Weihnachten ohne Schnee und Glamour


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Eindrücke eines scheinbar gesättigten Lebenswandels

Das Wetter spielt erneut nicht mit, so wie letztes Jahr schon geschehen. Hermann sagt, der Klimawandel habe längst auch Deutschland erreicht, obwohl Erna ständig zetert, daß dies Unsinn sei, es gebe immer mal milde Winter, wo sogar Krokusse plötzlich blühen, von weißer Pracht keine Spur. Was Erna aber zu übersehen scheint: Die Wetterextreme haben dennoch zugenommen, insgesamt ist eine konstante Erwärmung festzustellen.

Einige Tage vor Heiligabend will sowieso kaum andächtige Stimmung aufkommen, die Sorgen drücken allenthalben mit Blick auf den Weltfrieden. Die Amis möchten unbedingt einen großen Krieg mit Russland provozieren, während an vielen Orten in der Welt ohnehin die Waffen sprechen, sehr viele Flüchtlinge das Weite suchen, oftmals gen europäische Festung, die alles versucht, um dem Ansturm Herr zu werden, mit vielen bedauernswerten Toten, meist im Mittelmeer.

Davon sind etliche keineswegs betroffen, es feiert sich so schön gelassen, am besten gar weit weg an exotischen Orten, manchmal im hellen Sonnenschein, wohltemperierten 25 bis 30 Grad, wobei es an nichts fehlen darf im luxusverwöhnten Tagesverlauf. Das hat man sich schließlich verdient. Hat man das? Die meisten doch nur, weil sie sich auf der Gewinnerseite befinden, Gehälter einkassieren, die ein vielfaches eines einfachen Angestellten oder Arbeiters bedeuten. Überreichtum hat sich schon immer abheben müssen von gaffenden, keineswegs bemitleidenswerten Untergebenen, dem einfachen Volk. Apropos Armut und Verzweiflung.

Irgendwo an einem Ort, in einer hellerleuchteten, lauten Stadt, voller Autos, Einkaufszentren, Rotlichtmilieus, gestreßten Menschen, die beruflich oder zum Einkaufen unterwegs, so kurz vor Weihnachten, dort befinden sich abseits und doch unübersehbar Obdachlose, Verlierer, Verlassene und Einsame, um sich ein Stück Leben zu ergattern, teilweise gar glücklich mal nicht klirrender Kälte ausgesetzt zu sein, im ständigen Überlebenskampf der stillen Süchte, meist Alkohol, in Konkurrenz zu anderen Betroffenen, vereint, entzweit, verächtlich geschlagen, bespuckt oder ignoriert. Sehr selten ehrliche Anteilnahme ihnen widerfährt, weil jeder sich selbst der Nächste in einer Welt der Superlative, eines gesättigten Lebenswandels.

Da sitzen andere in Talkshow-Runden, labern über mögliche Szenarien, giften sich an, wer denn die besseren Argumente, während da draußen Zerstörung tobt, weil Waffen nicht nur gekauft, sondern auch eingesetzt werden, schließlich funktioniert nur so dieser Kapitalismus, dem wir alle frönen. Ohne Wachstum, folgt die Rezession, wird uns eingetrichtert, dabei müßte nicht ein Menschenwesen hungern, aber das will niemand, da die Verantwortung stets verschoben wird in Ausflüchte wie die UNO, eine angeblich funktionierende Demokratie, Rechtssysteme, die das regulieren sollen. Der Zerbombte, der Hungernde und Wohnungslose am Rande der Gesellschaften, im Überlebenskampf, den interessieren jene einfachen, bequemen Lebensmodelle keineswegs, er hat nichts mehr zu verlieren, außer sein Leben.

Der moralisch-ethische Zeigefinger erhebt sich sich zaghaft, besonders zu Weihnachten, wenn plötzlich die Nächstenliebe wiederentdeckt, Spendenaufrufe folgen, in Kerzenlichtstimmung wehmutsvoll der Geburt Christi gedacht. Jedoch die globale Verrohung, die latente Armut bleibt, während manche Zeitgenossen gewissenlos Sekt- und Champagnerkorkern knallen lassen, Kavier in sich hineinschaufeln, per Weiber, Wein und Gesang die wohlgefertigten Lebenslügen auf Kosten anderer in vollen Zügen genießen. Nein, kein Neid kommt auf, sondern ein mitleidiges Lächeln ob derartiger Dekadenz, die wohl nie vergeht, solange Menschen sich dermaßen leichtfertig unterjochen lassen.

Halleluja – Weihnachten ist bald da.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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3 Antworten zu Weihnachten ohne Schnee und Glamour

  1. Lopadistory schreibt:

    Hast recht, aber ich gewöhne mir schön langsam ab, die geistige Verarmung zu bedauern. Ich mache einfach mein Ding…

    Gefällt 1 Person

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