Stress im Alltag


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Jeder Tag hat nur 24 Stunden

Unsere schnellebige Zeit fordert täglich ihren Tribut von uns, wenn wir uns dazu bereit erklären, auch mal ein wenig genauer hinzuschauen in unseren Tagesablauf. Doch selbst dieser kurzen Reflektion des Alltags kann der ein oder andere sich nicht hingeben, weil die notwendige Muße dazu fehlt. Bekanntlich hat jeder Tag nur 24 Stunden, die uns viel abverlangen und auf diese Weise Streß aufbauen. Wie kann diese Entwicklung durchbrochen, gemildert oder gar beendet werden? Wodurch entstehen diese eigentlich völlig unnötigen Prozesse, denen wir uns unterordnen?

Blicken Sie einfach mal zurück, vielleicht fünfzig oder gar 80 Jahre, also noch vorm Zweiten Weltkrieg. Was unterscheidet die damaligen Zeiträume zur heutigen? Richtig, der Alltag gestaltete sich wesentlich ruhiger. Schweifen wir den beobachtenden Blick, vergegenwärtigen uns nur die Straßenbilder in den Städten und Dörfern: Was sehen Sie? Weniger Verkehr, dafür viel mehr Menschen zu Fuß, vor allem in den ländlichen Gemeinden. Gespräche finden statt, lauthals oder in leisen, vertraulichen Tönen, aber sie sind präsent, füllen den Raum mit Leben. Zwar waren es damals die Männer, die ihre Familien hauptsächlich ernähren konnten, doch die Mütter sorgten sich um ihre Kinder, konnten sich entsprechend ihnen widmen, Schlüsselkinder waren die absolute Ausnahme.

Nein, das soll jetzt kein Wunschdenken zurück zur „Frau an den Herd-Zeit“ sein, ganz im Gegenteil. Hätten damals schon Frauen die selben Rechte doch nur gehabt. Männer können ebenso die Rolle der Kindererziehung übernehmen, selbst wenn heute noch „Hausmänner“ schief betrachtet, als „Weicheier“ diffamiert werden, wo wir doch so tolerant uns wähnen. Das Leben gestaltet sich nicht nur über die Arbeit. TV, damals, ein Novum, gab es vorerst nicht, Anfang der 1960iger war es nur auf sehr wenige Programme beschränkt, in Familien herrschte noch reger Austausch, ob per Gesellschaftsspiele, Basteln oder auch einfach mehr miteinander Reden, die Zeit war nicht mit anderen Dingen „gefüllt“, das Stichwort, um wieder umzuschwenken auf unsere Gegenwart.

Der häufigste Satz, den der aufmerksame Zuhörer vernimmt: Ich habe jetzt keine Zeit. Stimmt das auch? Bei vielen tatsächlich. Sie sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, ein Termin jagt den nächsten, es geht doch nichts über einen vollgepackten Terminkalender, dann weiß man wenigstens Bescheid, daß man auch gebraucht wird. Übrigens hat es durchaus einen Grund, warum in den USA immer noch neben dem Arbeitsplatz auch der/die Therapeut/in mindestens den selben Stellenwert hat.

Unser verkorkstes, schnellebiges Leben muß halt irgendwie „sortiert“ werden. Anstatt sich mal zu fragen, was die Hauptursache ist, wird einfach ahnungslos herumgedoktert. Die Pharmalobby freut sich genauso wie fast alle Konzerne, die dem emsigen, zügellos menschlichen Treiben beinah schadenfroh zuschauen, weil die Verdienstspannen ihnen Recht geben. Jetzt könnten Sie ja fragen, was hat das damit zu tun? Nun, ganz einfach.

Solange der Großteil der Bevölkerung damit beschäftigt ist, diesem ewigen Run nach Erfolg, Ablenkung durch TV, PC-Spiele hinterher ist, um überhaupt lebensfähig dem Folge leisten zu gönnen, sind mehr als zwei oder noch mehr Jobs notwendig, der Faktor Zeit erhält eine dramatische Dimension. Es verbleibt keine Zeit, sich seiner selbst zu besinnen oder gar über das Leben, die Welt, diese ganzen Zusammenhänge nachzudenken. Soll auch niemand. Gestreßte Menschen sind zweckdienlich, funktionieren daher ganz im Sinne einer inhumanen Vorgabe. Und wer infolge des Streßes erkrankt, denken wir nur an Herzinfarkt, Burn-out, hat Pech gehabt. Es gibt genug Nachschub von uns. Reduziert sich mal wieder alles dem ewigen Profitgedanken, also auch der Streß im Alltag? Es schaut ganz danach aus.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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