Proleten benötigen banale Parolen


Jeder ist sich selbst der Nächste

Es stinkt schon nach starkem Tobak, wenn fast dreißig Prozent Wähler eines Bundeslandes ihr Kreuzchen bei einer Partei hinpinseln, die eindeutig Faschismus, Rassismus versprüht. Diktatorische Parolen brüllen und fast im gleichen Atemzug überheblich grinsend, wie als ob sie Kreide gefressen hätten, einbalsamierend tönen, das meinen wir nicht so, wir sind liebe Patrioten.

Die Heimatverliebten sorgen wieder für Ordnung, Gesetz, daß das Alte erhalten bleibt. Frauen wieder das Heimchen am Herd verkörpern, wie es sich von Anbeginn aller Zeiten gehört, Feminismus eine von Furien, männerfeindlichen Weibern hervorgerufene Propaganda, die nur dazu dient, Männern ihren angestammten Platz als Ernährer, Erzeuger und Wortgeber streitig zu machen, deshalb wird das Scheidungsrecht erschwert, Frauenhäuser geschlossen, Abtreibungen mit Teufelswerk betitelt.

Aufklärung gibt es bei rechten Parteien nicht, sie achten auf Anstand und Sitte, je weniger die Kinder und Jugendlichen informiert sind, desto einfacher ist es, dafür zu sorgen, daß ihre Sexualität nur zum Fortbestand der Kultur beizutragen hat. Zöpfe, was habt ihr eigentlich gegen Greta, stramme Hosen, lange Röcke, Trachten sind die unbedingten Kennzeichen eines aus dem Trauma der offenen Gesellschaft aufgewachten Jungvolks.

Jeder ist sich selbst der Nächste, deshalb muß jeder für sich selbst aufkommen, gelle. Keine sozialen Auffangnetze mehr. Alles wird privatisiert, Rente, Krankenkasse. Nur die Steuern, die werden weiterhin auf allen lasten und natürlich auf denen am meisten, die mehrheitlich den größten Anteil an der Bevölkerung stellen, den Arbeitern und Angestellten. Die Wirtschaftsbosse sind schon genügend damit überfordert, denen Arbeit zu beschaffen, deshalb benötigen sie als Ausgleich Steuererleichterungen.

Nicht vergessen, jeder bekommt Zusatzboni fürs Denunzieren, da läppert sich über die Jahre sicher ein fettes Pölsterchen an. Denn wer sich auf die faule Haut legt, kann ansonsten nicht mit Erbarmen rechnen, egal ob krank, gesund, zu tun gibt es genug, denn die links-grün-versifften Toleranten wollen erkannt und benannt werden. Schließlich ist es zu aller Vorteil, in einem von intellektuellen Wichtigtuern befreiten Land zu leben. Dann gibt es keine Widerrede mehr, dann herrscht einig Meinungsfreiheit.

Und es läßt sich nicht leugnen, wer rechte Parteien als Lösung aller Probleme ansieht, der will Absolution für all sein herrisches Verhalten gegenüber allem und jedem, das ihm nicht in den Kram paßt. Sie wollen keinen Diskurs, sie wollen Diktatur. Herr Gauland hat so treffend vor der Wahl dies klargestellt. „Sollten Sie Freunde oder Bekannte haben, die sich vor der Machtergreifung der AfD ängstigen, sagen Sie denen bitte, unter der AfD wird niemand verfolgt.“

Nach der Machtergreifung wird niemand verschont, wäre wohl ehrlicher gewesen. Dies ist im Sinne ihrer Wähler, endlich denen eins auszuwischen, die einem schon lange auf den Sack gehen. Eine bessere Politik gibt es nicht, um endlich wieder jene auszuräuchern, denen es vermeintlich besser geht. Die will man in ihre Schranken weisen. Um nichts anderes geht es, als um Rache, egal ob man dafür selber Einbußen hinnehmen muß. Aber das wird nicht passieren, schließlich haben die Kameraden Ehre und Loyalität im Leib. Und wer sich’s verscherzt, selber schuld.

(Proletarier, lateinisch von proles, Nachkomme, jemand, der als einzigen Besitz seine Kinder hat) „Seit 1830 wird der Begriff zur Bezeichnung der pauperisierten Unterschichten verwendet, die als Gefahr für die soziale und politische Stabilität angesehen werden.“ Wikipedia

Haben Marx und Engels noch die Hoffnung gehegt, daß sich Proletarier aller Länder vereinigen sollen, haben es die neuen Rechten einfacher, wenn sie die Proleten (Banause, laut Duden) „Banause, Mensch mit unzulänglichen, flachen, spießigen Ansichten in geistigen oder künstlerischen Dingen; Mensch ohne Kunstverständnis und ohne feineren Lebensstil“ zur gemeinsamen Verteidigung ihrer kleinkarierten Weltanschauung mobilisieren.

Am liebsten aber wäre es für die “Heilsbringer“, wenn sie nur noch Lethargiker, abgestumpfte, interessenlose Menschen (Lethargie, Geistesträgheit, Gleichgültigkeit, Desinteresse, Stumpfsinn) alle paar Jahre mit verheißungsvollen Parolen hervorlocken können, um ihren Dunstkreis mit einem Kreuzchen zu untermalen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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3 Antworten zu Proleten benötigen banale Parolen

  1. asisi1 schreibt:

    Von meiner Rente haben mir die etablierten Politiker 50% gestohlen. Der Krankenkassenbeitrag, nebst Pflegeversicherung und Steuern wurden von den Lumpen der SPD und CDU eingeführt. Zuzahlungen an allen Ecken und immer schlechtere ärztliche Behandlungen. Und so könnte man noch Seiten füllen, mit den sozialen Knebeleien die diese Parteien eingeführt haben. Die AfD könnte diese Mist nicht in 200 Jahren wieder gerade biegen! Für mich gehören die derzeitigen Politiker vor ein ordentliches aber ausländisches Gericht!

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  2. cource schreibt:

    die traumatisierten AfD-wähler sehen sehr wohl, wer in deutschland die macht hat und glauben deshalb nicht an gerechtigkeit, sondern nur an die identifizierung mit den machthabern/kapitaleignern, um so in deren gunst zu fallen—erbärmliche feiglinge.

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  3. Frei schreibt:

    Als ich die Überschrift las dachte ich, Sie meinen die Wähler der (nicht mehr) Volksparteien.

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