Auf den Spuren des Einfaltspinsels


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Die Götter müssen wohl verrückt sein

Sicherlich wird es die ein oder anderen Erziehungsberechtigen geben, die aus sittlichen Gründen ihren Kindern die Herkunft des Begriffs Pinsel ähnlich umschreiben wie die Frage, woher kommen die Babys. Falls ihnen bekannt wird, wie das Wort zu seinen sechs Buchstaben kam.

Diesem Personenkreis sei angeraten, schon im Krabbelalter ihren Sprößlingen dieses Malgerät mit Quast zu bezeichnen. Ist in der Herleitung viel unverfänglicher.

Quast, hergeleitet von Quaste, mittelhochdeutsch quast(e), queste, althochdeutsch questa, (Laub-, Feder)büschel, ursprünglich Laubwerk (Duden). Andere Bezeichnungen sind Troddel, Bommel, Zottel, Puschel. Kindgerecht erklärbar mit dem Bommel an der Mütze, vollkommen unverfänglich, oder?

Falls es ein wenig lehrreicher sein sollte, kein Problem. In den Zoos oder in Tierbüchern kann man dem Nachwuchs anhand von lebenden Wesen die Quasten ebenso anschaulich vor Augen führen. Dafür eignet sich der Quastenflosser sehr gut. Seine Ausbildungen an den Ruderflossen sind einer Quaste ähnlich ausgeprägt. Möglicherweise ist dies dienlicher, als dem Kind den Puschel am Löwenschwanz zu zeigen.

Etwas einfältig finden, besagt einerseits, der, die das ist arglos oder gutmütig, nicht besonders schlau, ohne Raffinesse, anderseits deutet es auf eine beschränkte Art des Denkens hin, wird meist angewandt, um jemand auf erniedrigende Weise abzuwerten. Arglosigkeit und Gutmütigkeit gehen hier Hand in Hand mit Begriffsstutzigkeit und Dummheit, sonderbarerweise. Oder doch nicht?

Schaut man sich den Begriff genauer an, erkennt man zwei Worte, ein und falten. Etwas einmal falten, könnte ohne weiteres darauf hindeuten, der oder die hat nur einmal über eine Sache nachgedacht. Dies könnte man als Arglosigkeit auslegen, wenn die Konsequenz dessen eventuell ein negatives Geschehen nach sich zieht. Etwas als Dummheit zu bezeichnen, wenn jemand auf Grund einer Behinderung nur die Fähigkeit besitzt, von einmaligem Denken, Schlüsse zu ziehen, kann dem Behinderten die Möglichkeit nehmen, aus seiner Schlußfolgerung Lehren zu ziehen.

Was ist man doch ab und an für ein Narr, ein Einfaltspinsel? Im Eifer des Gefechts mit Worten kommt man leicht vom eigentlichen Thema ab, wenn man einmal etwas falsch absortiert oder zu viel zusammenstellen will, was zwar nicht unerheblich, aber auch nicht unwichtig für den Gesamtzusammenhang ist. Einmal falten und sich mit dem Ergebnis zufrieden geben oder etwas zu viel falten, zu viel in eine Sache hineininterpretieren, kann sich im Endeffekt als eine artverwandte Komponente herausstellen. Der Begriff Einfaltspinsel ist demnach unabhängig vom geistigen Vermögen eines Mannes, einer Frau, eines Kindes.

Warum reicht es nicht aus, trottelige Personen einfach, der Einfältige, die Einfältige zu nennen? Ja, warum wohl? Und warum hat sich der Begriff Einfaltspinsel in unserem Wortschatz erhalten? Immerhin ist er seit Mitte des 18. Jahrhunderts in unserem Sprachgebrauch. Die spinnen die Römer, sagte schon Obelix, und wo er Recht hat, hat er Recht, der „Einfaltspinsel“.

Pinsel, mittelhochdeutsch bensel, pinsel, altfranzösisch pincel, über das Vulgärlateinische, lateinisch penicillus , Pinsel, Verkleinerungsform von: penis, Penis (Duden) Synonyme dazu sind Glied, Penis, Schwanz.

Welche kognitiven Überlegungen oder sogar nur eine einmalige Gedankenfaltung die Lateiner veranlaßt haben mögen, einem Gerät zum Malen den Namen Penis zu geben, das können wohl nur die Götter beantworten. Wenn denn es ihnen nicht schwerfällt, von einem kleinen Penis (penicillus) zu sprechen und damit die Männlichkeit, das Gemächt, nicht unter Generalverdacht bezüglich ihrer Größe gestellt wird.

Natürlich könnte man aufgrund dieses Wissens über die Wortherkunft des Pinsels mannigfaltige Erklärungen über die Selbsteinschätzung der römischen männlichen Bevölkerung anstellen. Sicherlich wäre mit dieser Gedankenspielerei ein kleines Büchlein zu füllen, mit dem Hinweis auf dem Cover, moralisch und sittlich nicht unbedenklich. Wie einfach gestrickt und gefaltet waren doch die Menschen in früheren Zeiten, manchmal kann man das regelrecht vermissen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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