Unterschied zwischen anschwärzen und rot markieren


Etwa von eigener Unfähigkeit ablenken?

Und wenn es wieder Mode wird, Menschen anzuschwärzen, ist es höchste Zeit, dies rot zu markieren.

Es mag viele Gründe und Begebenheiten geben, jemanden anzuschwärzen, und dies muß nicht unbedingt aus Hinterhältigkeit geschehen, wenn dadurch ein Verbrechen verhindert werden kann. Aber dennoch bleibt das Anschwärzen eine als negativ gewertete Handlung, in etwa vergleichbar mit jemanden verpfeifen, also quasi jemanden verraten.

Bei Adelung (Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart) wird anschwärzen folgendermaßen erklärt: „Anschwärzen bedeutet in diesem figürlichen Verstande so viel, als an die schwarze Tafel, oder in das schwarze Register schreiben“.

In Wirtshäusern, Schulen wurden die Namen derer, die sich nicht wohlgefeit verhalten haben, auf schwarze Tafeln geschrieben. Auch in schwarzen Registern wurden Personen aufgeführt, die gefürchtet und berüchtigt waren. Sicher standen schon damals nicht nur die „Bösen“ auf so einer Liste, sondern ebenso Personen, die „mißliebig“ waren.

Wenn man davon ausgeht, daß nur die Halunken angeschwärzt wurden, ist es verwunderlich, daß anschwärzen gleichgesetzt ist mit erniedrigen, in den Schmutz treten, verleumden. Demnach ist es sicherlich nicht nur ein paar Mal vorgekommen, daß unbescholtene Personen auf diesen schwarzen Listen landeten, denn ansonsten würde diese Sprachherkunft in einem anderen Kontext, der diese Listen befürwortet, genannt werden. Jede intakte Gesellschaft ist bemüht, in ihren Reihen für Recht und Ordnung zu sorgen, wenn dies aber aus Profitgier oder persönlichen Befindlichkeiten geschieht, dann ist das schwarze Register, das Anschwärzen nur Mittel zum Zweck, unliebsame Personen zu diskreditieren, zu verurteilen. Damit ist verständlich, daß Anschwärzen zu Recht negativ belegt wurde.

Eine Partei, die dazu aufruft, Personen zu benennen, um zu erfahren, wer mit ihrer Politik nicht einverstanden ist, oder sogar nur Zweifel an einigen Passagen ihres Parteiprogramms hat, ist ergo eine Partei, die zur Denunziation, Diffamierung anstiftet und deshalb nicht wählbar, außer man lechzt danach, jemanden, dem man schon länger auf dem Kieker hat oder dessen Nase einem nicht gefällt, endlich mit „Gesetz“ im Rücken eins auszuwischen.

Wer kennt es nicht, das schlechte Gefühl, wenn die Lehrkraft die Klassenarbeiten austeilte und zu viele rot markierte Haken, Striche und Kreise auffällig ins Auge stachen.

Etwas im Kalender rot markieren, damit es nicht vergessen wird, ist bereits seit Jahrhunderten bei uns im Sprachgebrauch.

Kalender geht auf lat. calendare (ausrufen) zurück und bewahrt ein Stück Kulturgeschichte der Zeitbestimmung. Die Römer gliederten den Monat nicht in gleichmäßige Abschnitte (wie Wochen), sondern in die ungleichmäßigen Teile Kalenden, Nonen und Iden. Kalenden hießen die ersten Tage des Monats deshalb, weil der erste Tag des Monats öffentlich ausgerufen wurde. Die Iden waren der 15. oder der 13. des Monats, und die Nonen waren der 9. Tag vor den Iden. Das, was wir heute z. B. als den 8. November bezeichnen, war in altrömischer Rechnung der 6. Tag vor den Iden (15. des Monats) des November. Um 100 n. Chr. wurde die regelmäßige Sieben-Tage-Woche eingeführt, deren Tagesnamen sich an den damals bekannten sieben Planeten orientierten. Den Sonntag als Ruhetag bestimmte erst Konstantin 321 n. Chr. anlässlich seiner Bekehrung zum Christentum. Damals wurde es üblich, diesen Ruhetag im Kalender besonders (etwa: rot) zu markieren, um seinen Sonderstatus festzuhalten. (redensarten-index)

Etwas rot markieren war demnach im Ursprung nicht im Gebrauch, um jemanden seine Verfehlungen vorzuführen, sondern als Erinnerungsstütze für einen freien Tag in der Woche. Die rote Markierung bedeutete, etwas Wichtiges, Angenehmes nicht zu verpassen.

Kurz zusammengefaßt, anschwärzen ist deshalb negativ belastet, weil nicht nur die „Bösen“ auf schwarze Listen gesetzt wurden. Rot markieren bedeutete im Ursprung nicht Fehler, Vergehen von anderen, zu kennzeichnen.

Wenn Denunziantentum, wieder Mode wird, ist es höchste Zeit auszurufen, mit rot den Kalender zu markieren, um nie zu vergessen, Anschwärzen darf niemals als Mittel zu Verfügung gestellt werden, nur um von eigener Unfähigkeit abzulenken.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Eine Antwort zu Unterschied zwischen anschwärzen und rot markieren

  1. Hat dies auf Babsi's Aufschrei Herz_statt_Hass rebloggt und kommentierte:

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