Politik und Fernsehen eine sinnige Symbiose?


The Show must go on

Politik darf fast alles. Jedenfalls bekommen dies die Menschen im Lande ohnehin tagtäglich auf ganz unterschiedliche Weise zu spüren. Die einen haben darunter zu leiden, während die anderen aufgrund ihrer grenzenlosen Loyalität zur herrschenden Politik davon profitieren. Eigentlich findet die reale Politik nicht im Bundestag statt, sondern in Fachgremien, die nach einem langen Prozeß der Analyse Entscheidungen umzusetzen haben.

Die Gesetze zusammen mit der strikten Einhaltung dieser selbst bestimmen unser aller politisches Leben. Das Drumherum, das Debattieren in den Parlamenten, vor allem seit dem Beginn des Zeitalters des Fernsehens, dient lediglich der hautnahen Wiedergabe des demokratischen Diskussionsverlaufes innerhalb der zu entscheidenden, regierenden Parteien zusammen mit der Opposition, damit sich die Bevölkerung darüber ein „Bild machen darf“. Und was nützt es ihr selbst?

Nicht nur seit Ronald Reagan, der im Januar 1981 der 40. US-amerikanische Präsident wurde, haben Film, Schauspiel und Politik sich zusammengefunden, um gemeinsam eine gewisse Wirkung ans Wahlvolk zu erzielen. Eindrucksvoll hat dies Arnold Schwarzenegger bewiesen, so auch, wenn Satire sich berechtigt einmischt im Schauspiel Politik. Kann diese fast untrennbar verlaufende Grenze zwischen ernsthafter Politik und Showbiz nicht am Ende zum Stolperstein werden, wenn es darum geht, das Volk und seine Sorgen wirklich ernst zu nehmen?

Das größte Publikum befindet sich zu Hause vor den Fernsehbildschirmen

Die Wirkung des Fernsehens sollten wir in keiner Weise unterschätzen, dies beschrieb nicht nur zukunftsdüster George Orwell in „1984“, sondern die Allgegenwart dieses Mediums wurde längst zur Gewißheit. So verfehlte sie auch nicht ihren Einfluß, wenn wir nur an Rededuelle im TV denken. Am Ende hat der Wähler mit seinem Kreuzchen zu entscheiden, welche Partei die politischen Geschicke des Landes mitbestimmen soll. Doch findet der Prozeß zur Entscheidung außer am Stammtisch auch im eigenen Wohnzimmer beim Fernsehschauen statt?

Wenn wir uns die zunehmenden Sendeformate ein wenig genauer betrachten, kann diese Frage schon bejaht werden. Denken wir zurück an Stuttgart 21, wo sowohl Politik als auch das aufgebrachte, demonstrierende Volk keine Einigung fand, da mußten halt Schlichtungsversuche herhalten, natürlich per TV live übertragen. Wer sich vor der Kamera nicht wirklich professionell gut vorbereitet, wird schnell enttarnt, bzw. das Publikum verzeiht hinterher keine Fehler, die vorher nicht bekannt waren.

Kann das TV zur konstruktiven Kritik wirkungsvoll beitragen?

Diese Frage kann schon bejaht werden. Große Satiriker wie Loriot, Dieter Hildebrandt oder ein Hagen Rether, um nur drei zu nennen, haben sie übers Fernsehen in unser Wohnzimmer transportiert. Wir müssen davon ausgehen, daß die Wirklichkeit sich über das Medium Fernsehen erst recht offenbaren wird, egal ob in Form von Shows oder Dokumentationen.

Es kommt ans Licht, was erscheinen soll, wobei die Möglichkeit der Manipulationen auch hierbei gegeben sind. Die Dialektik steckt im Detail und vor allem in uns selbst, nämlich ob wir bereit sind, die Welt dahingehend mitzugestalten. Unser Einfluß muß ohnehin wachsen, wenn wir nicht überrollt werden wollen von wenigen, mediengeilen Machern, die diese Instrumente für sich selbst nutzen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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