltungsratspräsident des Schweizer Konzerns Nestlé, Helmut Maucher, einen Fauxpas, in dem er allen Ernstes sagte: „Wir haben einen gewissen Prozentsatz an Wohlstandsmüll in unserer Gesellschaft. Leute, die entweder keinen Antrieb haben, halb krank oder müde sind, die das System einfach ausnutzen.“ Der Mensch als Wohlstandsmüll?

Zwar versuchte er noch am 26. Oktober 1997 in der n-tv-Sendung „Späth am Abend“ sich hinauszuwinden, diese Interviewäußerung sei in einer angespannten Atmosphäre entstanden, er habe lediglich „plastisch“ formulieren wollen, dennoch führte „Wohlstandsmüll“ zum Unwort des Jahres 1997. Und das ausgerechnet aus dem Haus dieses Konzerns, wenn wir bedenken, was im selben Jahr in der 40. Spiegelausgabe uns als Überschrift entgegenblickte: „Die Armen ärmer, die Reichen reicher und warum Arbeit in Deutschland immer weniger einbringt“.

Denn eigentlich muß man doch den ständig real stattfindenden Wohlstandsmüll ursächlich einer nimmersatten Elite anlasten, die dafür Sorge trägt, daß ein enormes Ausmaß an Überproduktion vorherrscht, genau die Konsumgesellschaft erschaffen wurde, die schon Karl Marx und andere vorhersahen und somit entscheidend die daraus resultierende Wegwerfgesellschaft fördert. Können wir es uns alle so einfach machen, die Umstände ergründen und einen ursächlichen Schuldigen entlarvend an den Pranger stellen?

Wer stoppt diesen Wahnsinn unvorstellbaren Ausmaßes?

Ein jeder weiß es längst, daß unsere Ressourcen nicht grenzenlos vorhanden, Mutter Erde nicht ewiglich den Raubbau hinnehmen kann und wird, dennoch wird fleißig weiter ignoriert und produziert, was das Zeug hält. Das kann nicht gutgehen, muß in eine unüberschaubare Katastrophe münden. Die Verlierer dieser Entwicklung sind mehrere Milliarden Menschen, die nicht gefragt werden, was innerhalb unserer ethisch-moralischen Gesetzmäßigkeit zumindest auf dem Papier zwar fest- und hochgehalten wird, aber real tagtäglich nicht Anwendung findet.

Ganz im Gegenteil, die Heuchelei könnte kaum unerträglicher sein, zumal auch im reichen Westen, in den Industrienationen und Schwellenländern trotz viel Reichtum, einer vergleichsweise kleinen Klientel, parallel Armut stetig zunimmt. Die Frage, die sich hier stellt: Wer stoppt diesen Wahnsinn? Etwa wie schon so oft in der Menschheitsgeschichte ganz bestimmte Führer und Agitatoren, die es richten sollen?

Das Fest zur Christi Geburt alles andere als besinnlich

Was dürfen wir als übriggeblieben feststellen von der ursprünglich angedachten Besinnlichkeit, dem Fest zur Christi Geburt? Fast nichts, außer einige wenige Bescheidene, die sich eben weigern, diesen Weihnachtsrummel mitzutragen, die andächtig, gelassen und in Stille feiern. Die große Masse folgt der längst etablierten Völlerei, dem Kaufrausch der Superlative, der Hektik und dem Streß. Bedenken wir, beim Fest der Liebe, wie es auch genannt, herrschen gleichzeitig Streit und Familiendramen, die nachdenklich stimmen sollten, was da wohl verkehrt läuft.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Besinnliche Weihnachten im Widerspruch

  1. cource schreibt:

    Weihnachten ist eine Zwangsveranstaltung, wo die Verwandschaft/Unternehmen/Länder usw. gezwungen werden, das „Kriegsbeil“ für ein paar Tage zu begraben und den Heiligenschein aufzusetzen – das ist lediglich ein Symbol der Macht der Kirche/Papst und hat nichts mit freiwilliger Zuwendung zum Mitmenschen zu tun, eine Zusammenkunft nur aus Angst/Scham ist lediglich ein Zeichen von Bildungsarmut/Überbewertung der Religionen.

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