Monolog zur Rolle der Frau in Deutschland


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Ich gehe spazieren, urige Fachwerkhäuser säumen meinen Weg, meine Lieblingskneipe, in der ich immer wieder gerne einkehren mag, hat wegen Renovierungsarbeiten seit allzu langer Zeit geschlossen.

An dem Flüsschen, das sich durch die Stadt zieht, sitzen junge Menschen, anscheinend glühen sie vor. Ich wandere so vor mich hin und verspüre Hunger. Das vietnamesisch-thailändische Restaurant, das mich mit seinen ewigwarmen Feuertöpfen so zu begeistern mag, kreuzt meinen Weg. Kurzentschlossen gehe ich hinein und werde knapp angebunden empfangen. Nicht unhöflich, aber dezent, man will die anderen Gäste nicht stören.

Essen und Wein sind schnell bestellt, natürlich mit viel Gemüse im Gericht wie ich weiß. Kokossoße, Rindfleisch, Gemüse zart und knackig. Während ich so speise, fällt mein Blick immer wieder auf das gleiche Bild. Rote Blätter, es ist Herbst, und viele fleißige Personen, die Laub sammeln und wegtragen. Warum, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Personen sind gesichtslos. Erst auf dem zweiten Blick bemerke ich die leeren Gesichter. Keine Augen, kein Mund, keine Nase. Es sind Frauen, wie ich an dem Haarschnitt und der Kleidung unschwer erkennen kann – kein Mann in Sicht.

Ich blicke mich um und erkenne mehrere solcher Bilder, Frauen, Herbst, Arbeit. Immer das gleiche Schema anders in Szene gesetzt. Bald schon habe ich aufgegessen und bezahle Speis und Trank. Aus Neugierde erfrage ich des Bildes Ursprung. Kurz und knapp lautete die Antwort – Vietnam. Zwar etwas einsilbig, aber immerhin habe ich nun eine Auskunft.

Während ich so sitze, schweifen mir Gedanken diverser Art durch den Kopf. Missachtung der Frau durch Unkenntlichkeit des Gesichtes? Beachtung der Rolle der Frau als Antriebskraft des gesellschaftlichen Geschehens? Die Frau unabdingbar?

Oder die Ausbeutung der Frau für Arbeit, die sonst keiner macht? Anhand der fröhlichen Farben sind die textlich bewusst gemischt platzierten negativen Gedanken undenkbar, so dass nur die beiden positiven überbleiben. Bewusst gemischt, damit man sich das Gedankenkarussell nochmals durchliest und einprägt.

Sei es, wie es sein mag, der Frau wird zumindest viel Beachtung geschenkt, auch dem Fleiß der Frau wird gemalt ein Tribut gezollt. Und es wird öffentlich gemacht! Wenn ich in deutschen Restaurants einkehre, sehe ich nur Bedienung und Restaurantbesucher weiblichen Geschlechts. Auf den Bildern ackern meist die Bauern, kein Millimeter, kein Pinselstrich erwähnt nur im Ansatz eine Frau. Schwere Gerätschaft, Ochsen und Wald… Warum der Mann?

Schenken wir unseren Frauen zu wenig Beachtung? Selbst wenn die vietnamesischen Bilder eine Verachtung zeigen sollten, so weisen sie gezielt darauf hin. Letzten Endes vermitteln die lebendigen Bilder aber den Charakter, als wenn die Frau und ihre harte Arbeit sehr geschätzt werden.

Mein Resultat: Wenn Frauen  nicht mal auf Bildern in deutschen Restaurants vorkommen, aber in Vietnam, einem konfuzianisch geprägten Land, eine zentrale Rolle einnehmen, haben wir bezüglich Emanzipation, Gleichberechtigung und Feminismus noch einen weiten Weg vor uns.

Nils Rudolph

Kategorie: Meinung

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Eine Antwort zu Monolog zur Rolle der Frau in Deutschland

  1. Kunst&Sein schreibt:

    Das Problem ist meiner Meinung nach nicht das nicht genug Beachtung schenken, sondern das Fehlen von Bewusstsein, was eine Frau eigentlich für eine Rolle hat in unserer Gesellschaft und ob es das ist, was Frau will…

    Gefällt 1 Person

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